Inversionswetterlage sorgt für dicke Luft in Reykjavík

Reykjavík

Der Gehalt von Stickstoffdioxid (NO2) ist nach Messungen am Grensásvegur gestern dreimal über den zulässigen Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gestiegen. Um 12 Uhr lag der Wert bei 207,9 Mikrogramm, berichtet mbl.is.

In einer Mitteilung des Reykjavíker Gesundheitsamtes heisst es, dass das Stickstoffdioxid aus den Auspuffen von Kraftfahrzeugen stamme und am meisten zu dem Stosszeiten am Morgen und im Nachmittagsverkehr auftrete.

Auch heute soll es windstill und kalt sein, damit steigt die Wahrscheinlichkeit für hohe Stickstoffdioxidwerte an den Hauptstrassen.

Der Grenzwert für 24 Stunden liegt bei 75 Mikrogramm pro Kubikmeter, er darf pro Jahr nicht öfter als siebenmal überstiegen werden. Der Grenzwert für eine Stunde liegt bei den genannten 200 Mikrogramm und darf pro Jahr nicht öfter als 18 Mal überstiegen werden.

In diesem Jahr lag der Wert achtmal über dem 24 Stunden Grenzwert und fünfmal über dem Stundengrenzwert, heisst es in der Mitteilung der Behörde.

Die Öffentlichkeit wird gebeten, wo möglich, auf das Auto zu verzichten und andere Transportmöglichkeiten zu finden. Personen mit Atemwegserkrankungen und Kinder sollten sich nicht zu lange draussen aufhalten, da Stickstoffdioxid Reizungen in den Atemwegen verursachen kann. Die Gesundheitsbehörden überwachen die Luftqualität und veröffentlichen, wenn nötig, weitere Warnungen.

Aktuelle Informationen zu Schadstoffwerten findet man unter loftgædi.is.

Bessere psychologische Versorgung von Gefangenen

Hólmsheiði prison Iceland

Ein spezialisiertes interdisziplinäres Team für Psychogesundheit soll in Zukunft Gefangene im ganzen Land mit psychologischen Dienstleistungen versorgen. Dazu wurde im Gefängnis Hólmsheiði vorgestern von Vertretern der isländischen Krankenversicherung und dem Gesundheitszentrum der Hauptstadtregion ein Abkommen unterzeichnet. Die Initiative gilt als drastische Veränderung, denn isländische Gefängnisse hatten seit mehr als fünf Jahren keinen Psychiater mehr für ihre Insassen zur Verfügung gehabt.

Das neugegründete Team besteht aus Psychiatern, Psychologen, Krankenschwestern und anderen Fachleuten auf dem Gebiet. Das Team übt seine Tätigkeit von der Hauptstadt aus, wird jedoch mobil sein und ausserdem Technologie nutzen, um die abgelegenen Anstalten im Land versorgen zu können. Die Regierung hatte in diesem Jahr 55 Mio ISK (409.000 EUR) für die Bereitstellung von psychologischer Betreung in Gefängnissen zur Verfügung gstellt, im kommenden Jahr soll der Betrag auf 70 Mio ISK (520.000 EUR) aufgestockt werden.

Der Direktor der isländischen Justizvollzugsanstalten, Paul Winkel, drückte seine Zufriedenheit darüber aus, dass die Ministerien für Justiz und Soziales sich zu einer Zusammenarbeit gefunden hatten, um die Versorgung für Gefängnisse voranzubringen. Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir sagte, die Anstrengungen zielten darauf ab, “diesen Service zu einem Punkt zu bringen, der nicht nur akzeptabel ist, sondern auf den wir auch stolz sein können.”

Im vergangenen Sommer hatte der europäische CPT-Rat (der Ausschuss für die Verhinderung von Folter und inhumaner oder herabwürdigende Behandlung oder Bestrafung) isländische Gefängnisse besucht und einen Bericht über die Zustände dort verfasst. Kritisiert wurde in dem Bericht ein Manko an psychologischer und psychosizialer Versorgung in den Anstalten. Gefordert wird unter anderem, dass das psychologische Angebot für Insassen vergleichbar dem sein müsse, was alle anderen Einwohner nutzen können, wobei die besonderen Bedürfnisse von Gefangenen berücksichtigt werden müssen.

Anna Gunngildur Ólafsdóttir, die Leiterin des isländischen Verbandes für Psychogesundheit, gab an, dass der Anteil von Gefangenen mit psychiatrischen Erkrankungen zwischen 50 und 70 Prozent liege. In den vergangenen fünf Jahren war kein Psychiater in isländischen Gefängnissen tätig gewesen, wo zuvor ein Team aus vier Psychiatern für mehr als 1000 Insassen verantwortlich gewesen war.