Icelandair entlässt alle Flugbegleiter nach Scheitern der Tarifverhandlungen

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Die isländische Fluglinie Icelandair hat alle Tarifgespräche mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter beendet und strebt nun einen Deal “mit einem anderen Beteiligten auf dem isländischen Arbeitsmarkt über eine zukünftige Ausgeestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für die Sicherheits- und Servicemitarbeiter des Unternehmens” an, wie einer Pressemitteilung der Fluglinie zu entnehmen ist.
Alle derzeit beschäftigten Flugbegleiter wurden entlassen.

Für die Übergangszeit will Icelandair Piloten bitten, die Flugsicherheitsaufgaben des Kabinenpersonals zu übernehmen. Die Airline ist dazu in der Lage, weil Serviceleistungen wie Duty free Verkäufe oder die Ausgabe von Getränken und Snacks COVID-bedingt noch nicht wieder angeboten werden.
Gewerkschaftsmitglieder hatten gerade erst einen neuausgehandelten Tarifvertrag per Abstimmung abgelehnt. Gerüchten zufolge soll Icelandir bereits Gespräche mit einer anderen Gewerkschaft begonnen haben, doch die Airline stritt dies ab.

In der heutigen Pressemitteilung heisst es, dass Icelandair keine Möglichkeit sehe, einen beiderseitig akzeptablen Deal mit dem Kabinenpersonal zu erzielen, daher würden die Verhandlungen beendet.
“Die Piloten des Unternehmens werden vom 20. Juli an übergangsweise als Sicherheitsbeauftragte an Bord tätig sein. Das Serviceangebot an Bord der Icelandair Flugzeuge wird sich auch weiterhin an Prozeduren rund um COVID-19 anlehnen, und daher nur auf einem Minimum erhältlich sein. Das Unternehmen erwartet, Verhandlungen mit einem weiteren Anbieter auf dem isländischen Arbeitsmarkt über die zukünftige Ausgestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für Sicherheits und Servicebeauftragte des Unternehmens beginnen zu können.”

Jón Þór Þorvaldsson, der Vorsitzende der isländischen Pilotenvereinigung sagte RÚV, die Piloten der Airline seien heute morgen zu einem Treffen mit der Unternehmensleitung gerufen und darüber informiert worden, dass sie möglicherweise anstatt des Kabinenpersonals an Bord der Maschinen beordert würden. Er sagt, dem Gesetz nach seien Piloten ohnehin für die Sicherheit an Bord zuständig. Er hoffe inständig, dass Icelandair und die Gewerkschaft der Flugbegleiter sich noch einmal treffen, Verantwortung zeigen und ein Abkommen überzeichnen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft der Flugbegleiter, Guðlaug Líney Jóhannsdóttir, sagte RÚV gegenüber, ihre Gewerkschaft sehe sich nun gezwungen, einen Streik vorzubereiten. “Wir sind Mitglied im isländischen Gewerkschaftsbund und auch in internationalen Gewerkschaftsverbänden. Wir geniessen die volle Unterstützung dort und werden um Unterstützung bitten, wenn es soweit ist.” Das harte Vorgehen des Unternehmens gegen die Flugbegleiter in Island sei beschämend. Das Unternehmen habe direkte finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, und sie gehe davon aus, dass die Sache zugunsten der Gehaltsempfänger auf dem Tisch der Regierung lande. Guðlaug bezeichnete die Entlassungsaktion der Airline als sittenlos. Unter normalen Umständen würden die Tarifverhandlungen nach einer negativen Abstimmung weitergeführt.

Wie RÚV schreibt, ist die Abstimmung über einen Generalstreik der Flugbegleiter ab dem 4.8.2020 bereits in Vorbereitung.

Airlinechef Bogi Nils Bogason schrieb heute in einem Brief an das Kabinenpersonal: “Ich kenne viele von Ihnen gut, und viele von Ihnen waren schon jahrelang für das Unternehmen tätig, noch bevor ich angefangen habe, hier zu arbeiten. Alle haben ihren Mann gestanden in den Diensten auf der ganzen Welt. Aber die Zeit abgelaufen, und wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Dies ist eine schmerzhafte Entscheidung, aber auch eine notwendige, um zu versuchen, das Unternehmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren.”