Zertrümmerte Autoscheiben nach Geröllflug im Orkan

In der Gemeinde Suðursveit im Südosten des Landes, wo heute wegen Orkans die orangefarbene Warnstufe gilt, sind die Scheiben von Autos durch Sand und Geröllflug zertrümmert worden, berichtet RÚV.

Raymond Hoffmann, der sich am Landhotel Hala im Suðursveit befindet, sagt, mindestens vier Fahrzeuge und ein Reisebus hätten auf dem Parkplatz Schäden erlitten. Das Wetter war in der Nacht schon stürmisch gewesen und hatte sich zum Morgen hin weiter verschlechtert. Heute morgen gegen neun Uhr, als er die Schäden bemerkte, habe der Wind Geschwindigkeiten von um die 50 m/s gehabt, das sind 180 km/h.

Auch wenn es derzeit etwas ruhiger scheint, soll der Orkan in der Nacht an Stärke wieder zunehmen. Raymond bezeichnete den Aufenthalt im Freien als nicht sicher.

Doch zerbrochene Scheiben durch fliegendes Geröll, das passiert nicht nur Touristen. Auch der Astronom Sævar Helgi Bragason, den Isländern als Sterne-Sævar bekannt, hat einen kaputten Mietwagen zu beklagen. Er befindet sich in Vík í Mýrdal, wo Sturmböen an den Vulkanhängen heruntergehen und Sand und Geröll durch die Luft wirbeln.

Den ganzen Tag schon ist es im Südosten des Landes sehr stürmisch gewesen. Die zur Zeit anhaltende Windstille sei nur eine kleine Pause, bevor es nach 17 Uhr wieder kräftig weiterwehen soll.

Am Vormittag war unterhalb des Lómagnúpur im Südosten ein PKW von der Strasse gefegt worden. Der Fahrer hatte sich alleine im Fahrzeug befunden, er blieb unverletzt.

Im Süden des Landes mussten Mitglieder des Rettungsteams ausrücken um wetterverschreckte Touristen, die sich in der Nähe des Hlöðufell wohl verirrt hatten, ins nächste Dorf zu bringen. Sie hatten eine Reifenpanne gehabt und waren im Orkan mit dem Problem überfordert gewesen. Das Fahrzeug wurde zurückgelassen.

Im Norden herrschte seit dem frühen Morgen Schneesturm, viele Schulen sind seit gestern geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kam streckenweise zum Erliegen. Auch Inlandsflüge zwischen Akureyri und der Hauptstadt, sowie den Westmännerinseln und Reykjavík mussten abgesagt werden. Um die Mittagszeit war die Ringstrasse im Möðrudalsöræfi geräumt, Wetterexperten rechnen jedoch damit dass die Einödenstrecke am Abend wieder gesperrt werden muss, weil sich wieder Schneeverwehungen gebildet haben. Auch der Vikurskarð zwischen Akureyri und Húsavík ist gesperrt und wird heute nicht mehr geräumt, man kann jedoch gegen eine Gebühr den Tunnel befahren.

Rätsel um einen 71 Jahre alten Dachbodenfund gelöst

Das Rätsel eines Briefes zwischen zwei Brüdern aus dem Jahr 1948, der auf einem Speicher in Reykjavík gefunden worden war und seiner Finderin jahrelanges Kopfzerbrechen bereitet hatte, ist gelöst worden. Der Sohn eines der Brüder sagt, er sei nun hinter das 71 Jahre alte Geheimnis gekommen, berichtet mbl.is.

Vor sieben Jahren hatte Guðrún Dóra Þórudóttir auf dem Speicher ihres Hauses jenen Brief gefunden, der jedoch weder Adressaten noch Absender aufwies. Aus dem Text geht hervor, dass ein gewisser Magnús den Brief in Virginia in Minnesota aufgesetzt und an seinen Bruder schrieb, der allerdings nicht namentlich genannt wird. Im Brief werden aber die Kinder des Schreibers erwähnt.

Guðrún Dóra versuchte erfolglos, die Nachkommen des Schreibers zu finden, schliesslich übergab sie den Brief der staatlichen Dokumentensammlung, nicht jedoch ohne ihn vorher fotokopiert zu haben.

Da ihr die Sache keine Ruhe liess, postete sie kürzlich diesen Brief auf ihrer Facebookseite und fragte, ob irgendwer wohl die Leute rund um den Brief kenne.

Es gab allerlei Hinweise, unter anderem bot sich ein Ahnenforschungsunternehmen, welches sich auf die isländischen Auswanderer in den Vereinigten Staaten und Kanada spezialisiert hatte. In dieser Datenbank fanden sich tatsächlich die beiden Brüder.

Kurz darauf meldete sich ein Mann bei Guðrún Dóra, der überzeugt war, dass der Brief an seinen Onkel Jón Jónsson gerichtet gewesen war. Und in der Tat, seine Gattin Dominique Plédel Jónsson konnte bestätigen, dass der Brief von Magnús Magnússon an ihren Schwiegervater Jón Magnúson gerichtet war.

Jón der Jüngere sagt, er habe weder von dem Brief gewusst, noch dass er einen Onkel in den USA gehabt habe, sein Vater habe diesen Bruder nie erwähnt. Doch dann gab es da den Grossonkel Eiríkur Magnússon, einen Bibliothekar in Cambridge, der seinen elfjährigen Neffen Magnús aufgenommen hatte. “Ich wusste nie, warum mein Grossonkel Magnús zu sich genommen hat.” sagt Jón.

Das Mündel des Bibliothekars ging dann nach Amerika und blieb dort. Jón sagt, die beiden Brüder seien 1871 und 1873 geboren, der Brief sei jedoch geschrieben worden, als beide schon ein recht hohes Alter erreicht hatten.

Aus dem Brief geht hervor, dass begleitend eine Taschenuhr von Magnús an Jón geschickt worden sei. Offenbar wusste Magnús, dass sein Bruder daheim in Island erblindet war, denn er schreibt, dass er zwar eher wenig Nutzen aus einer Taschenuhr ziehen könne, aber er könne sich ja das Ticken anhören. Er bezeichnete sich als den faulsten Briefeschreiber der Welt, doch die Uhr “könnte dir jedesmal, wenn du sie an dein Ohr hälst, sagen, dass ich noch am Leben bin und an dich denke,” schreibt Magnús und endet seinen Brief mit den Worten “Dein dich liebender Bruder Magnús.”

Jón hat keine Ahnung, woher Magnús wusste, dass sein Bruder blind war. “Aber Geschichten verbreiten sich ja immer, damals wie heute. Und als ich von diesem Brief hörte, löste sich ein 71 Jahre altes Geheimnis. Papa hatte nämlich eine wunderbare goldene Uhr in seiner Westentasche. Das war eine sehr schöne Uhr, ich erfuhr jedoch niemals, woher er sie hatte, obwohl ich ihn danach gefragt habe. Jetzt weiss, ich woher sie kam.” freut Jón sich.

Jón mit der Taschenuhr starb 1950. Der Brief, so vermutet Jón der Jüngere, befand sich wohl in dem Haus, weil seine Schwester dort einmal gewohnt habe.

Er versteht sehr gut, warum das Schreiben ein solches Interesse bei den Leuten geweckt habe und ist der Finderin sehr dankbar, dass sie ihn nicht weggeworfen hat, wie es zweifellos viele getan hätten.

Der Brief sei eins der wenigen Dinge, die ihm von seinem Vater geblieben seien.

Ich weiss nicht, warum die Brüder 45 Jahre lang keinen Kontakt hatten. Da gab es ganz offensichtlich ein altes Problem zwischen den beiden. Aber es ist vielsagend, dass Magnús seinem Bruder, meinem Vater, diese wertvolle goldene Uhr geschickt hat.”

Guðrún Dóra hingegen freut sich, dass ein altes Familienrätsel auf diese Weise gelöst werden konnte. Ein richtiges Abenteuer, findet sie, eins von der Sorte, die sie sich nie hätte träumen lassen.

112 Ladestationen für Elektroautos bezuschusst

electric car charging station

Der isländische Energiefonds orkusjóður hat gewerblichen Unterkunftsbetreibern in ganz Island Fördermittel zur Verfügung gestellt, um Ladestationen für Elektroautos vor Ort und Stelle zu errichten. Dies ist einer Ankündigung auf der Webseite der Regierung zu entnehmen. Die Fördermittel im Wert von mehr als 30 Mio. ISK sollen das gleichzeitige Aufladen von 110 Elektroautos zu jeder Zeit erlauben. Bewerber für die Fördergelder müssen mindestens die Hälfte der Kosten selber tragen. Insgesamt handelt es sich daher um eine Gesamtinvestition von etwa 60 Mio. Kronen.

Im Sommer hatten drei Minister einen Plan vorgestellt, mit dem die Infrastruktur für die Energiewende im Strassenverkehr sukzessive verbessert werden soll. Noch am selben Tag war eine Ausschreibung für die Ausgabe der Fördermittel zur Schaffung von Ladestationen am Gästehäusern aufgesetzt worden. Nun also kümmert sich der Energiefonds um die Verteilung der Gelder.

Insgesamt sollen 26 Zuschusspakete für 112 Ladestationen im ganzen Land ausgezahlt werden.

In der Regierungsmitteilung wird die Bedeutung der Mietwagenunternehmen in Island unterstrichen, fast die Hälfte aller neuregistrierten Fahrzeuge sind nämlich Mietwagen. Um die Energiewende für die Mietwagenunternehmen zu vereinfachen, sollen die Fördermittel in Ladestationen an Unterkünften im ganzen Land verwendet werden.

In den kommenden Monaten gibt es dann weitere Zuschüsse für die Errichtung von schnellen Ladestationen, eine Ausschreibung dafür hatte bereits im Sommer stattgefunden. Dafür waren zahlreiche Bewerbungen eingegangen, die der Energiefonds derzeit prüft. Die Schnellladestationen sollen dann in Schlüsselbereichen errichtet werden, um sicherzustellen, dass Elektroautos problemlos zwischen einzelnen Bereichen der Insel verkehren können. Wie es in der Meldung heisst, ist dies besonders wichtig, da die Zahl der Elektroautos in Island rasch wächst. Nur in Norwegen gibt es eine proportional höhere Zahl an Neuanmeldungen für Elektroautos.

Den oben genannten Fördermitteln liegen Vorschläge einer Arbeitsgruppe zugrunde, die vom Ministerium für Tourismus, Industrie und Innovation und dem Umweltministerium ins Leben gerufen worden war, und deren Aufgabe darin bestand, Wege zu finden, um die Energiewende im Strassenverkehr zu beschleunigen. Das Projekt ist Teil eines Massnahmenkatalogs der Regierung gegen den globalen Klimawandel.