Bebenserie in der Askja

Ein Erdbeben der Stärke 3,1 ereignete sich gegen halb acht heute Morgen im Vulkan Askja in Nordisland, berichtet RÚV. Seit vergangenem Donnerstag war der Vulkan von einer Bebenserie erschüttert worden. Nach Angaben des Erdbebenüberwachungsdienstes beim isländischen Wetterdienst gibt es keine Anzeichen für eine vulkanische Aktivität.

Mehr als 150 Beben sind seit Mitternacht aufgezeichnet worden, doch sind Beben in der Region ein bekanntes Phänomen. Die Seismologin Sigríður Magnea Óskarsdóttir sagt, man überwache die Ereignisse an der Askja sehr genau.

Wir gehen davon aus, dass es sich um Aktivitäten durch die Plattentektonik handelt. Es gibt kein Hinweise auf vulkanische Aktivität oder Ausdehnung des Vulkans. In der Region sind Bebenserien relativ normal, das kommt in Wellen, und diese hat relativ lange angedauert.” sagte Sigríður Magnea im Gespräch mit RÚV.

Die Askja ist ein aktiver Vulkan. Am 28. März 1875 ereignete sich dort ein schwerer Vulkanausbruch, der die Menschen aus den umliegenden Regionen vertrieb. Die Aschewolken aus dem Ausbruch von 1875 hatten globale Auswirkungen, Askjaasche wurde auch in Skandinavien gefunden.

Durch diesen Ausbruch entstand der Krater Víti. In den Jahren 1921 bis 1930 erwachte die Askja erneut und brach gleich neunmal hintereinander aus, jedoch in geringerem Ausmass.

Der letzte Ausbruch der Askja ereignete sich im Jahr 1961.

 

Fischereiriese Samherji der Steuerhinterziehung und Bestechung beschuldigt

Die Zahlungen von Bestechungsgeldern und Aufkäufe von Makrelenquoten durch Islands grösstes Fischereiunternehmen Samherji im afrikanischen Staat Namibia sind von einem ehemaligen Mitarbeiter offengelegt worden, berichtet das Magazin Stundin.

Der vormalige Generaldirektor Jóhannes Stefánsson hatte mit Reportern von Stundin, Kveikur und Al-Jazeerah zusammengearbeitet und mehr als 30000 Dokumente für die Plattform Wikileaks zugänglich gemacht. Die Dateien sind bei Wikileaks unter dem Namen Fishrot Files zu finden. Den Beitrag auf Kveikur findet man hier (in isländischer Sprache).

Demnach hat Samherji in den Jahren 2011 bis 2018 mehr als 70 Millionen Dollar über eine Briefkastenfirma in der Steueroase der Marshall Inseln transferiert. Das Konto der Briefkastenfirma mit Namen Cape Cod FS lag bei der norwegischen Bank DNB NOR, grösster Aktionär der Bank ist mit 34 Prozent der Staat Norwegen.

Das Geld auf diesem Konto stammte zum Teil aus Samherjis fragwürdigen und möglicherweise ungesetzlichen Aktionen in Namibia, wo das Unternehmen Politikern systematisch Bestechungsgelder zahlt, um sicheren Zugang zu Fischereiquoten zu erhalten. Die Briefkastenfirma auf den Marshallinseln wurde dazu benutzt, den Crews auf den Trawlern Löhne auszuzahlen. Diese Trawler fischten Bastardmakrelen und luden ihren Fang noch auf hoher See auf Schiffe mit Weiterverarbeitungskapazitäten um, sodass der Fang nie an Land gelangte.

Im Mai 2018 sperrte die DNB Bank das Konto auf den Marshallinseln, nachdem eine US Bank sich geweigert hatte, eine Transaktion in ihrem System zu durchzuführen. Einer Risikofeststellung der DNB zufolge war es zu gefährlich, die Cape Cod FS als Kunden zu behalten, da man wegen einer zu laxen Geldwäschepolitik Sanktionen seitens der amerikanischen Sicherheits- und Devisenkommission (SEC) befürchtete. Auch war der DNB nicht bekannt gewesen, dass Samherji hinter der Cape Cod FS stand.

Nach der Kontenschliessung auf den Marshallinseln ist die DNB NOR Stundin zufolge jedoch weiterhin Samherjis Hauptbankhaus für alle ausländischen Aktivitäten, auch in Afrika, und auch in Namibia.

Bestechungsgelder für “die Haie”

Die Quoten zu dem Speisefisch sicherte Samherji sich durch durch die Bestechung von Politikern und Behördenmitarbeitern, laut Wikileaks wurden zwischen 2012 und 2018 um die 10 Millionen US Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt. Die Zahlungen gingen auch nach der Kontenschliessung durch die DNB Bank weiter.

Empfänger der Bestechungsgelder, intern “die Haie” (hákarlarnir) genannt, waren laut Stundin der Fischereiminister Namibias, sein Schwiegersohn, der als Berater für Samherji tätig war, der Justizminister Namibias, der für Samherji eine Gesetzesänderung durchführte, sowie zwei Manager des staatlichen Fischereiunternehmens Fishcor, welches für die Quotenverteilung zuständig ist.

Einige der Namibier seien, so sagt Whistleblower Jóhannes Stefánsson Stundin gegenüber, auch zu Besuch in Island gewesen. Dort habe der damalige Gesundheitsminister und heutige Minister für Fischerei und Landwirtschaft, Kristján Þór Júlíusson, vorbeigeschaut und sei von Samherji-Chef Þorsteinn Már Baldvinsson als “mein Mann in der Regierung” vorgestellt worden. Júlíusson beschrieb in einem Beitrag auf seiner Facebookseite seine jahrzehntelange Karriere in der isländischen Fischerei, wo er für Unternehmen auf hoher See und an Land tätig gewesen ist.

Þorsteinn Már Baldvinsson, der als Samherjis Geschäftsführer auch grösster Aktionär des Unternehemns ist, genehmigte die Zahlungen der Bestechungsgelder, so Jóhannes Stefánsson, der als Generalmanager von Samherji in Namibia die Zahlungen ausführte. Im Magazin Kveikur beschreibt er, wie er in solch einem Fall eine Tasche erwarb, in der Bank das Bargeld abhob und mit der Tasche zu dem jeweiligen Empfänger fuhr.

Heute arbeitet Stefánsson mit Korruptionsermittlern in Namibia und anderen Ländern zusammen, um die Aktivitäten des Fischeiriesen aufzudecken. “Nichts wird ohne seine [Þorsteinn Már Baldvinssons] Zustimmung gezahlt.” gab er an.

Nach Aussage von Jóhannes hätten zwei der Geldempfänger nicht etwa Fischquoten sondern den Kontakt zur politischen Elite verkauft. “Samherji tut was auch immer nötig ist, um seine Hände auf die natürlichen Resourcen anderer Länder zu legen. Das Unternehmen betrügt und macht leere Versprechungen, um diese Resourcen auszubeuten. Sie zögern nicht, Bestechungsgelder und Gesetzsbrüche zu nutzen, um soviel Geld wie nur möglich aus dem Land zu ziehen und nichts als verbrannte Erde zu hinterlassen, und Geld in den Taschen einer korrupten politischen Elite,” äusserte Jóhannes Stundin gegenüber.

Fischindustrie durch isländische Fachleute aufgebaut

Island und Namibia haben eine gemeinsame Fischereigeschichte. Islands Behörde für Entwicklungshilfe hat sowohl eine funktionierende Küstenwache als auch die Fischereiindustrie mit aufgebaut. Wie Behördenchef Sighvatur Björgvinsson RÚV gegenüber erklärte, hätten die Isländer dort ein Meeresforschungsinsitut gegründet, ein Quoten- und Vermarktungssystem eingerichtet und Seeleute ausgebildet. “Im Jahr 2008 sind wir dann dort weg, und dann kommt Samherji – und alles ist zusammengebrochen,” sagte Sighvatur, der sich im Interview als schockiert über die Entdeckungen bezeichnete.

Samherji hat eine Pressemitteilung zu der Angelegenheit veröffentlicht, in welcher die Rolle des 2016 entlassenen Whistleblowers Jóhannes Stefánsson in Frage gestellt wird. In der Erklärung heisst es unter anderem:

Alle Aktivitäten von Samherji und in Verbindung stehenden Unternehmen sind über Jahre intensiv untersucht worden, ohne dass strafwürdige Vergehen entdeckt wurden. All unsere Bücher, Emails und andere Dokumente sind gründlich durchsucht worden, auch die der Unternehmen, die die Trawler vor der Küste Afrikas seit 2007 betrieben. Wie schon zuvor werden wir die falschen und irreführenden Anschuldigungen eines ehemaligen Mitarbeiters nicht hinnehmen, die einmal mehr von den gleichen Beteiligten in den Medien serviert werden, wie in der Zentralbankangelegenheit.”

Ermittlungen laufen an, Whistleblower brauchen Schutz

In Island ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft gegen Samherji. Wie RÚV berichtet, habe Jóhannes Stefánsson Einzelheiten zu seiner Beteiligung an Samherjis Aktivitäten dort zu Protokoll gegeben.

Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir sagte in den Mittagsnachrichten bei RÚV, dass die Angelegenheit genaustens untersucht werden müsse. Wenn sich die präsentierten Vorwürfe als wahr erwiesen, sei dies nicht nur katastrophal, und beschämend für Samherji, sondern auch Anlass zur Sorge für die isländische Fischereiindustrie und den Arbeitsmarkt.

Sie habe sich beim Anschauen des Kveikur-Beitrags unangenehm an Neokolonialisten erinnert gefühlt, die sich die Schwächen im politischen System des anderen Landes zunutze machten.

Die Angelegenheit zeige auch, so Katrín, wie dringend notwendig es sei, den von ihr im Parlament vorgelegten Gesetzentwurf zum Schutz von Whistleblowern zu verabschieden.

uppdate: Hier findet man den TV-Beitrag von Kveikur mit englischen Untertiteln.