Hjörleifshöfði an Isländer und Deutschen verkauft

Die Felsinsel Hjörleifshöfði im Mýrdalssandur ist an einen Isländer und einen Deutschen verkauft worden, berichtet Vísir. Die Verträge seien unterschrieben und müssten noch ratifiziert werden. Das Land soll für den Tourismus und zum Abbau von Vulkansand genutzt werden. RÚV schreibt, der neue Besitzer sei Mýrdalssandur ehf., ein Unternehmen aus Vík, welches nach Aussage des Notars getrockneten Sand abbauen und als Sandstrahlmaterial exportieren will.
Im Jahr 2016 hatte Hjörleifshöfði zum ersten Mal zum Verkauf gestanden, und seitdem erfolglos immer wieder. Die 11.500 Hektar grosse Länderei soll um die 500 bis 1000 Mio. ISK wert sein. Quellen der Nachrichtenagentur zufolge soll der Verkaufserlös sich eher am unteren Rand bewegen.

Verkauf aus Familienbesitz
Innerhalb der Länderei befinden sich die beiden Felsinseln Hjörleifshöfði und Hafursey. Das Land selbst erstreckt sich im Norden bis zum Vulkan Katla und im Süden bis zum Meer und besteht in der Hauptsache aus Sand. Quer hindurch verläuft die Ringstrasse. Hjörleifshöfði gehört zum Katla Geopark.
Besitzer der Länderei war Þórir Níels Kjartansson mt seinen Schwestern Áslaug und Halla. Die Länderei hatte sich seit dem Jahr 1840 im Familienbesitz befunden, als Urgrossvater Loftur Guðmundsson sie kaufte. Sein Sohn Markús war Augenzeuge des Vulkanausbruchs der Katla im Jahr 1860, und Markús’ Sohn Kjartan Leifur lebte auf dem grünen Felsen, als die Katla im Jahr 1918 erneut ausbrach.
Im Jahr 1936 wurde der Hof auf dem Felsen aufgegeben.

Dem Fréttablaðið hatte Þórir im Jahr 2016 gesagt, man habe versucht, dem Staat die geschichtsträchtige Länderei zu verkaufen, doch daraus sei nichts geworden, es sei in den Gesprächen nicht einmal um eine Verkaufssumme gegangen.

Nicht die einzige Länderei in Ausländerhand
„Ich finde, die Regierung sollte darauf abzielen, solche Ländereien zu besitzen, wenn sie zum Verkauf stehen. Ich habe mit Ministern von drei Regierungen gesprochen, und nichts ist dabei rausgekommen. Daher haben wir aufgegeben und versucht, das in den offenen Verkauf zu bringen,” sagte Þórir. Vier Jahre später nun haben sich Käufer gefunden.

Hjörleifshöfði ist nicht die einzige Länderei in der Region, die sich im Besitz ausländischer Investoren befindet. Im Jahr 2018 hatte ein Ausländer den grössten Teil des Hotels Katla erworben, das dazugehörige Land umfasst 4700 Hektar im Mýrdalssandur.
Der Schweizer Rudolf Walter Lamprecht besitzt ebenfalls Ländereien, Häuser und Angelrechte im Mýrdalshreppur. Die neuen Besitzer von Hotel Katla hatten von Lamprecht Zugang zur Kerlingardalsá und Vatnsá erhalten, beide Flüsse gehören zu Lamprechts Besitz.
Im Sommer hatte die Regierung ein Gesetz verabschiedet, nachdem eine Einzelperson nicht mehr als 10.000 Hektar Land in Island erwerben darf. Es können jedoch Ausnahmegenehmigungen durch den zuständigen Minister erteilt werden.

Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte damals gesagt, die im Gesetz verankerte Hektarzahl, 10.000, entspreche 0,4 Prozent des isländischen Tieflandes und sei eine uglaublich grosse Fläche. Es müsse einen äusserst triftigen Grund dafür geben, dass sich eine solche Fläche in der Hand einer einzelnen Partei befinde.

Der Brite Jim Ratcliffe, der inzwischen mehr als 44 Höfe und Ländereien sowie Lachsflüsse im Osten des Landes besitzt, hatte viele Aufkäufe durch in Island registrierte Gesellschaften und Partnerschaften durchgeführt.

Update:

Der deutsche Käufer der Felsinsel ist die STEAG Power Minerals, berichtet Vísir.
Das Nachrichtenmagazin zitiert ausserdem Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, ihr Büro habe mit den Geschwistern in Verkaufsgesprächen gestanden, doch der Kauf dieser Länderei habe keine Priorität gehabt, da der Staat weitere über Landkäufe entscheiden müsse. Þórír Níels hatte der Regierung mangelndes Interesse vorgeworfen.

 

Einwohner kämpfen gegen Lachszucht in Seyðisfjörður

In Seyðisfjörður im Osten Islands kämpft eine Gruppe von Einwohnern gegen das Vorhaben, eine Lachszuchtanlage im Umfang von 10.000 Tonnen im Fjord zu bauen. Sie begründen ihre Ablehnung damit, dass die Anlage das Aussehen des Fjordes verschandele. Auch wenn eine Küstengebietsplanung derzeit in Arbeit ist, muss die Zuchtanlage darauf keine Rücksicht nehmen.
Das Fischzuchtunternehmen Fiskeldi Austfjarða will vier Zuchtbecken im Fjord von Seyðisfjörður ausbringen. Die Gemeinde hat keine Planungshoheit über den Fjord, die äusseren Bereiche unterstehen vielmehr dem Marineforschungsinstitut.
Eins der Zuchtbecken soll neben dem Naturschutzgebiet von Skálanes zu liegen kommen. Die ersten Laiche sollen schon im kommenden Jahr in Sörlastaðavík ausgebracht werden, im Jahr darauf dann in Selstaðavík und 2023 dann in Skálanesbót, berichtet RÚV.

Unterschriftenliste gegen die Fischzucht
Nur das dem Land am nächsten liegende Becken bei Háubakki unterliegt der Planungshohheit der Gemeinde, weil es zum Einzugsbereich des Hafengeländes gehört. Die Fischbecken würden von dem Ort aus zu sehen sein, wo Þóra und Benedikta die Jugendherberge Hafalda betreiben. Die beiden haben nun eine Unterschriftenliste gegen die Lachszucht im Fjord angefangen.

“Ich hab in jeder Strasse einen angerufen und die haben dann in ihrer Strasse gesammelt, und das Echo darauf war grossartig,” erklärt die Architektin Þóra Bergný Guðmundsdóttir.
Benedikta Guðrún Svavarsdóttir, die Geschäftsführerin von Hafalda, sagt, manche hätten sich einer Meinung enthalten wollen und wollten sich erst mit der Sache beschäftigen. “Die allermeisten sagten danke, dass ihr gekommen seid, und unterschrieben. Hatten sich mit der Sache befasst und beharrten darauf, dass soetwas keine Zukunft in Seyðisfjörður hat. Das bringe Seyðisfjörður nichts Gutes.”

Arbeitsplätze und Einnahmen
Fiskeldi Austfjarða betreibt bereits im Berufjörður und im Fáskrúðsfjörður Fischzuchtanlagen auf dem Meer. Das Unternehmen weist auf ein Gutachten hin, wonach die Aquakultur Arbeitsplätze und Gemeindeeinnahmen bringe.

Viele Einwohner von Seyðisfjörður hingegen sind der Ansicht, dass die Fischzucht das Panorama vom Stadtberg Bjólfur aus verschandelt, ein beliebter Ausflugsort für die Bewohner. Benedikta glaubt, die Sichtverschandelung schränke auch das Erlebnis der Kreuzfahrturlauber ein, die in den Fjord von Seyðisfjörður einlaufen.
“Das passt nicht zusammen,” sagt sie.

Þóra meint, das sei dann wie der Eingang zu einer Fabrik, wenn man in den Fjord komme. “Da will man 10.000 Tonnen Zuchtlachs über unseren Kopf schütten. Entschuldige bitte, aber dürfen wir nicht einfach in Frieden hier zuhause leben?”

Neuer Küstengebietsplan kommt zu spät
Jetzt wär es nicht schlecht, den neuen Flächennutzungsplan für das Küstengebiet zur Hand zu haben, an dem der Gemeinderat mit Vertretern der Ortschaften der Ostfjorde gerade arbeitet. Dann hätte man ein Kapitel darüber formulieren können, wo Zuchtbecken ins Wasser gelassen werden dürfen, und wo nicht.

In Seyðisfjörður, im Fáskrúðsfjörður, Stöðvarfjörður und möglicherweise an vielen anderen Stellen sind jedoch nun Standorte für Zuchtbecken genehmigt worden, die nicht unter die Küstengebietsplanung fallen, weil ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 2018 nicht rückwirkend ist und daher nicht für Anträge auf Zuchtbecken gilt, die sich damals schon im Genehmigungsverfahren befanden. Die oberste Planungsbehörde und die Naturschutzverbände haben das bereits kritisiert.

“Es gibt soviele Gründe dafür, dass man das viel besser prüfen muss. Vor allem aber müssen wir, die wir hier leben, etwas dazu zu sagen haben,” sagt Benedikta Guðrún Svavarsdóttir von der Jugendherberge Hafalda.
Das Lachszuchtunternehmen hatte beteuert, mit den Einheimischen gut zusamenarbeiten zu wolen und für demnächst einen Informationsabend in Seyðisfjörður angekündigt.

Biologen und Fischexperten weisen immer wieder auf die Gefahren hin, die entkommene Zuchtlachse für die einheimische Wildlachspopulation darstellen, auch die Umweltverschmutzung durch die vielen tausend Fische in riesigen Zuchtkäfigen wird häufig kritisiert. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Biologen Jóhannes Sturlaugsson, der sich eingehend mit der Problematik befasst hat.