Quarantänebruch kommt Touristen teuer zu stehen

Police officers in masks

Drei ausländische Touristen, die gestern Abend in Reykjavík festgenommen worden sind, weil sie die Quarantäne gebrochen hatten, sind zu einer Strafe von 250.000 ISK pro Person verurteilt worden, berichtet Vísir. Die Polizei der Hauptstadtregion betont, dass Quarantänebruch eine sehr ernste Angelegenheit sei und dass ein solcher das Leben und die Sicherheit von Menschen gefährden könne.

Die Touristen, zwei Männer und eine Frau, waren gerade erst in Island eingereist und hätten sich in Quarantäne befinden sollen, als die Polizei sie in einem Restaurant kurz vor 22 Uhr ansprach. Der Leiter der Hauptstadtpolizei, Ásgeir Þór Ásgeirsson, bestätigte, dass der Fall mit Zahlung der Strafe abgeschlossen worden sei. Die Touristen verlassen Island heute wieder.
Bereits am Donnerstag war der Verdacht aufgekommen, dass zwei Touristen nach der Einreise ihre Quarantäne nicht einhielten. Die Leute waren in ihrer Unterkunft aufgesucht worden, wo man sie an die Quarantäneregel erinnerte. Gestern Abend hatte ein weiterer Kontrollbesuch in der Unterkunft stattgefunden, doch war niemand dort angetroffen worden, stattdessen hatte man die beiden Touristen mit einer dritten Person in jenem Restaurant angetroffen.

“Das ist seit letztem Donnerstag in Bearbeitung gewesen. Das schien schon bei der Ankunft klar zu ein, dass diese beiden die Quarantäne eher nicht einhalten,” sagt Ásgeir, der die Verdachtsumstände nicht näher erläutern will. “Bei der Einreise kann man schon so einiges aus dem Verhalten und den Worten der Leute herauslesen.”
Ein weiterer Fall eines Touristen, der die Quarantäne gebrochen hat, ist noch nicht abgeschlossen. Der Mann war festgenommen worden, als er gestern Abend auf dem Laugarvegur eine Schlägerei anzettelte. Auch er hätte in Quarantäne sitzen sollen. Ásgeir rechnet damit, dass der Fall mit einer Geldstrafe endet.

In einem Facebookbeitrag der Polizei heisst es, dass die Beamten sich zur eigenen Sicherheit besonders einkleiden müssen, wenn sie Kontakt zu Quarantänebrechern haben. Auf dem Foto sieht man drei Polizisten mit Schutzkleidung und Gesichtsmasken, auf dem Weg zum Restaurant, wo sich die drei erstgenannten Quarantänebrecher befanden.
“Quarantänebruch ist eine schwerwiegende Angelegenheit, weil du durch solch verantwortungsloses Verhalten Leben und Sicherheit anderer gefährden kannst. Respektiert die Quarantäne, das ist toternst,” heisst es in dem Beitrag.
Ásgeir zufolge müssen bei Aktionen wie gestern Abend zwei Mannschaften aus dem Dienstplan gezogen werden, um sie mit der Schutzkleidung auszustatten. Er schliesst aus, dass die Touristen die Quarantäne wegen Verständnisschwierigkeiten gebrochen hätten.
“Was auch immer die Leute sagen, das da war vorsätzlich. Den Leuten wird bei der Einreise ganz klar gesagt, wie sie sich verhalten sollen.”

 

Bleiberecht aus humanitären Gründen für ägyptische Familie

Der isländische Revisionsausschuss für Immigration hat den Asylantrag der Familie Khedr erneut geprüft und ein Bleiberecht aus humanitären Gründen zugesprochen, berichtet RÚV. Die sechsköpfige Familie aus Ägypten hatte vor einigen Tagen trotz Protesten aus der Bevölkerung deportiert werden sollen. Dieses Bleiberecht werde nach Angaben des Ausschusses nicht erteilt, weil der Familie bei Rückkehr nach Ägypten Gefahr an Leib und Leben drohe, sondern weil es eine inakzeptable Verzögerung bei der Fallbearbeitung gegeben habe.

Die Familie hatte am 16. September deportiert werden sollen. Als die Polizei am Aufenthaltsort der Familie ankam, fehlte von den Asylbewerbern jede Spur. Derweil hatten Isländer mit einer Kampagne unter dem hashtag #siesindbeimir (#þaueruhjámér) in den sozialen Medien ihre Unterstützung für die Familie gezeigt, sowie die Polizei mit falschen Hinweisen bombardiert.

Familie Khedr hatte sich seit August 2018 in Island aufgehalten und Asyl beantragt, weil der Vater als Mitglied der Muslimischen Bruderschaft politisch verfolgt wurde. Dem Gesetz zufolge erhalten Familien mit Kindern Asyl aus humanitären Gründen, wenn sie länger als 16 Monate auf eine Bearbeitung ihres Antrags warten müssen.
“Sie können aus ihrem Versteck herauskommen, wir haben den Fall gewonnen,” liess der Anwalt der Familie, Magnús Davíð Norðdahl, am Donnerstag wissen. “Die Kinder können wieder zur Schule gehen. Das sind fantastische Neuigkeiten, und sie können ihr Leben nun weiter führen.”
“Das ist ein grosser Sieg für die Familie, und meiner Einschätzung nach, nicht weniger für die isländische Gesellschaft, für die Macht des Kollektivs, welches hier eine Rolle gespielt hat. Die Familie dankt auch all jenem, die sie in dieser Sache unterstützt hat.”

Zu lange Bearbeitungsfrist
Magnús hatte sich an den Revisionsausschuss für Immigration gewandt und dort die erneute Bearbeitung des Falles eingeklagt, nachdem die Deportation nicht stattgefunden hatte. Er hatte seine Klage damit begründet, dass die Behörden keine unabhängige und umfassende Bewertung des Kindeswohls durchgeführt hätten. Das Amt für Einwanderung habe niemals untersucht, ob die Mutter oder die 10-jährige Tochter in einer besonders sensiblen Lage seien, da mehrals 90 Prozent aller Frauen in Ägypten an den Genitalien verstümmelt worden seien.

Bei Überprüfung der Lage kam der Revisionsausshuss zu dem Ergebnis, dass die Gefahr der Genitalverstümmelung im urpsprünglichen Asylantrag nirgendwo erwähnt worden sei, dass es aber genügend Gründe gebe, die Situation der Familie erneut zu prüfen. Dennoch urteilte der Ausschuss, dass das Mädchen nicht in Gefahr schwebe, bei einer Rückkehr nach Ägypten herabwürdigend oder unmenschlich behandelt zu werden.
Die zulässige Bearbeitungsfrist von 16 Monaten für den Asylantrag war jedoch abgelaufen, daher erhält die Familie das Bleiberecht aus humanitären Gründen.

Mangús glaubt, der öffentliche Aufschrei gegen die geplante Deportation habe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung gespielt, die Akte zu öffnen und den Asylantrag erneut zu prüfen.
Die Entscheidung der Familie, sich vor ihrer Deportation zu verstecken, sei ein Akt der Verzweiflung gewesen, und in Anbetracht der Umstände verständlich.
“Das ist total verständlich. Das ist was alle Eltern in so einer Lage tun würden, aber ich glaubte daran, dass alles gutgehen würde, und so ist es dann auch gekommen,” meint Magnús. “Wir sind ausgesprochen zufrieden damit.”

Weniger Neuinfektionen, aber schwerer erkrankte Patienten

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Gestern sind in Island 20 neue COVID-19 Fälle gefunden worden. Fünf der getesteten Personen hatten sich in Quarantäne befunden. In stationärer Behandlung befinden sich derzeit vier Personen, eine fünfte liegt nach Angaben der Universitätsklinik auf der Intenisvstation am Beatmungsgerät.

Neusten Zahlen zufolge befinden sich zur Zeit 455 Personen in Isolation, in Quarantäne sitzen nun 1895 Personen, nachdem gestern noch einmal 115 Personen hinzukamen. In diagnostischer Quarantäne befinden sich 1614 Personen. Innerhalb der letzten elf Tage ist das neuartige Coronavirus bei etwa 400 Personen in Island festgestellt worden. Die Reproduktionsrate liegt zur Zeit bei 118,1 für das Inland, und bei 6,3 bei Fällen an der Grenze.

COVID-Ambulanz verzeichnet Zuwachs
Auch die Zahl der Personen, die medizinische Hilfe in der COVID-Ambulanz der Uniklinik gesucht haben, ist in den vergangenen zwei Tagen stark angestiegen. Nach Angaben von Már Kristjánsson, dem Chefarzt der Infektionsabteilung, seien mehr Patienten in der Kategorie ‘gelb’ vorstellig geworden. Die COVID-Ambulanz verwendet eine Farbtabelle, um Patienten nach Schweregrad einordnen zu können. Grün bedeutet wenig bis keine Symptome, unter gelb fallen Patienten mit erheblichen Symptomen, die besonders überwacht werden müssen, und Patienten in der Kategorie rot sind Fälle für eine stationäre Aufnahme.

Man habe damit gerechnet, so Már, dass die Gruppe der schwerer Erkranken anwachsen würde. “Das sind nun mehr in der Gruppe, die überwacht werden, und mehr in der Kategorie gelb als bisher. Das belastet uns sehr.” Es sei nun nicht so, dass das Krankenhaus damit nicht fertig werde. “Aber das kommt zu den hausinternen Infektion hinzu, mit denen wir gerade kämpfen.”
Etwa 35 Mitarbeiter des Krankenhauses befinden sich derzeit in Isolierung, 200 sitzen in Quarantäne. Zwei weitere gesamte Abteilungen sollen zum Test geschickt werden, weil sie einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren.

Már sagt, die Klinik sei mit Medikamenten gut bestückt und habe eine Anwendungsroutine entwickelt. “Wenn die Leute eingewiesen werden, dann weil sie schwerer an COVID-19 erkrankt sind, oder weil sie krank sind und zusätzlich diese Infektion haben.”
Beim isländischen Krisenstab wird zur Zeit über strengere Massnahmen nachgedacht, doch Már glaubt nicht, dass dies notwenig ist, weil die Spitze dieser Welle vor etwa einer Woche gewesen sei. Das Krankenhaus hingegen habe noch etwas länger damit zu tun.

Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason rechnet damit, dass in den kommenden Tagen mehr Patienten stationär aufgenommen werden müssen. Schon im Frühjahr habe man gesehen, dass schwerwiegende Symptome und schwere Krankheitsverläufe oft erst ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung eintreten. Er glaubt, dass die vergleichsweise niedrige Fallzahl von gestern keinen Trend anzeigt, sondern als Tagesschwankung einzuordnen ist.

Polizei hofft, COVID-Suchhunde ausbilden zu können

Der Leiter der nordwestisländischen Polizei möchte spezielle ausgebildete COVID-Suchhunde ins Land holen, berichtet RÚV. Die isländische Polizei steht in regelmässigem Kontakt zu Organisationen in Grossbritannien, welche Hunde ausbilden und prüfen, ob die Hunde auch lernen können, das neuartige Coronavirus an Personen zu finden. Erste Versuche haben gezeigt, dass die Hunde positive COVID-Proben mit 90 prozentiger Treffsicherheit identifizieren können. Seit dieser Woche arbeiten sogenannte “Corona-Hunde” am Flughafen in Helsinki als Teil eines Pilotprojekts.
Wie die New York Times schrieb, ist ein COVID-Test durch Hund viel weniger unangenehm als das Stäbhen in der Nase. Bei den Reisenden in Helsinki wird vielmehr der Körperschweiss untersucht. Zuerst wischt der Reisende sich den Hals ab, dann wird das Probentuch in einen Container gesteckt, der Container geht an den Hundeführer. Der lässt seinen Hund nun an diesem wie an anderen Containern mit verschiedenen Gerüchen schnüffeln.
Die Hunde sind in der Lage, innerhalb von 10 Sekunden das positive COVID-Schweisstuch zu identifizieren. Der ganze Prozess dauert weniger als eine Minute. Finnischen Wissenschaftlern zufolge haben Hunde das Virus sogar schon in asymptomatischen Trägern gefunden.

“Briten haben Erfahrung im Training von Malaria-Hunden”
Die Polizei in Nordwestisland kümmert sich um Ausbildung und um die Bewertung aller Polizeihunde im Land. Polizeichef Stefán Vagn Stefánsson gibt an, er habe die Entwicklung mit den COVID-Suchhunden im Ausland intensiv verfolgt, vor allem das Training, welches in Grossbritannien stattfindet, weil die Briten damit recht früh angefangen hätten.
“Die Briten haben Erfahrung im Training von Malaria-Hunden in Gambia im Jahr 2016, das brachte gute Ergebnisse,” sagte er. “Sie haben uns an die wissenschaftlichen Institute vermittelt, die in Grossbritannien daran arbeiten [the London School and Hygiene and Tropical Medicine and Bernham University] und wir konnten ihre Untersuchungen mitverfolgen.”
Da diese Suchhunde eine hohe Trefferquote erzielen, hofft Stefán, ein ähnliches Projekt in Island beginnen zu können.

Zwei Hunde, eine Stunde, 500 Proben
“Wir verfügen über all das Wissen, was wir brauchen, um diese Hunde zu trainieren,” meint er. “Wir haben Hunde im Ausland gefunden, die noch nicht voll im Training stehen und ins Land gebracht werden könnten. Es würde vielleicht zwei Monate dauern, bis die Hunde gelernt haben, Schweissproben zu identifizieren.”
In den britischen Studien konnte ein Hunde um die 250 Proben in einer Stunde identifizieren, was bedeute, so Stefán, dass zwei Hunde um die 500 Proben pro Stunde “bearbeiten” könnten. “Und natürlich könnte man für grösste Genauigkeit zwei Hunde die gleichen Proben beschnüffeln lassen.”
Auch wenn er das Projekt und seine Umsetzung in Island hochspannend findet, so betont er doch, dass es wichtig sei, erst mal zu schauen, wie die Entwicklung in den Pilotprojekten in Finnland, Grossbritannien und Deutschland verlaufe.
“Und dann hängt es natürlich von anderen Leuten als uns ab, zu entscheiden, ob es so etwas hier bei uns geben wird.”