Streitpunkt Testung am Flughafen, mit oder ohne Krankenschwestern?

Covid 19 Þríeykið

Zum drohenden Streik der Krankenschwestern ab dem 22. Juni, sollte es bis dahin nicht gelungen sein, einen Tarifvertrag auszuhandeln, ist eine neuer Fehdehandschuh von Staatsseite in die Runde geworfen worden.
Bei der gestrigen Pressekonferenz zur Landesöffnung am kommenden Montag wurde auch der von der Gewerkschaft beschlossene Streik thematisiert und inwiefern dieser die COVID-Testung am Flughafen beeinflussen könne. Sowohl Gesundheitsamtsleiterin Alma Möller als auch Chefepidemiologe Þórolfur Guðnason gingen davon aus, dass es im Streikfall zu Störungen bei der Abfertigung kommen könne.

Dennoch, so bekräftigten beide, käme man zur Not auch ohne die Krankenschwestern aus, da diese nicht in der Laboranalyse tätig seien, sondern sich um die Probenentnahme am Patienten kümmerten. Es sei klar, dass man diese Arbeit durch andere Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen oder von Studenten durchführen lassen könne. Auch die Laboranten, die bislang in der Analyse tätig waren, könnten die Tests durchführen. Þórólfur zufolge könne man noch weitere Berufsgruppen für die Probenentnahme ausbilden.

Ob das Gesamtprojekt der Grenzöffnung ohne Krankenschwestern zu bewerkstelligen sei, das könne man zur Stunde nicht sagen, weil dies eine Personalangelegenheit sei, um die sich die Gesundheitszentren der Hauptstadt kümmerten.

Ersetzen der Krankenschwestern gefährliches Beispiel
Guðbjörg Pálsdóttir, die Vorsitzende der Gewerkschaft der Krankenschwestern, kritisierte die Überlegungen scharf.
“Dem stimme ich überhaupt nicht zu. Das schafft natürlich ein gefährliches Beispiel für die Zukunft, wenn man die Arbeit von Krankenschwestern von anderen Berufsgruppen erledigen lässt, und das unter der Voraussetzung, dass gerade ein Tarifstreit im Gange ist.” sagt Guðbjörg. Es komme nicht von ungefähr, dass Krankenschwestern die Proben entnähme, sie hätten eine lange Ausbildung hinter sich, sie hätten Erfahrung und Fähigkeiten, und allem voran gehe es um die Sicherheit der Patienten. Es handle sich nicht darum, jemandem einen Tupfer in die Nase zu stecken, und diesen Tupfer dann untersuchen zu lassen, dies sei ein grosses Missverständnis.

Sicher könnten auch andere medizinische Berufsgruppen die Proben entnehmen, doch auf keinen Fall Fachfremde, es sei immerhin bekannt, dass es zu Hochzeiten der Coronaseuche zu Vorfällen in Verbindung mit der Probenentnahme gekommen sei.

Letzte Tarifrunde gescheitert
Am Montag war die vorerst letzte Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft der Krankenschwestern und dem staatlichen Vertreter nach schweren Verhandlungen ergebnislos zuende gegangen. Ein neuer Termin ist bislang nicht anberaumt worden. Die Testungen am Flughafen beginnen am 15. Juni, Streikbeginn ist für den 22. Juni vorgesehen.
Die Krankenschwestern verlangen unter anderem einen höheren Grundlohn für den Tagesdienst. Krankenschwestern absolvieren in Island ein vierjähriges Universitätsstudium, zukünftige Hebammen setzen dann noch einmal zwei Jahre auf dieses Studium, um ihre Berufsbezeichnung tragen zu dürfen.

Ausgrabung im Stöðvarfjörður könnte Besiedlungsgeschichte neuschreiben

Stöð Stövarfjörður Viking Age excavation

Die Ausgrabung einer Wikingersiedlung in Ostisland wirft ein klareres Licht auf die Besiedlungsgeschichte des Landes, auch in Bezug auf saisonale Siedlungen, reichausgestattete Langhäuser und die Walrossjagd lange bevor die Insel dauerhaft besiedelt wurde. In der Ausgrabungsstätte Stöð im Stöðvarfjörður wurden Hinweise gefunden, die auf ein Betreten der Insel Jahrzehnte vor dem bislang angenommenen Besiedlungsdatum 874 v.Chr. hindeuten.

Eins der ältesten ausgegrabenen Langhäuser
Bjarni F. Einarsson, der Ausgrabungsleiter in Stöð, hatte seine Grabung im Jahr 2015 aufgenommen. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, doch es gibt bereits beachtliche Erkenntnisse zur Frühgeschichte in Island.
“Zur Zeit graben wir einen wikingerzeitlichen Hof aus, der meiner Schätzung nach aus den Jahren 860 bis 870 n.Chr stammt.” Das Langhaus gehört mit 31,4 Metern zu den grössten, die in Island je gefunden wurden. “Es ist auch das reichste Langhaus was je in Island freigelegt wurde. Wir haben 92 Perlen und 29 Silberobjekte gefunden, darunter römische und arabische Münzen.” Der Perlenschatz ist doppelt so gross wie die beiden bislang gefundenen zusammen und einer der grössten Perlenschätze, die je in einer wikingerzeitlichen Stätte in Skandinavien ausgegraben worden sind.

Errichtet auf Ruinen
Vielleicht noch interessanter ist die Tatsache, dass der Hof auf den Ruinen eines noch älteren Langhauses errichtet wurde. “Es war innerhalb der zusammengefallenen Mauern einer älteren Struktur errichtet worden, die riesengross gewesen sein muss, mindestens 40 Meter lang.”

Die bislang grössten gefundenen Langhäuser in Skandinavien hatten eine Länge von 50 Metern. “Dies scheint mindestens so alt zu sein wie die ältesten Strukturen, die wir zuvor in Island ausgegraben haben. Auf der Grundlage von Radiocarbonanalyse und anderen Hinweisen schätze ich, dass diese Strukturen aus dem Jahr 800 stammen.”

Bjarni glaubt, dass das ältere Langhaus ein saisonales Jagdcamp war. Solche Camps hat es in anderen Teilen der Insel auch gegeben. “Wir haben mehrere Orte in Island gefunden, wo wir menschliche Spuren von vor dem Jahr 874 bestätigen können. Einer dieser Orte ist Aðalstræti in Reykjavík, aber auch Vogur in Hafnir [Südwestisland].”

Walrosszahn begehrte Handelsware
Saisonale Camps haben möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Besiedlung gespielt, weil sie wertvolle Resourcen in Aussicht stellten und damit weitere Erkundungszüge und Besiedelung finanzierten. Neuere paläoökologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die wertvolle Resource, die die ersten Besucher nach Island zog, der Stosszahn des Walrosses gewesen ist. Walrosselfenbein war im 9. Jahrhundert in Europa ein gefragter Rohstoff, ähnlich wie der Tran und die Haut des Tieres. Vor allem wurden hohe Preise gezahlt: ein einzelner Stosszahn war soviel wert wie der Jahreslohn eines Knechtes.

Im Jahr 2019 ergab die Datierung von in Island gefundenen Walrosszähnen, dass sie zu einer bislang unbekannten Unterart des atlantischen Walross gehörten. Das isländische Walross hat offenbar über tausende von Jahren an den Stränden der Insel gelebt, mindestens seit 7000 v.Chr, und es verschwand von der Bildfläche kurz nach dem Auftauchen der Siedler.

Saisonale Jagdcamps wie das im Stöðvarfjörður waren Bjarni zufolge eine bekannte Siedlungsform der wikingerzeitlichen Expansion im Westatlantik.
“Die wikingerzeitliche Siedlung in Neufundland, in L’Anse aux Meadows, war ein Camp diesen Typs, sehr ähnlich dem in Stöð, betrieben von isländischen oder grönländischen Stammesführern. Die neusten Forschungsergebnisse zeigen eine Nutzung über einen Zeitraum von 150 Jahren, bevor der Ort aufgegeben wurde.”