Reparaturarbeiten am veralteten Stromnetz gehen langsam voran

power outage

Der Direktor des Energieversorgers RARIK, Tryggvi Þór Haraldsson, sagte im Morgenradio bei Rás 2, in den kommenden Tagen stehe viel Arbeit an, um die Stromversorgung wieder in Gang zu bringen. Es sei nötig, das Stromverteilungsnetz solcherart zu stärken, dass es jedem Wetter trotzen könne. Man habe sich dafür eingesetzt, die Stromleitung unterirdisch zu verlegen, doch sei dies bei manchen Landbesitzern auf taube Ohren gestossen, berichtet RÚV.

Auch wenn wir in den vergangenen Jahren vielleicht mehr Schäden verzeichnet haben, so hat sich doch viel verändert, denn ein grosser Teil des Versorgernetzes ist inzwischen in die Erde verlegt worden. Wir haben 65 Prozent unserer Leitungen unterirdisch liegen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das gewesen wäre, wenn wir das bei diesem Wetter nicht gehabt hätten,” sagte Tryggvi.

Bei früheren Unwettern hätten die Schäden einzelne Verteiler getroffen, doch nun sei ein grosser Schaden am Versorgungssystem festzustellen. Etwa 20 Masten der Dalvíklinie, eine der stärksten Überlandleitungen im System, seien gebrochen. Hier sehe man deutlich, dass das System altere, aber auch wie ungewöhnlich das Wetter ausgefallen sei.

Das grosse Verteilernetz wird von Landsnet betrieben, RARIK versorgt die Regionen. In den besiedelten Gebieten liegen die Stromleitungen meist unterirdisch und sind von Unwettern nicht betroffen. Ein Drittel der Leitungen liegt jedoch noch oberirdisch, die Verlegung unter die Erde kostet Geld und dauert Tryggvi zufolge sicher an die 15 Jahre.

Die Reparaturarbeiten seien sehr schwer, es stürmt teilweise immer noch und Strommasten brechen noch während der Arbeit zusammen. Heute würden die Mannschaften ausgetauscht, damit die Männer Gelegenheit zum Ausruhen bekommen.

Landbesitzer verhindern Erdkabelverlegung

Die Bedingungen heutzutage, so Tryggvi, seien ganz anders als in früheren Jahren. Die Gesellschaft sei viel abhängiger von der Stromversorgung. Die Leute vertrauten auf eine funktionierende Mobiltelefonverbindung, Helfertrupps litten unter der schlechten Verbindung. Es sei dringend notwendig, das Verteilernetz zu stärken, um den Leuten da draussen die ihnen zustehende Grundversorgung gewährleisten zu können, es sei nicht nur für die Schwerindustrie da. Es müsse modern sein und jedem Wetter trotzen können.

Tryggvi sagt, es gestalte sich schwierig, eine Genehmigung für die Verlegung von Erdkabeln von Landeigentümern zu bekommen, die nicht auf ihrem Land leben. Sie selbst würden die Auswirkungen eines Stromausfalls ja nicht zu spüren bekommen. Landsnet habe seit Unternehmensgründung dafür gekämpft, das Verteilernetz im Norden des Landes zu erneuern. “Es ist kein Problem, Baugenehmigungen von Landeigentümern zu bekommen, die vor Ort wohnen, doch jene, die woanders leben, da liegt das Problem. Die Leute wollen keine Infrastruktur auf ihr Land lassen, ausser sie leben dort und sehen selbst die Notwendigkeit.”

Manche Landbesitzer zeigten leider kein Verständnis für die erschwerten Bedingungen.

Seit 40 Stunden im Einsatz

Die Bürgermeisterin des Húnaþing vestra bezeichnete RÚV gegenüber die Lage in ihrem Amtsbereich als ernst, Stromausfall und schlechte Telefonverbindung zeigten weitreichende Auswirkungen, am schlimmsten sei es im Hrútafjörður und in Vatnsnes. Der Bauer auf Bjarghús etwa sitzt seit zwei Tagen und Nächten ohne Strom da. Zum Glück habe er einen Kamin im Haus. Reparaturmannschaften der Elektrizitätswerke habe er keine gesehen und gehe davon aus, dass er mindestens einen weiteren Tag ohne Strom da sitzen werde.

Eine RARIK-Mannschaft arbeitet seit 40 Stunden daran, die Masten und Leitungen in dem Bezirk vom Eis zu befreien und kämpfte gegen die Versalzung des Umspannwerkes. Derzeit ist die Mannschaft auf dem Weg nach Vatnsnes, wo eine 11-Kilovolt-Linie komplett zusammengebrochen ist, schreibt mbl.is.

Eine Auffangstation des Roten Kreuzes ist auch in Hvammstangi in Betrieb, doch dient sie vor allem den Mitgliedern der Rettungsteams zum Aufwärmen, Einwohner haben sich meist zu Freunden und Familien geflüchtet.

Nationaler Sicherheitsrat tritt zusammen

Auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und angekündigt dass der nationale Sicherheitsrat noch heute in der Angelegenheit zusammentreten werde. Die Lage sei ein riesiges Sicherheitsproblem.

Es sei bekannt, dass solches Wetter Folgen nach sich ziehe. “Es erinnert uns daran, wie abhängig wir von der Natur sind und was sie Auswirkungen sie auf unser tägliches Leben haben kann,” sagte Katrín gegenüber RÚV.

Stromausfall legt weite Teile des Nordens lahm

Snow in Akureyri.

Der grosse Sturm ebbt langsam ab, doch an vielen Orten im Norden des Landes gibt es immer noch keinen Strom und damit auch keine Mobilfunkverbindung, berichtet RÚV.  Vielerorts sind Strommasten gebrochen, und die Oberlandleitungen hängen voller Eis.

Noch in der Nacht hatte man versucht, die Kópaskerlinie zu reparieren, doch ohne Erfolg.  Vom Stromausfall waren vor allem Milchbetriebe betroffen, Landwirte die keinen Dieselaggregat am Hof hatten, mussten ihre Kühe von Hand melken, was nicht überall funktionierte, weil die Kühe dies nicht gewohnt sind.

Auch die Krankenstation in Hvammstangi war stundenlang ohne Strom gewesen, 16 Personen befinden sich dort zur Pflege. Einen Dieselaggregator gibt es nicht am Haus. Die Pflegeleitung des Hauses sagte RÚV gegenüber, hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.

In Siglufjörður und Dalvík waren die Häuser durch den Stromausfall ausgekühlt, das Rote Kreuz hatte in Dalvík eine Auffangstation eröffnet, wo mehr als 50 Personen mit heissen Getränken und warmem Essen versorgt wurden. Die meisten Häuser in der Region werden mit Strom beheizt. Auch in Hvammstangi wurde eine solche Station eröffnet.

Die Westfjorde, wo der Schneesturm heftig gewütet hatte, waren über ein Dieselaggregat in Bolungarvík mit Strom versorgt worden. In der Region war nur das abgelegene Strandir vom Stromausfall betroffen gewesen.

Heute Morgen hat sich das Küstenwachschiff Þór von Siglufjörður aus auf den Weg nach Dalvík gemacht, um dort von Bord aus Strom für eine Notversorgung des Ortes zu liefern. In der Nacht hatte das Schiff von Ísafjörður aus kommend einen mobilen Stromaggregat nach Siglufjörður gebracht.  Die Þór ist beim Bau für einen solchen Einsatz konzipiert worden. Sie kann zwei Megawatt Strom an Land liefern, die Menge reicht, um die Notversorgung einer kleinen Gemeinde zu gewährleisten. Experten sind auf dem Weg nach Norden, um die Stromverbindung zum Land hin aufzubauen.

Wie der Leiter des Elektrizitätswerkes RARIK in Nordisland, Steingrímur Jónsson, angab, habe man bislang nur Notfallhilfe leisten können, um weitere Schäden und Stromausfälle zu verhindern. Heute wolle man nach der Wurzel des Übels suchen.

Sverrir Jan Nordfjörð, der technische Leiter bei Landsnet, sieht die betagte Strominfrastruktur im Norden des Landes als Hauptproblem. Viele Strommasten vor allem in den abgelegenen Gegenden seien noch aus Holz und brächen bei starkem Wind. Auch Leitungen würden abreissen, hinzu komme die Vereisung von Stromleitungen und Verbindungsstücken.

Schon kleinste Schäden könten in diesen alten Leitungsstrecken zu weiträumigen Stromausfällen führen. Im Süden und Südwesten sei das Verteilungsnetz moderner, daher gebe es dort viel weniger Stromausfälle.

Sverrir bezeichnete die Anzahl der Stromausfälle als beispiellos, kaum jemand erinnere sich an eine derartig kritische Lage. Hier gibt es ein kurzes Video von Landsbjörg, wo man sehen kann, wie sich die Reparaturarbeiten bei Schneesturm gestalten.

Die Ministerin für Industrie und Innovation, Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir kommentierte gegenüber mbl.is, es sei ganz offensichtlich, dass es sich beim Strom-und Telekommunikationsnetz um eine Sache der nationalen Sicherheit handle. Verbesserungen am Verteilernetz stünden auf der Tagesordnung.

Þórólfur Gíslason, der Leiter des skagfirdischen Handelskontors, kritisierte mbl.is gegenüber, das Stromnetz der Region sei schwer defizitär. Nach Kartierung von Problemen und ehntstandenen Schäden müsse der Aufbau einer funktionierenden Strominfrastruktur oberste Priorität durch die Regierung erhalten. Im Zuge der Stromausfälle hätte die Arbeit in den Schlachthöfen, Kühlhäusern, in der Molkerei und im Steinwollwerk niedergelegt werden müssen.

Tragischer Unfall im Sölvadalur

Im Sölvadalur hat sich gestern Abend ein tragischer Unfall ereignet, als ein Mann von der Flutwelle eines Flusses mitgerissen worden war, nachdem er geholfen hatte, den Fluss Núpá vor der Staumauer des hofeigenen Kleinstkraftwerks von Eis zu befreien. Er war von der Staumauer gestürzt, als sich die Flutwelle löste, der zweite Beteiligte hatte sich retten können.

Wie RÚV berichtet, sind seit gestern Abend etwa zahlreiche Mitglieder der Rettungsorganisation, darunter Taucher des isländischen Viking Squads und der Reykjavíker Feuerwehr und ein Arzt, mit schwerem Gerät an der Suche beteiligt. Die Bedingungen gestalteten sich äusserst schwierig angesichts von Schneemassen und Kälte, dort oben ist es immer noch stürmisch, zudem bestand wie vielerorts im Norden keine Mobiltelefonverbindung.

Das Sölvadalur ist ein abgeschiedenes Tal im Eyjafjörður, und ein rauher Wohnort. Zu seinen besten Zeiten gab es dort neun Höfe, die meisten davon wurden aufgegeben. Das Tal hat in seiner Geschichte viele Lawinenunglücke erlebt, hier sind die Berghänge steil und gefährlich. Heute ist nur noch ein Hof bewohnt, und er ist nicht an die öfentliche Stromversorgung angeschlossen, sondern betreibt an der Núpá ein kleines Hofkraftwerk, schreibt Stundin. Solche Kleinstkraftwerke sind bei extremem Winterwetter oft von Vereisung betroffen und müssen von Eis befreit werden.

Wie der Pressesprecher von Landsbjörg, Davíð Már Bjarnason RÚV gegenüber sagte, seien zahlreiche Helfer aus dem ganzen Land von ihren dortigen Einsätzen abgerufen worden und auf dem Weg nach Norden, um die müden Einsatzkräfte dort abzulösen und bei der Suche zu helfen.

Die Meldung von dem Unglück war gestern Abend gegen 22 Uhr bei der Polizei eingegangen.