Gesundheitsbehörde prüft Versammlungsverbot

COVID-19 press conference Iceland

In Island sind bis zum Zeitpunkt der Nachrichtenerstellung (21 Uhr, 4.3.2020) 26 Fälle einer Infektion mit dem COVID-19 Virus bestätigt, berichtet RÚV. Allein am heutigen Tag sind zehn Fälle diagnostiziert worden. Die hinzugekommenen Patienten werden als eher leicht erkrankt beschrieben und litten an Husten, Fieber und Gliederschmerzen.

Die allermeisten der Infizierten hatten sich zuvor auf einer Skireise in Norditalien befunden. Etwa um die 380 Personen aus diesem Umfeld befinden sich in Quarantäne. Für Touristen gelten diese Massnahmen nicht, da man nicht davon ausgeht, dass sie viel Kontakt zu empfindlichen Personen wie Kranke oder alte Menschen haben.

Sollte sich der Virus in Island innerhalb der Bevölkerung weiter ausbreiten, stehen auch tiefergreifende Massnahmen wie etwa ein Versammlungsverbot zur Debatte, sagte die leitende Ärztin des isländischen Gesundheitsamtes, Alma Möller, heute Morgen in einem Interview mit dem Morgenradio. Wenn sich der Virus langsam und über einen längeren Zeitraum ausbreite, sei das Gesundheitswesen besser in der Lage, es mit der Seuche aufzunehmen.

Alma sieht die Entwicklung in Italien mit Sorge. Sie glaubt, dass dort weit mehr Menschen den Virus in sich tragen als diagnostiziert wurden. Die Region um Trivento etwa, wo die erkrankten Isländer zum Skifahren gewesen waren, habe nicht einen einzigen Infektionsfall gemeldet.
Islands geringe Grösse und Bevölkerungszahl sei beim Kampf gegen die Seuche von Vorteil. Hier hätten die Behörden eine bessere Übersicht über Flugpassagiere und erreichten die Massen besser. “Aber ich weiss etwa, “ sagt Alma, “ohne jetzt Länder beim Namen zu nennen, durch Ärzte, die ich dort kenne, dass die erstaunt sind, warum manche Regierungen nicht mehr unternehmen.”

Die isländischen Behörden hatten davor gewarnt, in die Risikoregionen zu reisen. Dazu zählen China, Italien, Südkorea und der Iran. Die Lage werde allerdings täglich neu geprüft, und Änderungen können sich schnell ergeben. Alma hält es bislang für unnötig, gebuchte Flüge in andere als die Risikoregionen überhastet abzusagen. “Ich an ihrer Stelle würde allerdings abwarten und schauen was in den kommenden Tagen passiert, und mich an die Anweisungen halten.”
Bislang sind alle Infizierten in Island aus dem Ausland gekommen. Es sei jedoch eine Frage der Zeit, wann sich die Infektion auch innerhalb der Bevölkerung ausbreite. Dann seien weitere Massnahmen erforderlich. “Natürlich ist das positiv, solange das noch nicht passiert, aber wir rechnen natürlich damit. Das wird dann neu geprüft und wir wollen dann zu anderen Massnahmen greifen, wie weitere Reisen verhindern, ein Versammlungsverbot und so weiter. Wir arbeiten natürlich nach einem nationalen Pandemieplan, und da ist schon an alles mögliche gedacht worden.”

Inzwischen haben Behörden, Institutionen und auch Unternehmen schon selbst Massnahmen ergriffen und grosse Treffen und Feste im In- und Ausland verschoben oder abgesagt.
Das Eve FanFest, welches im April in der Harpa stattfinden sollte, ist abgesagt worden, die Ausstellung Verk og Vit in der Laugardalshalle wurde auf Oktober verschoben und die Delikatessenmesse Matarmarkaður Íslands, die am kommenden Wochenende ihre Tore öffnen wollte, wurde auf den Mai verschoben.
Die isländische Post und die beiden Unternehmen Össur und Verkvit verzichten auf ihre Jahresfeste, das Fussballspiel in Italien findet vor verschlossenen Türen und für Fans nur auf dem Bildschirm statt. Eine Fischereiausstellung in Boston ist gestern abgesagt worden, und der internationale Eishockeyverband hat das Spiel für die Jugendnationalmannschaft in Istanbul abgesagt. In Deutschland waren unter anderem die Leipziger Buchmesse und die Hannovermesse angesagt worden.

Alma Möller ist trotz der ernsten Nachrichten zuversichtlich, dass man mit den in Island verwendeten Massnahmen die Ausbreitung der Seuche bremsen könne. Es gelte zu verhindern, dass der Virus sich rasch ausbreite, weil dann das Gesundheitswesen überfordert sei. Eine langsamere Ausbreitung verschafft mehr Luft für Massnahmen.

 

Lawinenschutzmassnahmen sollen vorangetrieben werden

Flateyri after avalanche

Die Regierung hat einen Plan vorgelegt, nach dem an zehn Orten in Island Verbesserungsarbeiten an den dortigen Lawinenschutzvorrichtungen vorgenommen werden sollen, berichtet RÚV. Vor allem in dicht besiedelten Risikogebieten soll der Lawinenschutz zügig fertiggestellt werden.

In der vergangenen Woche hatte die Regierung einen neuen Plan veröffentlicht, mit dem die isländische Infrastruktur gestärkt werden soll. Der Plan kommt nach einem unverhältnismässig heftigem Winter mit starken Stürmen und dramatischen Lawinenabgängen und der Erkenntnis, dass es unter anderem im isländischen Energie- und Telekommunikationsnetz, aber eben auch beim Lawinenschutz Lücken gibt, die es zu schliessen gilt.

Nun also sollen die Lawinenschutzverbauungen bis zum Jahr 2030 fertiggestellt werden. Die Lawinen, die im Januar Flateyri und den Súgandafjörður getroffen hatten, hatten auch ans Tageslicht gebracht, dass Gelder aus dem Lawinenfonds jahrelang für andere Zwecke genutzt worden waren, und dass Verbauungsprojekte zum Schutz vor Schneelawinen darunter gelitten hatten.
In den kommenden fünf Jahren sollen die Verbauungen in Patreksfjörður, Hnífsdalur, Flateyri, Siglufjörður, Seyðisfjörður, Neskaupstaður und Eskifjörður ausgebessert werden. Zwischen 2025 und 2030 sollen dann Bauwerke in Flateyri und Siglufjörður fertiggestellt sein, während in den zuvor genannten Orten ebenfalls weiter gebaut werden soll, hinzu kommen dann Verbauungen in Tálknafjörður, Bíldudalur, und Ólafsvík.

Wenn der Plan eingehalten wird, dann wären die Lawinenverbauungen in den dicht besiedelten Risikogegenden etwa 25 Jahre früher als ursprünglich angenommen.