Storytel kauft Mehrheit an Islands grösstem Verlag

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Der schwedische E-Buch und Audiobuch Gigant Storytel AB hat 70 Prozent des isländischen Verlagshauses Forlagið erworben. Forlagið ist Islands grösster Verlag. Einer Pressemitteilung zufolge wird der Literaturverein Mál og menning (einer der fünf Teilhaber von Forlagið und Hauptverkäufer) die anderen 30 Prozent am Verlag halten.
Forlagið soll auch weiterhin “unabhängig von Storytel das Streaminggeschäft auf dem lokalen isländischen Markt” bedienen.

Mit dem Deal, der noch vom Wettbewerbsbüro genehmigt werden muss, gehört das Verlagshaus Forlagið dann zu den drei anderen nordischen Herausgebern unter dem Dach von Storytel: Norstedts Förlagsgrupp (Schweden), People’s Press (Dänemark) und Gummerus Publishers (Finland). “Wir freuen uns, Forlagið in der Storytel-Familie und in unserem Verlagsgeschäft willkommen zu heissen,” schrieb Jonas Tellander, der Geschäftsführer und Gründer von Storytel. “Es ist grossartig, mit den kompetenten und fähigen Herausgebern bei Forlagið zusammenzuarbeiten, die unsere Leidenschaft für tolle Autoren und Geschichten teilen.”

Der Geschäftsführer von Forlagið, Egill Örn Jóhannesson, drückte sich ähnlich optimistisch aus, vor allem in Bezug auf die Chancen für isländischen Autoren in der internationalem Literaturszene. “Das öffnet neue Märkte für die Autoren bei Forlagið und hilft uns, einen grossen Schritt in die Zukunft zu tun, und näher an den modernen Leser und Zuhörer heran zu kommen. Dieser Deal wird sicherlich die Geschäfte von Forlagið stärken und zukunftssicher machen. Er wird auch unsere Mission festigen, die beste isländische Literatur herauszugeben, diese Literatur mit allen zu erwartenden Mitteln einer Zuhörerschaft nahebringen und neue Türen für unsere Autoren auf der ganzen Welt öffnen.”

Isländische Autoren “überrumpelt”
Nicht alle in der Literaturszene waren gleichermassen entzückt von der Nachricht. Die Geschäftsführerin des isländischen Schriftstellerverbandes sieht isländische Autoren durch den Verkauf überrumpelt. Seit die Nachricht vom Deal die Runde machte, steht das Telefon beim Verband nicht mehr still, zahllose Autoren machen sich Sorgen, was denn nun aus ihren Urheberrechten und zukünftigen Veröffentlichungen wird.

“Unsere Hauptsorge ist, ob ein ausländischer Konzern … scharf drauf ist, isländische Literatur zu veröffentlichen,” meint Ragnheiður. “Die Leute sind geschockt, dass ein derart grosser Anteil eines isländischen Verlages jetzt einem ausländischem Unternehmen gehört. Weil wir uns fraglos als Wahrer der isländischen Sprache sehen, und die isländische Sprache ist die Basis unserer nationalen Kultur. Unsere erste Reaktion war, dass das überhaupt keinen Sinn hat.”

Der Verband und seine Mitglieder hätten niemals gedacht, dass es möglich sein würde, die Copyrights eines derart grossen Anteils des nationalen Literaturerbes an ein ausländisches Unternehmen zu veräussern.
“Bis gestern morgen ist allein die Idee für uns vollkommen abwegig gewesen.”

Aufkauf legendärer Verlagshäuser
Storytel betreibt den Streamingservce für Audiobücher in 20 Ländern, darunter Brasilien, Bulgarien, Italien, Mexiko, Polen, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Nordische Markt – Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und jetzt auch Island – machen jedoch den Löwenanteil im Geschäft aus.

Zusätzlich zum Aufkauf von vielversprechenden Neukonkurrenten auf dem Audiobuchmarkt, wie es in einem Artikel in Publishers weekly letzte Woche hiess, hat Storytel sein Auge nun auch auf den Printmarkt geworfen und legendäre Verlagshäuser in regionalen Märkten aufgekauft.
Wie etwa das isländische Verlagshaus Forlagið.

Kunstkino Bíó Paradís kehrt im Herbst zurück

Bíó Paradís

Bíó Paradís, Reykjavíks einziges unabhängiges Kunstkino, welches auch kleine Produktionen und Kunstfilme aus dem In- und Ausland zeigt, wird Mitte September seine Tore wieder öffnen, rechtzeitig zum 10-jähirgen Bestehen des Hauses.
Am 1. Mai hatte das Kino schliessen und alle Mitarbeiter entlassen müssen, nachdem eine saftige Mieterhöhung das Budget des Hauses überstiegen hatte, und COVID-19 das Kulturleben in der Hauptstadt zum Erliegen brachte.

Damals war es den Kinobetreibern nicht gelungen, sich mit dem Vermieter über Miethöhe, Bedingungen und notwendige Renovierungen des Gebäudes zu einigen. In einer Mitteilung des Kultusministeriums heisst es nun, dass das es eine neue Vereinbarung mit dem Vermieter gibt, sowie eine neue Zusammenarbeit mit der Stadt Reykjavík und dem Staat.

“Die isländische Kinokultur steht in voller Blüte, und es ist unsere Aufgabe, die Erde gut zu wässern, aus der sie spriesst,” sagte Kultusministerin Lilja Alfredsdóttir. Das Kino Bíó Paradís spiele in Kooperation mit der ganzen Spielfilmbranche in Island eine wichtige Rolle.

“Dies ist ein echter Grund zum Feiern,” kommentierte Reykjavíks Bürgermeister Dagur B. Eggertson. Mit der Wiedereröffnung sei gesichert, dass es die Kulturveranstaltungen des vergangenen Jahrzehnts auch weiterhin geben werde. “Das Kino ist eine Wiege der Filmkultur in Reykjavík und in der ganzen Welt.”

Kinogeschäftsführerin Hrönn Sveinsdóttir ist ausser sich vor Freude.
“Wir möchten allen Unterstützern des Bíó Paradís danken, aber vor allem dem Kultusministerium, der Stadt Reykjavík und den Hausbesitzern, Karl Mikli ehf. Wir können es kaum erwarten, uns wieder der Filmkultur zu widmen und allen Landsleuten vielfältigen Filmgenuss in besseren Räumlichkeiten bieten zu können.”

Die Wiedereröffnung kommt nicht nur termingerecht zum 10-jährigen Bestehen des Filmhauses: Island ist in diesem Winter auch Veranstalter der Europäischen Filmfestspiele.