COVID: Neue Einreisebestimmungen, Quarantänehotel ist kostenlos

Oddsson Hotel Room

Die isländische Regierung hat am Nachmittag Änderungen der Einreisebestimmungen verkündet. Sie erfolgten auf Vorschlag von Chefepidemiologen Þórólfur Guðnason und treten heute um Mitternacht, dem 9. April in Kraft. Ziel ist es, das Einsickern des Sars-CoV2 Virus ins Land zu verhindern, mit den rechtlichen Mitteln, die das isländische Seuchenschutzgesetz zulässt.
Nach Ansicht des Epidemiologen ist ein Einsickern des Virus durch die Grenze nur mit schärferen Massnahmen an den Grenzen zu bekämpfen. Die Durchimpfung der Bevölkerung sei nicht weit genug vorangeschritten, um angesichts der Pandemielage im Ausland eine Virusausbreitung zu verhindern. In den Nachbarländern breiteten sich derzeit neue Varianten aus, die vor allem jüngere Menschen schwer träfen, zudem sei nicht bekannt, ob sie Reinfektionen verursachen könnten und wie sicher die aktuell genutzten Impfstoffe dagegen wirkten.

Gleiche Regel für alle Einreisenden
Die Seuchenschutzbestimmungen gelten für alle Einreisenden, egal aus welchem Land sie kommen, ob es sich um Hochrisikogebiete handelt oder nicht.
Test und Quarantäne
Alle Einreisenden müssen sich an der Grenze testen lassen. Dann folgen fünf Tage Quarantäne und ein weiterer Test. Die Quarantäne kann an einem Ort der Wahl absolviert werden, wenn dieser den Bestimmungen entspricht.
Alle, die keinen geeigneten Ort für ihre Quarantäne vorweisen, können diese im Quarantänehotel absitzen. Diese Möglichkeit kann auch freiwillig gewählt werden.
Quarantäne zuhause
Die für die Quarantäne genutzte Unterkunft muss Bestimmungen erfüllen: die Person muss dort alleine sein. Wenn sich mehrere Personen in der Unterkunft befinden, sind diese automatisch mit in Quarantäne.
Quarantänebruch
Wird eine Person in Quarantäne dabei erwischt, diese zu brechen, kann der Chefepidemiologe entscheiden, diese Person für den Rest der Zeit ins Quarantänehotel zu verbringen.
Quarantänehotel
Alle Personen, die keine quarantänegeeignete Unterkunft vorweisen können, und solche, die freiwillig das Hotel wählen, nutzen diese Einrichtung kostenlos. Es besteht die Möglichkeit, nach draussen zu gehen. Auf Kinder wird in Bezug auf den Aufenthalt im Freien und Spielmöglichkeit gesondert Rücksicht genommen.
Test und Kinder in Quarantäne
Kinder die 2005 und früher geboren wurden, werden an der Grenze getestet. Reist ein Kind mit einem Erwachsenen, der in Quarantäne muss, geht das Kind mit in Quarantäne und beendet sie, wenn der zweite Test des Erwachsenen negativ ausfällt. Wenn die Begleitperson nicht in Quarantäne muss (Impfattest, Antikörperattest), gilt dies auch für das Kind. Alleinreisende Kinder müssen nicht in Quarantäne.
Test bei Personen mit Attest
Der verpflichtende Test für Personen mit Impfattest oder Antikörperattest wird ausgeführt, weil es Hinweise darauf gibt, dass auch solche Personen das Virus übertragen können. Sie müssen nicht in Quarantäne, aber sie müssen in ihrer Unterkunft warten, bis das negative Ergebnis vorliegt. Diese Bestimmung wird vor dem 1. Mai erneut geprüft.
Kontrolle der Quarantäne
Der Chefepidemiologe schlägt eine vermehrte Kontrolle der in Quarantäne befindlichen Personen vor. Hier soll die Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz verstärkt werden. Ausserdem sieht er höhere Geldstrafen im Fall eines Quarantänebruchs vor.
Die beiden letzteren Vorschläge sind der Staatsanwaltschaft und der Polizeileitung zur weiteren Ausarbeitung vorgelegt worden.

COVID-19: Aufruf zu Solidarität bei der Bekämpfung des Virus

COVID-19 test

Bei der heutigen COVID-Pressekonferenz legten die Referenten gesteigerten Wert auf anhaltende Solidarität innerhalb der Öffentlichkeit, um Inlandsinfektionen im Zaum zu halten. Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason drückte seine Hoffnung aus, dass die kommenden Monate mit zeitgleich vermehrten Impfanstrengungen die letzten Meter des Pandemiemarathons in Island darstellen. Erst eine virusfreie Gemeinschaft sei Voraussetzung für Lockerungen. Besondere Sorge bereite ihm die zunehmende Ausbreitung der britischen Variante in Europa. Seiner Ansicht nach ist es zu spät dagegen vorzugehen, wenn sie sich in Island erst mal eingenistet hat.

Er gab an, ein Empfehlungsschreiben über weitere Einschränkungen an der Landesgrenze an das Gesundheitsministerium übermittelt zu haben. Da am vergangenen Osterwochenende ein Gericht die Zwangsunterbringung von Reisenden aus Hochrisikogebieten im staatlich betriebenen Quarantänehotel als ungesetzlich beurteilt hatte, müssen nun Þórólfur zufolge andere Wege beschritten werden, um sicherzustellen, dass Einreisende aktive Infektionen nicht in der Bevölkerung verbreiten. Darunter fällt die vermehrte Kontrolle von Personen in Quarantäne, und noch klarere Voraussetzungen dafür, welche Unterkunft quarantänegeeignet ist.

Vorgestern waren in Südisland fünf neue Infektionsfälle festgestellt worden, verursacht durch eine neue Virusvariante, die bislang in Island nicht vorgekommen war. Die Gruppeninfektion konnte auf eine Person zurückverfolgt werden, die an der Grenze ein Antikörperattest vorgelegt hatte. Offensichtlich war die Person jedoch infiziert eingereist und bei der Testung aber nicht diagnostiziert worden. Solche Fälle seien Þórólfur zufolge selten und zum jetztigen Zeitpunkt kein Grund, um Vorgehensweisen zu ändern.

Gestern wurden an der Grenze drei aktive COVID-19 Fälle gefunden. Alle Fälle der letzten Wochen, sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch an der Grenze, konnten auf die britische Virusvariante zurückgeführt werden. Die Getesteten waren längst nicht alles Touristen, sondern auch Personen, die hier leben und arbeiten.

Drei Gruppeninfektionen sind hauptsächlich verantwortlich für die derzeitige Welle. Die meisten konnten auf Personen zurückverfolgt werden, die aus dem Ausland einreisen und die Quarantäne brechen, entweder mit klarem Vorsatz, oder weil sie glaubten, dass sie nicht ansteckend sind. Damit sei klar dass solche durch Einzelpersonen verursachte Gruppeninfektionen eine neue Pandemiewelle verursachen können, sagte Þórólfur. Seine neuen Vorschläge für eine Gestaltung der Quarantäne für Einreisende seien nicht so wirksam wie die Zwangsquarantäne, aber er hofft dass sie im Kampf gegen das einsickernde Virus dennoch Erfolg zeigen werden.

Auch weiterhin müssen sich Personen, die ein Impfattest oder ein Antikörperattest vorlegen, an der Grenze einmalig testen lassen und können sich erst dann auf Reisen begeben, wenn das negative Testresultat vorliegt. Zum jetztigen Zeitpunkt steht nicht an, diese Leute in Quarantäne zu schicken.