Adventsturm und Pferdeverlust – ein Erklärungsversuch von MAST

Knapp einen Monat nach dem grossen Adventsturm steht inzwischen fest, dass mehr als 100 Pferde dem Unwetter vom 10.-12. Dezember zum Opfer gefallen sind. Das ist der grösste Verlust seit einem Jahrzehnt und stellt etwa 0,5 Prozent aller Pferde dar, die in diesem Gebiet ganzjährig draussen gehalten werden. Die Zahlen wurden auf der Webseite der Veterinäraufsichtsbehörde MAST veröffentlicht.

Auf 46 Höfen verendeten Pferde im Tiefschnee, im Bezirk Austur-Húnavatnssýsla 61 Pferde auf 29 Höfen, im Bezirk Vestur-Húnavatnssýsla auf neun Höfen insgesamt 20 Pferde, und im Skagafjörður auf acht Höfen 22 Pferde. Oft starben zwischen einem und vier Pferden pro Hof, im Durchschnitt zwei Pferde pro Hof. Diese Verteilung spiegelt wieder, dass der Verlust nicht auf ungeeignete Weideeinrichtung oder Unwettervorbereitung auf einzelnen Höfen zurückzuführen ist. Inzwischen ist ja auch bekannt, dass das Unwetter unterschiedlich heftig in den einzelnen Regionen und Landesteilen ausgefallen ist.

Betroffen waren Pferde in allen Altersgruppen: 29 Fohlen, 34 Jungpferde, 30 Stuten, aber auch 15 ältere Wallache. Die Stuten waren in den meisten Fällen älter gewesen, daher kann man sagen, dass die älteste und die jüngste Altersgruppe die meisten Todesfälle zu verzeichnen hatte.

Am häufigsten entwickelte sich das Unglück aus der Tatsache heraus, dass Pferde vor dem Unwetter in einen Graben flohen, in Zäune gerieten oder sich anderweitig verfingen, es wurden aber auch Pferde eingeschneit, die sich einen Wetterschutz gesucht hatte, bzw Pferde, die explizit in einen Wetterschutz gebracht und dort gefüttert wurden.

Man hat zwei Meter hohe Schneewehen über Kadavern gefunden, solche Schneewehen sammelten sich überall dort, wo es Schutz gab. Im Tiefland waren Pferde schwerer betroffen als in höheren Regionen, möglicherweise weil es dort oben kälter war. Im Tiefland war der Schnee zunächst sehr nass und schwer auf die Pferde gefallen und später durch einen Temperaturabfall steinhart gefroren. Es gilt als ausgesprochen ungewöhnlich, dass die Niederschläge aus dem Norden mit einem derart krassen Temperatursturz zusammenfallen.

Das Gewicht der Eisbrocken machte die Pferde schwer und kalt und es wurde schwer für manche, den langen Schneesturm nach dem nassen Schneefall im Stehen durchzuhalten. Zeitweise hatte der Schneesturm auch Orkanstärke.

Die natürlichen und geschaffenen Wetterschutzmassnahmen hatten ihren Zweck nicht erfüllen können und waren vielmehr dem Wetter besonders ausgesetzt.

Die Pferde die in den betroffenen Regionen draussen gehalten wurden, hatten sich nach einem guten und milden Herbst alle in einem körperlich guten Zustand befunden.

Sturmwarnung – kein Reisewetter!

Für den morgigen Samstag hat der isländische Wetterdienst die orangefarbene Warnstufe für das Südland, die Reykjavíker Bucht Faxaflói, den Breiðafjörður und das zentrale Hochland ausgerufen, berichtet RÚV.

Die Warnmeldung gilt für die erste Tageshälfte.

Es wird Sturm aus Südost mit Windgeschwindigkeiten von 25 m/s erwartet, dazu Schneefall, später Schneeregen. Vor allem an Berghängen können die Windböen extrem ausfallen, in Kjalarnes, im Nordteil der Halbinsel Snæfellsnes, unterhalb des Hafnarfjall und des Eyjafjall können die Böen mehr als 40 m/s annehmen. Für die anderen Landesteile gilt die gelbe Warnstufe.

Mit Verkehrsbehinderungen und situationsbedingten Strassensperrungen muss jederzeit gerechnet werden. Die Polizei fordert alle auf, Vorsicht walten zu lassen und auf unnötige Fahrten zu verzichten. Alle relevanten Informationen und Warnmeldungen für Reisende findet man auf safetravel.is.

update 19.00 Uhr

Die isländische Strassenverwaltung erwartet, dass morgen für die Bergstrassen die Ungewissheitsstufe ausgerufen wird. Bis um die Mittagszeit muss damit  gerechnet werden dass alle grossen Strassen des Landes gesperrt werden.  Für das Südland sind das Hellisheiði, Þrengsli, Mosfellsheiði und Lyngdalsheiði, also alle Strassen von Reykjavík aus in den Osten und nach Þingvellir. Im osten am Reynisfjall, Mýrdalssandur, unter dem Eyjafjöll, im Westen die Ringstrasse nach Norden, im Norden rund um den Mývatn und das Möðrudalsöræfi.

 

Suche nach zwei vermissten Personen

Rettungsteams in Island suchen in diesen Tagen nach zwei verschwundenen Personen. Andris Kalans war vor einer Woche in Heydalur auf der Halbinsel Snæfellsnes unterwegs gewesen. Sein Auto hatte man am Strassenrand gefunden, im Auto hatten sich Kletterausrüstung, Eisaxt und Wanderkleidung befunden. Der 50-jährige Reykjavíker galt als erfahrener Bergwanderer. Etwa 150 Mann hatten mit Schneemobilen, Suchhunden und Dronen nach Andri gesucht. Heute hatte die Suche vorübergehend abgebrochen werden müssen, weil sich das Wetter in der Region zur Nacht hin extrem verschlechtern soll.

Seit vor Weihnachten wird Rima Grunskyté Feliksasdóttir vermisst, von der man glaubt dass sie nahe der Insel Dýrhólaey ins Meer gefallen ist. Rima war erst kürzlich von Hella nach Vík í Mýrdal gezogen. Ihr Fahrzeug hatte man dort in der Nähe gefunden. Seit Weihnachten waren die Strände im Süden der Insel nach Rima abgesucht worden.

Bislang ist nicht klar, wann die Suche nach Rima nach dem heutigen Tag fortgesetzt werden soll, schreibt Vísir.

 

Staatspräsident stellt sich erneut zur Wahl

President of Iceland Guðni Th. Jóhannesson.

Islands Staatspräsident Guðni Th. Jóhannesson hat in seiner Neujahresansprache angekündigt, dass er erneut für das Amt kandidieren will. Seine vierjährige Amtsperiode geht in diesem Jahr ihrem Ende entgegen.

Guðni Th. war im Juni 2016 gewählt worden und erfreut sich seither steigender Beliebtheit. Umfragen zufolge genoss er während seiner Amtszeit die Zustimung von 77 bis 85 Prozent der befragten Bürger, berichtet RÚV.

Guðni ist Historiker und war vor seiner Wahl zum Präsidenten Dozent an der Universität Islands. Nicht nur sein Auftreten während offizieller Anlässe hat die Leute überzeugt, sondern auch die Tatsache dass er trotz seines dicht gedrängten Terminkalenders immer noch Zeit findet für Bergtouren, Müllsammeln am Strand der Präsidentenresidenz oder einem Bad im Meer.

In seiner Neujahrsansprache dankte der Präsident den Isländern für ihre Unterstützung, aber auch dafür, dass er ein Privatleben geniessen könne, etwas welches “Staatsoberhäupter in den meisten Ländern nicht unbedingt erwarten können.” Er betonte die Notwendigkeit, auf den Klimawandel zu reagieren, denn dieser “respektiert keine Grenzen, und wir müssen darauf antworten”. Dennoch ermutigte er die Isländer, mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen.

Eine englische Übersetzung der Präsidentenrede findet man auf der Webseite des Amtes.

Die nächsten Präsidentswahlen finden am 27. Juni statt. Sollte sich kein Gegenkandidat finden, wird Guðni ohne Wahl zum Präsidenten ernannt.