“Valentinssturm” verursacht Sachschaden, Sperrungen zeigen Erfolg

Der angekündigte Orkan, von einigen auch “Valentinssturm” genannt, geht im Südland in seine Endrunde. Gestern war die rote Warnstufe für den Süden, Südwesten und Südosten verhängt worden. Schulen und Praxen blieben geschlossen, allen Bürgern wurde geraten, zuhause zu bleiben und das Wetter abzuwarten. Webkameras an den grossen Strassen zeigten, dass heute Morgen zur üblichen Stosszeit kaum jemand unterwegs war.
Etwa 300 Mitglieder der freiwilligen Rettungsteams waren während des Orkans im Einsatz, bzw sind es immer noch. Heute morgen war die gesamte Ringstrasse in Island gesperrt, inzwischen sind einige Abschnitte wieder geöffnet worden.

In beinahe allen Teilen des Südens und Westens hatte es Sachschäden durch fliegende Dachplatten und Hausverkleidungen gegeben. Verletzt wurde niemand. Aus Ásbrú auf der Halbinsel Reykjanes wurde gemeldet, dass sich Autos im Sturm selbstständig gemacht hätten. Die bislang höchsten Windgeschwindigkeiten wurden vom Hafnarfjall mit 71 m/s gemeldet, das sind 255 km/h. Doch haben mindestens drei Messinstrumente ihren Geist aufgegeben und senden keine Daten mehr, schreibt Vísir.
Regional war es zu Stromausfällen gekommen. Nachdem sämtliche Inlands- und internationale Flüge abgesagt worden waren, sollen die ersten Flugzeuge später am Tag von Keflavík aus fahrplanmässig wieder starten.

Auf den Westmännerinseln hatte der Orkan Extremstärke angenommen. Nachdem der Strom ausgefallen war, hatten Dieselaggregate die Stromversorgung übernommen. Betriebe und Bürger waren aufgefordert worden, sparsam mit dem Strom umzugehen, da die Kapazität kaum ausreichte. Es gibt auf der Insel die gleiche Anzahl an Notstromaggregaten wie zur Zeit des Vulkanaubruchs im Jahr 1973.
Am Vormittag ist in Heimaey der aus dem Jahr 1947 stammende Fischkutter Blátindur gesunken. Der Sturm hatte das Boot vom Kai losgerissen, es hatte vom Lotsen wieder eingefangen und zum Kai zurückgebracht werden können, wo es letztendlich dann doch sank. Die Blátindur war im Jahr 2000 von einem Interessensverband repariert und seetüchtig gemacht worden.
Ein Video der Aktion findet man hier.
In Vík gibt es immer noch Strom durch ein Notstromaggregat. Seit heute morgen taut es in der kleinen Stadt und überall läuft das Schmelzwasser. Im Víker Hotel sitzen scharenweise Gäste, die in Vík gestrandet waren und kein Zimmer gebucht hatten.

Gestern Abend war in Vík auch eine Auffangstation des Roten Kreuzes eröffnet worden. Zuvor hatten sich freiwillige Retter auf den Weg zum Sólheimasandur gemacht, um dort nach Touristen zu suchen. Sie wurden fündig und begleiteten die Leute in einer Fahrzeugkolonne nach Vík. Um Mitternacht befanden sich etwa 22 Personen in der Station, am frühen Morgen kamen noch vier Touristen hinzu.
In den Westfjorden besteht Gefahr durch Schneelawinen, der Wetterdienst hat dort die Ungewissheitsstufe verhängt. Viel Schnee hat sich an den Berghängen angesammelt, und der Schneesturm soll dort und auch im Norden weiter andauern. Bislang sind keine Siedlungen in Gefahr.

 

Mögliche Schliessung des Aluminiumwerkes in Straumsvík

ISAL smelter

Einer Pressemitteilung von Mittwoch zufolge will Rio Tinto, eins der weltweit grössten Metall- und Bergbauunternehmen, “eine strategische Prüfung seines ISAL Aluminiumwerkes durchführen, um den weiteren Betrieb zu bestimmen und Möglichkeiten auszuloten, die Wettbewerbsposition zu verbessern.”
Es geht dabei um das Aluminiumwerk in Straumsvík bei Hafnarfjörður, die erste Industrieanlage, auf die man auf dem Weg vom Flughafen nach Reykjavík trifft.

Die Aluminiumproduktion durch die ISAL (Icelandic Aluminium Company) hatte im Jahr 1969 begonnen. Das Werk in Straumsvík beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter. Rio Tinto hatte erst kürzlich den Betrieb des Werkes auf 85 Prozent heruntergefahren, weil die Produktion nicht profitabel war.

In der Pressemitteilung heisst es nun, Rio Tinto erwarte den Betrieb des Unternehmens kurz- bis mittelfristig als unprofitabel, angesichts der herausfordernden Bedingungen, denen sich die Aluminiumindustrie zu stellen hat und die auf die “wettbewerbsunfähigen Energiekosten der Schmelze und die historisch niedrigen Aluminiumpreise zurückzuführen sind.”
Rio Tinto will weiterhin Gespräche mit der isländischen Regierung führen, sowie mit dem Energieversorger Landsvirkjun, der den Strom für die energieintensive Produktion bereitstellt, und prüfen, ob die Schmelzanlage wieder mit Profit betrieben und damit auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig gemacht werden kann. In der Strategieprüfung, die in der ersten Jahreshälfte vorliegen soll, stehen alle Optionen zur Debatte – eine Verkleinerung des Werkes, sowie eine komplette Schliessung.

Der Text zitiert Rio Tinto Chef Alf Barrios: “Wir haben intensiv daran gearbeitet, das Abschneiden der ISAL zu verbessern, dennoch ist es derzeit nicht profitabel und kann wegen der hohen Energiekosten nicht bei den schwierigen Marktbedingunegn mithalten.”
Rio Tinto will eng mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, die ein Interesse an der Zukunft des Werkes hätten, darunter die Regierung, Landsvirkjun, Beschäftigte, Gewerkschaften und die Gemeinden ringsum.

Der Gewerkschaftsvorsitzende der ISAL, Reinholt Richter, sagte Vísir in einem Interview, dass die Nachricht von einer möglichen Schliessung des Werkes die Beschäftigten vollkommen überrascht habe. Die Leute müssten darüber erst mal eine Nacht schlafen.
Gerade erst war ein neuer Tarifvertrag zwischen der ISAL und dem Arbeitgeberverband (SA) aufgesetzt worden, Rio Tinto hatte den Verhandlungspartnern bislang jedoch keine Genehmigung zur Unterzeichnung erteilt.

Die Bürgermeisterin von Hafnarfjörður, Rósa Guðbjartsdóttir, äusserte sich sehr besorgt.
“{ISAL] ist einer der grössten Arbeitgeber in der Stadt. Das Werk ist seit Jahrzehnten in Betrieb und bedeutet viel für die Bürgergemeinschaft. Es ist nicht nur ein grosser und angenehmer Arbeitsplatz, sondern hat auch Synergieefekte für andere Unternehmen in der Stadt.”