Erstes weibliches Staatsoberhaupt wird 90: Vigdís Finnbogadóttir

Die ehemalige isländische Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir feiert heute ihren 90. Geburtstag. Vigdís war 16 Jahre lang Präsidentin, zwischen 1980 und 1996 war sie die erste Frau überhaupt, die von ihren Landsleuten in das Amt gewählt worden war, berichtet RÚV. In diesem Sommer vor genau 40 Jahren hatte Vigdís das Präsidentschaftsamt übernommen.

“Mit dem Sieg bei demokratischen Wahlen wurde ein Glasdach durchbrochen, welches zuvor keine Frau geschafft hatte,” fasste Kultusministerin Lilja Alfredsdóttir die damalige Wahl auf ihrer Facebookseite in Worte. Ein Chor hielt Vigdís zu Ehren heute Morgen vor ihrem Haus in der Aragata in Reykjavík ein Ständchen.

Das Volk wählt einen Menschen ins Amt

Die alleinerziehende Mutter hatte sich seinerzeit mit 33,8 Prozent der Stimmen gegen die drei anderen Kandidaten, Guðlaugur Þorvaldsson (32,3 %), Albert Guðmundsson (19,8%) und Pétur J. Thorsteinsson (14,1%), durchsetzen können. Vor ihrer Wahl hatte sie bei einem Interview gesagt, man solle sie nicht zur Präsidentin wählen, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie ein Mensch sei.

Hier gibt es eine Übertragung vom Tag ihrer Amtseinführung im Jahr 1980 und von den Feierlichkeiten vor ihrem Haus.

Während ihrer Präsidentschaft legte Vigdís stets besondern Wert auf Sprache, Kultur und Aufforstung. Auch nach Beendigung ihrer Amtszeit blieb sie aktiv und wirkte als Wohltätigkeitsbotschafterin für Sprachangelegenheiten bei der UNESCO. Im Jahr 2001 war der Dokumentarfilm Ljós Heimsins von Ragnar Halldórsson entstanden, für den er Vigdís nach ihrer Präsidentschaftszeit begleitete und zeigte, wie sie ihre neue Rolle ausfüllte.

Heute Abend wird zum ersten Mal der Vigdís-Preis für Kultur bei einer eigens zu ihrem Geburtstag stattfindenden Ehrenveranstaltung auf RÚV überreicht. Hinter der Veranstaltung steht die isländische Universität, die Regierung, die Stadt Reykjavík, das Vigdís Finnbogadóttir-Institut für ausländischen Sprachen, in Zusammenarbeit mit RÚV, der Harpa und einer ganzen Zahl von Unternehmen und Verbänden. Die Veranstaltung wird um 20 Uhr bei RÚV übertragen.

Einschränkungen werden ab 4. Mai schrittweise gelockert

Katrín Jakobs Svandís Svavars Áslaug Arna Sigurbjörns press conference

Islands Kindergärten und Grundschulen sollen wieder in normalen Betrieb gehen, und auch Friseursalons, Massageeinrichtungen und Museen dürfen ab dem 4. Mai 2020 wieder öffnen. Die Versammlungsbegrenzung soll auf 50 Personen hochgeschraubt werden.
Die isländische Regierung hatte diese ersten Lockerungsmassnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus auf einer Pressekonferenz gestern Mittag angekündigt. Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason bestätigte, dass Island die Spitze der Erkrankungswelle überschritten habe.

Schulbetrieb läuft an
Am 4. Mai soll die derzeit noch gültige Versammlungsbegrenzung von 20 Personen auf 50 Personen angehoben werden. Kindergärten und Grundschulen, die bislang begrenzt geöffnet hatten, sollen ihren Betrieb wieder vollständig aufnehmen, und auch die weiterführenden Schulen und die Universitäten werden öffnen. Alle schulischen Veranstaltungen sind jedoch auf jedeweils 50 Personen begrenzt.

Schwimmbäder und Fitnesscenter weiter geschlossen
Friseursalonsalons, Massageeinrichtungen und Zahnarztpraxen können ab dem 4. Mai wieder öffnen, müssen sich jedoch, wenn möglich, an die Abstandsregel von zwei Metern halten.
Draussenaktivitäten und organisierte Sportaktivitäten für Kinder sind dann wieder erlaubt, unter Beachtung der 50-Personen-Regel und der Abstandsregel. Schwimmbäder, Fitnesscenter, Bars und Automatencafés bleiben weiterhin geschlossen. Andere organisierte Sportarten an der freien Luft werden erlaubt, hier darf die Gruppengrösse nicht vier Personen übersteigen und die Zweimeterregel muss beachtet werden.

Schengen Grenzregel verlängert
Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir erklärte dass die Länder innerhalb des Schengengebietes planten, ihre Grenzsperrungen bis zum 15. Mai zu verlängern. Island werde sich an dieser Entscheidung beteiligen. Auch der staatliche Krisenzustand, so Áslaug, bleibe so lange in Kraft wie Beschränkungen gültig seien.
Þórólfur Guðnason kündigte an, dass die Behörden überlegen, für den Sommer die Einreise von Touristen ins Land, sowie die Ausreise von Isländern zahlenmässig zu begrenzen, um ein Wiederaufflackern des Virus in Island zu verhindern.

Einschränkungen seit 16. März
Island hatte seinen ersten Coronafall am 28. Februar gemeldet. Am 6. März war der Krisenstand ausgerufen worden, nachdem die ersten Ansteckungen innerhalb der Gesellschaft bestätigt wurden. Am 16. März traten die erste Versammlungsbeschränkung für ab 100 Personen, sowie die Zweimeterabstandsregel in Kraft. Schulen und Universitäten wurden geschlossen, stattdessen fand der Unterricht online statt.
Am 24. März verschärfte die Regierung die Versammlungsbeschränkung, ab dann waren nur noch maximal 20 Personen an einem Ort erlaubt. Verschiedene Versammlungsorte und Unternehmen mussten schliesen, darunter auch Fitnesscenter, Schwimmbäder, Bars, Clubs und Friseursalons.

Einschränkungen schrittweise zurücknehmen
Die Behörden kündigten an, dass die derzeit gültigen Einschränkungen in Schritten zurückenommen werden. Jeder Schritt soll über eine Dauer von drei bis vier Wochen gehen. Diese Massnahme gibt den Krisenstäben die Möglichkeit, die Auswirkungen jeder einzelnen Rücknahme zu beurteilen und dann den Termin für die nächste Erleichterung zu beschliessen.
Gsundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir betonte die auch weiterhin gültige Wichtigkeit von Händewaschen und Zweimeterregel, “solange sich das Virus irgendwo unter uns befindet.”