Dýrafjarðargöng in den Westfjorden verkürzt Fahrzeit

Dýrafjarðargöng

Der Tunnel Dýrafjarðargöng ist gestern nach dreijähriger Bauzeit offiziell eröffnet worden. Der 5,6 Kilometer lange Tunnel verkürzt die Fahrzeit zwischen Dýrafjörður und Arnarfjörður um 27,4 Kilometer. Zuvor hatten Autofahrer über den Gebirgszug Hrafnseyrarheiði fahren müssen, der einen Grossteil des Jahres wetterbedingt unbefahrbar ist.
Der Tunnel war von Bewohnern der Region seit Jahren herbeigesehnt worden. Im Jahr 2010 hatten Schulkinder aus Þingeyri aus eigenem Antrieb den ersten Spatenstich unternommen. Die offiziellen Bauarbeiten begannen jedoch erst 2017, berichtet RÚV.
Es waren daher auch die Schüler der Schule von Þingeyri, die gestern als erste mit dem Schulbus den Tunnel nutzen durften.”Wir haben das verdient,” sagt eine Schülerin. Sie hätten dem Verkehrsminister einen Brief geschrieben und darum gebeten, als erste durch den Tunnel fahren zu dürfen.

Mit von der Partie war auch Schneepflugfahrer Gunnar Gísli Sigurðsson, der die Hrafneyrarheiði seit 1974 vom Schnee befreit hatte. Gunnar feierte die Tunneleröffnung und kommentierte, er vermisse seinen Winterjob keineswegs.
“Das ist ein gutes Gefühl, Es war wirklich an der Zeit.”
Der Tunnel ist ein grosser Schritt, um sichere, ganzjährig befahrbare Verkehrswege in den Westfjorden zu gewährleisten.

 

Genmutation gegen Gammelfisch bei Isländern gefunden

Die Fähigkeit, Fischgestank zu ertragen und sogar als angenehm zu empfinden, gehört zu den Eigenschaften, die Ausländer an den Inselbewohnern immer wieder erstaunen. Nun ist diese natürliche Gabe sogar wissenschaftlich erforscht worden: Rósa Gísladóttir hat sich für das Genforschungsinstitut deCODE damit befasst und herausgefunden, dass vier Prozent aller Isländer eine genetische Mutation in sich tragen, die sie unempfindlich für den Gestank von faulem Fisch macht. Rósas Forschungsergebnisse sind in der Oktoberausgabe der Current Biology veröffentlicht worden und haben es sogar bis in die New York Times geschafft.

Menschen nehmen Gerüche auf ganz unterschiedliche Weise wahr, trotzdem werde immer davon ausgegangen, dass der Mensch eigentlich über einen guten Geruchssin verfüge. Schwierig hingegen sei es, das Gerochene in Worte zu fassen, erklärt Rósa.
Die Unfähigkeit, Gerüche einzuordnen, weise oft auf grössere Probleme hin und könne etwa Begleiterscheidung von Parkinsonkrankheit und Depressionen sein. Dann gebe es die individuelle Geruchsempfindung, sowie den schleichenden Verlust der mit dem Alter kommt.
Genetisch gesteuert werde jedoch, ob eine Geruchsempfindung Gegenständen aus der Umwelt zugeordnet werde. Dazu gehöre auch, ob eine Geruchsempfindung als gut oder ekelhaft eingeordnet werde.

Kleine Mutante, grosse Wirkung
Für die Studie wurden 11.000 isländischen Personen Gerüche zur Identifizierung unter die Nase gehalten. Es gab Zimt, Pfefferminze, Banane, Lakritz – und vergammelten Fisch zu erschnuppern.
Bei vier Prozent der Probanden erregte die Gammelfischriechprobe keine Abwehr, und hier fand sich eine Veränderung auf dem Gen TAAR5: unter normalen Umständen synthesiert dieses Gen ein Protein, welches üble Gerüche in verrottendem Fisch oder auch Körperflüssigkeiten für das Riechorgan identifiziert.
Bei den Fischriechern gibt es dieses Protein nicht, und so nehmen sie an Fisch alle möglichen Gerüche wahr, von Zimt über Ketchup bis hin zu Blumenduft.

Mutation hilft beim Essen
Die Isländer sind offenbar die grösste Gruppe mit dieser Mutation, nach ihnen kommen die Schweden. In Afrika ist die Mutation hingegen kaum festzustellen. Rósa vermutet, es könne daran liegen, dass die üblen Gerüche in isländischen Speisen wie hákarl und skata vorkommen.
“Das ist schwierig, mit Gewissheit zu sagen, aber doch verlockend zu glauben, dass diese Mutation gängiger in Island ist, weil sie hier einen Nutzen hat. Wir mussten skata und hákarl und Trockenfisch essen, und da diente diese Mutation nicht nur dem Zweck, uns gegen etwas zu schützen, sondern war nützlich, den Gestank zu mildern, sodass wir mehr essen konnten.

Personen, die diese Mutation in ihren Genen tragen und vergammelten Fisch zu riechen bekommen, tippen nicht etwa auf Fisch, sondern auf Rosenduft oder Karamell. Manche nehmen sogar den Fischgeruch wahr, beschreiben ihn nicht jedoch als Gestank.
Rósa vermutet, dass ihre Mutter Trägerin der Genmutation ist, denn in ihren Kindertagen habe es oft skata gegeben, was nicht alle Familienmitglieder entzückt habe.