Erdbeben auf Reykjanes: Warten auf einen möglichen Vulkanausbruch

Bei einer Informationsveranstaltung der Behörden zu einem potentiellen Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes haben Zivilschutzchef Víðir Reynisson, die Leiterin der Abteilung für Naturkatastrophen beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, und der Geophysiker Freysteinn Sæmundsson die möglichen Szenarien einer vulkanischen Erupotion diskutiert, nachdem seit einer Woche schwere Erdbeben die Halbinsel erschüttert hatten. Ein Ausbruch hat noch nicht stattgefunden, doch glauben Wissenschaftler, dass Magma sich der Erdoberfläche nähert. Sollte sich ein Ausbruch ereignen ist bebautes Land nicht in Gefahr, und ein Aschefall wird als verschwindend gering eingeschätzt.

Gegen Mittag war in der überwachten Region eine Reihe von kleineren Beben und ein darauf folgender pulsartiger Tremor zu spüren gewesen.
Experten hatten die Region mit dem Hubschrauber überflogen, um zu prüfen, ob sich an der Erdoberfläche etwas finden lässt, doch ohne Ergebnis. Die seismische Unruhe ereignet sich auf einer Linie, die vom Berg Keilir zum Berg Lítli Hrútur reicht. In der Region ist eine Art Graben sichtbar, Risse konnten jedoch nicht festgestellt werden. Entsprechende Daten werden noch ausgewertet.

Zu Beginn der Woche war festgestellt worden, dass Magma in Richtung Oberfläche drückt. Der Tremorpuls weist darauf hin, dass die Magma die Oberfläche erreicht hat, man kann jedoch nicht sagen, ob sie an der betreffenden Stelle hindurchbrechen wird, oder anderswo. Diese Annahme beruht auf zu Anfang der Woche erstellten Modellen.
Víðir fordert die Bürger auf, der Region fernzubleiben. Zur Zeit gibt es dort nichts zu sehen, und die Wetterbedingungen sind ungünstig. Ausserdem müssen die Wissenschaftler in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen.

Einen Zeitrahmen für eine mögliche Eruption gibt es nicht. Die Experten gaben an, es könne sich um Stunden handeln, oder um Tage. Eine mögliche Gasexposition bewohnter Gebiete hängt stark von der Windrichtung ab, an entsprechenden Wettermodellen wird gearbeitet.

Begleitend zu dem Prozess wird auch die seismische Aktivität weiter andauern. Die Forscher halten es für möglich, dass sich in der Region Erdbeben der Stärke M6 oder M6,5 ereignen können.
Reykjanes sei bedingt durch die tektonische Plattensituation eine komplizierte Region. Im Fall eines “normalen” Vulkans würden die Beben möglicherweise abebben, wenn der Ausbruch beginnt, doch in dieser Region könnte es anders verlaufen. Dort wo die Erdbeben am häufigsten auftreten, hat sich ein Graben, eine lineare Absenkung des Landes, gebildet, Risse konnte man jedoch nicht entdecken. Die Fachabteilung des Wetterdienstes geht davon aus, dass sich diese Risse noch bilden werden.

Auch ein Zeitrahmen für die Dauer eines möglichen Ausbruchs ist schwer abzustecken. Man geht von einer möglichen Dauer von einer bis zwei Wochen aus. Víðir gab an, die Region werde nicht abgesperrt, weil die Behörden die Absperrung nicht überwachen könnten. Die Öffentlichkeit wird jedoch dringend gebeten, sich aus dem Gebiet fernzuhalten. Auch Dronenflüge sind bis auf weiteres polizeilich untersagt.
Momentan gilt die orangefarbene Stufe für den Luftverkehr. Sobald der Ausbruch beginnt, wird sie in Rot geändert. Der Flugverkehr wird vermutlich nicht lange gestoppt werden müssen. Vor allem warte man dann auf die Ascheprognose des Wetterdienstes, die Erstellung dauere um die 40 Minuten. Modellen zufolge könnte die Flugwarnstufe recht schnell wieder auf orangefarben geändert werden.

Informationen der Behörden zufolge sollen im Fall einer Gefährdung durch zB Gasentwicklung Textnachrichten an die Anwohner gesendet werden.
Am Abend betonte Víðir bei einem Interview noch einmal, dass nicht sicher sei, ob und wann es einen Ausbruch gebe, dass es sich dabei aber nicht um eine Naturkatastrophe handle. Bebauung oder Menschenleben seien nicht in Gefahr. Sollte sich etwas ereignen, werden alle Anwohner mit Textnachrichten in ihre Mobiltelefone benachrichtigt.

Scrapie auf Schafhof in der Húnavatnssýsla gefunden

Auf einem Hof in der Vestur-Húnavatnssýsla ist die Scrapie-Krankheit bei Schafen festgestellt worden, berichtet RÚV. Ein Sprecher der örtlichen Schafzüchter bezeichnete es als Katastrophe, dass die Krankheit im Bezirk aufgetreten sei. Der nächste Schutzbezirk ist Scrapie-frei. Im vergangenen Herbst war das Rollengitter zwischen den Schutzbezirken entfernt worden.
Gefunden wurde die Krankheit auf dem Hof Vatnshóll im Húnaþing vestra. In diesem Schutzbezirk war Scrapie zuletzt 2015 aufgetreten, dieser Fall war der einzige in den vergangenen 20 Jahren gewesen.
“Das ist natürlich eine Katastrophe,” sagt Ólafur Benediktsson, der Vorsitzende des Schafzüchterverbandes in der Vestur-Húnavatnssýsla. “Vor allem für die Leute, die dort wohnen, und für die ganze Gemeinschaft, ja und für die Schafzüchter insgesamt im Land, dass das immer und immer wieder auftritt.”
Vatnshóll gehört mit seinen 920 Schafen zu den grösseren Höfen in der Region. Ólafur sagt, der Hof werde vorbildlich geführt. “Das ist ein noch grösserer Schlag, dass das auf einem Hof auftritt, wo die Leute sich wirklich alle Mühe geben, ihren Betrieb in Ordnung zu halten.”

Seit Auftreten der grossen Seuchen und einer Grosskeulung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist Island in Schutzgebiete aufgeteilt, weder Schaf noch Ziege dürfen zwischen sogenannten “unsauberen” Gebieten reisen. Jungtiere darf man nur aus sogenannten “sauberen” Gebieten erwerben, und nur auf Antrag und mit Erlaubnis durch die Veterinäraufsichtsbehörde, die über Erwerbe und Reisewege der Kleinklauentiere Buch führt.

Das Schutzgebiet Vatnsneshólf gilt nicht als Scrapie-frei, doch im benachbarten Schutzbezirk Miðfjarðarhólf ist Scrapie bislang niemals aufgetreten. Das Rollengitter auf der Ringstrasse, welches verhindert, dass Vieh dort, wo keine Zäune errichtet werden können, die Grenze des Schutzgebietes überquert, war im Herbst entfernt worden.
“Ich hoffe doch sehr dass die Veterinäraufsichtsbehörde und die Strassenverwaltung dieses Rollengitter wieder einfügen, ja, so schnell wie möglich. Damit zumindest der Weg nach Westen versperrt wird und die Schafe dort nicht hingelangen.” gab Ólafur an.

Zuletzt war im Skagafjörður Scrapie gefunden worden, im vergangenen Herbst hatten dort fast 3000 Schafe gekeult werden müssen. Scrapie ist ansteckend und nicht heilbar. In Island wird daher nach einer Diagnose der gesamte Bestand ausnahmslos gekeult, der Hof muss desinfiziert werden und kann mit der Schafhaltung erst nach einer Wartezeit von zwei Jahren wieder beginnen.

 

Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt

Der isländische Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hat gestern mit seiner Unterschrift den Felsen Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt. Látrabjarg ist einer der grössten Vogelfelsen in Europa. Ziel des neuen Schutzstatus für den Felsen ist es, die besondere und vielseitige Fauna des Gebietes und den Lebensraum der Vögel zu schützen, berichtet Vísir.

Im Jahr 2004 hatte das Parlament den Naturschutzplan 2004 bis 2008 beschlossen, seitdem war der Schutzstatus von Látrabjarg in Arbeit gewesen. Guðmundur Ingi unterzeichnete das Dokument zusammen mit den Vertretern von Bjargtangi, einem Verein der Land und Sommerhausbesitzer von Hvallátra in der Nähe des Felsens.

In einer Mitteilung des Umweltministeriums hiess es, dass sich am Látrabjarg ein breites Spektrum an Vögeln findet, welches unter anderem an dem vielseitigen Nahrungsangebot liegt. In dem Gebiet befindet sich das grösste Seevogelbrutgebiet des Landes und das grösste Brutgebiet der Tordalken weltweit. Sehr viele Arten brüten am und um den Felsen herum, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, wie der Papageitaucher und der Tordalk. Ausserdem befinden sich am Látrabjarg schützenswerte Siedlungsreste und Kulturdenkmäler. Auch die geologische Geschichte der Westfjorde spiegle sich in dem Felsen.

Minister und Vertreter von Bjargtangi unterschrieben ebenfalls eine Absichtserklärung zu Sachfragen rund um den neuen Naturschutzstatus und zur Zukunftsentwicklung der Region.