Quarantänehotel ist Gerichtsurteil zufolge ungesetzlich, Staat geht in Berufung

Fosshotel quarantine Reykjavík COVID-19

Die isländischen Behörden hatten keine rechtliche Grundlage, um Reisende zum Absitzen ihrer Quarantäne in einem staatlich betriebenen Quarantänehotel zu verpflichten, wenn die Personen geeignete Bedingungen zuhause vorweisen können. Zu diesem Ergebnis ist das Reykjavíker Bezirksgericht gestern bei seiner Urteilsfindung gekommen. Die Behörden wollen dagegen Berufung einlegen.
Bei der heutigen COVID-Pressekonferenz nannte Islands Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason das Urteil “bedauerlich” und betonte, die Quarantäne im Hotel sei der beste Weg, um sicherzustellen dass Reisende aus dem Ausland die Quarantänregeln nicht brächen und einen Ausbruch der COVID-19 Erkrankung im Inland verursachten.

Island hatte seine Grenzbestimmungen am 1. April verschärft. Seit diesem Datum müssen alle Reisenden aus Hochrisikogebieten ihre obligatorische fünftägige Quarantäne in staatlich betreuten Quarantäneeinrichtungen absolvieren. Diese Bestimmung war eingeführt worden, nachdem Reisende angetroffen worden waren, die ihre Quarantäne zu locker auslegten bzw. brachen. Auf diese Personen sind Gruppeninfektionen innerhalb der isländischen Gesellschaft zurückzuführen.

Mehrere Quarantänegäste hatten am Wochenende gegen ihre Unterbringung geklagt, gestern abend war das Urteil des Reykjavíker Bezirksgerichtes zu ihren Gunsten verkündet worden. Daraufhin wurden alle Quarantänegäste darüber informiert, dass sie ihre Quarantäne an einem anderen Ort verbringen könnten, wenn sie nachweislich die Bestimmungen dort einhalten können. In einer Regierungsnotiz baten die Gesundheitsbehörden die Gäste dennoch darum, im Hotel zu verbleiben, da dies “der beste Weg ist, die Ausbreitung der COVID-19 Krankheit zu verhindern”.

Mindestens drei Reisende im Quarantänehotel sind positiv auf COVID-19 getestet worden, seit die Einrichtung am 1. April geöffnet wurde.

Chefepidemiologe verlangt Gesetzesänderung
Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason drückte seine Enttäuschung über das Urteil aus. In einem Radiointerview am Morgen sagte er, das Urteil “vereitelt eine der effektivsten Massnahmen, die ergriffen worden ist, um zu verhindern, dass dieses Virus ins Land gelangt und sich ausbreiten kann. Wir haben diese Massnahmen auf Fakten aufgebaut, auf Zustände, die nicht in Ordnung waren, und auf diese Art und Weise versucht, zu verhindern, dass dies passiert, dass das Virus hierherkommt. Leider war es so, dass die Leute sich nicht an die Quarantäne gehalten haben. Auf dieser Grundlage habe ich das [obligatorische Hotelquarantäne] vorgeschlagen,” sagte Þórólfur.

Angesichts des Urteils überlegen Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir und Þórólfur Guðnason derzeit, welche zusätzlichen Schritte möglich sind, um das Risiko der Viruseinschleppung zu minimieren. Þórólfur drückte seine Hoffnung aus, dass die Regierung den rechtlichen Rahmen rund um die Quarantäneunterbringung zügig ändere, sodass die Massnahme wie beabsichtigt angewendet werden könne.

RÚV berichtet, dass am heutigen Tag Reisende aus Hochrisikogebieten nicht in die staatlich betriebenen Quarantäneeinrichtungen geschickt wurden, wenn sie sie eine adäquate, regelkonforme Unterkunft für die fünf bis sechs Tage nachweisen können.

Ab heute dürfen auch Reisende aus Ländern ausserhalb des Schengengebietes nach Island einreisen, wenn sie ein Impfattest oder ein Attest über eine überstandene COVID-Erkrankung vorlegen. Allerdings müssen auch sie sich an der Grenze einmalig testen lassen, da sie neusten Daten zufolge immer noch das Virus in sich tragen und andere Menschen damit anstecken können.

Wenn der Verdacht besteht, dass jemand die Quarantäne nicht einhalten will (etwa weil die Dauer des Aufenthaltes in Island kürzer ist als die Quarantäne selbst), werden solche Personen ins Quarantänehotel verbracht.

 

Neue Kraterspalte weiterhin produktiv in Richtung Meradalir

Die neue Ausbruchsspalte in den Geldingadalir ist in der letzten Nacht von Mitgliedern der freiwilligen Rettungseinheit bewacht worden. Beobachtet wurde unter anderem, dass die Erde zwischen den beiden Kratereinheiten abgesunken ist, Schätzungen nach um bis zu einem Meter. Wie es bei RÚV heisst, ist schwer zu sagen, ob dies ein Vorbote weiterer vulkanischer Entwicklung sein könnte. Die Region wird engmaschig überwacht.
Bis auf weiteres ist das Ausbruchsgelände wegen Gasentwicklung für den Zutritt gesperrt. Die Einsatzkräfte nutzen den Tag, um ihre Arbeit im Hinblick auf die geänderten Umstände zu reorganisieren.

Hier sieht man die Lava in die Meradalir herunterlaufen:

h

Auch ein neuer Riss ist in der letzten Nacht entdeckt worden, wobei Experten nicht sicher sind, ob der Riss schon vorher vorhanden war. Der Riss liegt zwischen den beiden Kratereinheiten. Es wurde kein ausströmendes Gas gemessen, dafür wurde Hitzebildung dort festgestellt. Die Experten gehen davon aus, dass sich unter dem Riss der Magmagang befindet, und dass jederzeit Magma an die Oberfläche brechen kann.

Neueren Berechnungen zufolge beläuft sich die durchschnittliche Lavamenge auf inzwischen sieben Kubikmeter pro Sekunde, was bedeutet, dass die Förderung gestiegen ist.
In der Nacht war eine Schwefeldioxidwolke in Richtung Vógar gezogen, die Einwohner waren gebeten worden, ihre Fenster geschlossen zu halten und die Zimmer gut zu beheizen, um einen Gaseinzug ins Haus zu vermeiden.
Am Morgen erklärte der Geophysiker Halldór Geirsson, es gebe Hinweise darauf, dass der unterirdische Magmagang schmaler geworden sei. Die dicht unter der Oberfläche befindliche Magma reiche nicht mehr mit voller Kraft in die alten Krater und habe sich einen neuen Weg an die Oberfläche gesucht. Er bezeichnete es als gefährlich, wie lautlos und ohne Vorwarnung sie durch die Oberfläche hervorbreche.
Bislang könne man keine Angaben dazu machen, ob beide Krater gleichzeitig aktiv bleiben, solange die Lava dort jedoch ungehindert austreten könne, sei dies nicht ausgeschlossen.

Die Webcam von RÚV ist in die Merardalir umgezogen worden und zeichnet nun den Lavastrom von vorne auf. Im Hintergrund sieht man beide Kratereinheiten.
Die Webcam des Morgunblaðið steht weiterhin mit Blick auf den alten Krater.
Hier gibt es spektakuläre Fotos aus allen Winkeln zu sehen, und hier eine Bilderserie des Zivilschutzes aus der Luft.
Gestern berichteten wir im Liveblog von den Ereignissen, dort finden sich auch weitere Links mit Fotos und Videoaufnahmen.