Hofschlachtung von Schafen und Ziegen legalisiert

Der Minister für Fischerei und Landwirtschaft, Kristján Þór Júlíusson, hat heute ein Gesetz unterzeichnet, welches den Betrieb von kleinen Schlachthäusern für Schafe und Ziegen gestattet, berichtet das Fréttablaðið. Damit können Landwirte ihre Tiere in den lizensierten Einrichtungen selber schlachten und das Fleisch zum Verkauf verarbeiten. Eine solche Produktion und Vermarktung war bislang ungesetztlich gewesen.

Die oberste Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat dazu ein Infoblatt veröffentlicht, welchem man Voraussetzungen und Bestimmungen zur Hofschlachtung entnehmen kann.
Dabei stehen Tier- und Fleischbeschau durch einen Tierarzt vor Ort an erster Stelle, die Kosten dafür trägt der Staat.

“Schon lange war danach gerufen worden, dass Bauern ihre Schafe und Ziegen auf den Höfen selber schlachten und ihre Erzeugnisse verkaufen dürfen. In den vergangenen zwei Jahren war ein grosses Arbeitsprojekt zusammen mit Bauern und der Lebensmittelaufsichtsbehörde in Gang gesetzt worden, um Wege zu finden, diese Produktion derart zu gestatten, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Lebensmittelsicherheit sowie zum Tierschutz und Tierwohl eingehalten werden. Die Änderungen, die wir heute vornehmen, markieren eine Zeitenwende, denn sie bergen wichtige Möglichkeiten, die Wertschöpfung und das Auskommen der Bauern in der Zukunft zu stärken,” schreibt der Minister in einer Regierungsmitteilung.

Im letzten Sommer hatte sein Ministerium zusammen mit dem Verband der isländischen Schafszüchter ein Testprojekt zur Hausschlachtung in die Wege geleitetet. Insgesamt war dieses Projekt positiv verlaufen, und auch die Stichproben zur Fleischqualität, die die Bauern selbst entnahmen, waren gut ausgefallen. Das einzige was Schwerigkeiten bereitete, war die tierärztliche Aufsicht per Internet, da vielerorts die Internetverbindung mangels Netzverfügbarkeit nicht ausreichte. Daher muss nun ein Tierarzt zur Schlachttier- und Fleischbeschau persönlich anwesend sein, die Kosten dafür übernimmt jedoch der Staat.

Aktionsplan zur Förderung der Landwirtschaft
Das neue Gesetzt ist der Regierungsmitteilung zufolge Teil eines Aktionsplans zur Förderung der isländischen Landwirtschaft, die unter den Folgen der COVID_19 Pandemie gelitten hat.
Im vergangenen Herbst war es zu Verzögerungen in der Schlachtung gekommen, weil das Saisonpersonal aus Neuseeland nicht hatte anreisen können. So mancher Landwirt hatte wochenlang auf die Schlachtung seiner Tiere warten müssen. Insgesamt haben der dramatische Preisverfall beim Lammfleisch und die geänderten Essgewohnheiten der Bevölkerung den Schafzüchtern zu schaffen gemacht. Mit 400,724 Tieren im Winterfutter hatte die Zahl der Schafe im Jahr 2020 den niedrigsten Stand sei dem Jahr 1861 erreicht, als eine Seuche den Bestand auf 327,000 Tiere reduzierte.

“Durch Herstellung und den Verkauf der Erzeugnisse ab Hof werden Wertschöpfung und Auskommen der Bauern für die kommende Schlachtsaison gestärkt. Damit soll auch eine weitere Verarbeitung, Warenentwicklung, die Bewahrung von handwerklichem Können und kulturellem Erbe bei der Verarbeitung von Lebensmitteln unterstützt werden,” heisst es in der Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums.

Angestossen war das Projekt der legalen Hausschlachtung durch den ehemaligen Direktors von Matís, Sveinn Margeirsson, der im Jahr 2018 einen durch das Institut wissenschaftlich betreuten Testlauf gestartet und eine Studie dazu verfasst hatte. Wegen Formfehlern hatte Sveinn sich vor Gericht verantworten müssen, wurde in der Folge jedoch vom Vorwurf der ungesetzlichen Schlachtung und Verkauf von illegalem Fleisch freigesprochen. Seinen Posten bei Matís verlor er, die Studie zur Fleischqualität wurde nie veröffentlicht.