Psychische Gewalt gegen Frauen im Parlament laut Studie bei 80 %

Achtzig Prozent aller weiblichen Abgeordneten des isländischen Parlaments sind Opfer von psychischer Gewalt geworden, wie man in einem just erschienenen Buch von Haukur Arnþórsson lesen kann. Für die Studie waren Frauen befragt worden, die im Parlament arbeiten oder kürzlich dort gearbeitet haben, insgesamt waren 33 Frauen befragt worden, 76 Prozent bzw. 25 Frauen hatten sich zu einer Antwort bereit erklärt, berichtet das Fréttablaðið.

Über sexuelle Gewalt hatten 24 Prozent der Frauen berichtet, 24 Prozent waren handgreiflich belästigt worden, 20,8 Proznt berichteten über wirtschaftliche Gewalt. Letztere liegt dann vor, wenn eine Frau nicht den Arbeitsplatz oder das Gehalt bekommt, welches sie aufgrund ihrer Eignung oder Ausbildung haben könnte, oder wenn ihr Eigentum beschädigt wird.

Haukurs Untersuchung ergab auch, dass Frauen kürzere Zeit im Parlament verbringen als Männer. Ausserdem ist zu lesen, dass 63,5 Prozent der Abgeordneten der oberen Gesellschaftsschicht angehören.

Die Studienergebnisse zu den Erfahrungen der weiblichen Parlamentsabgeordneten waren mit einer Studie zu geschlechtsbezogener Gewalt verglichen worden, welche durch die Interparlamentarische Union in Zusammenarbeit mit dem Europarat durchgeführt worden war.

Aus der Europastudie geht hervor, dass 14,8 Prozent aller Abgeordneten physische Gewalt erlebt hatte, das sind neun Prozent weniger als bei den isländischen Parlamentarierinnen. Auch die Rate für wirtschaftliche Gewalt liegt höher, hier stehen 11,8 Prozent in Europa gegen 20,8 Prozent in Island.

 

37 Mordfälle in 20 Jahren

In den Jahren zwischen 1999 und 2018 sind einer Fallaufstellung der Polizei zufolge in Island 37 Morde verübt worden. Wie RÚV berichtet, hatte der linksgrüne Abgeordnete Andrés Ingi Jónsson im Parlament danach gefragt und diese Antwort von der Justizministerin erhalten.

In den meisten Mordfällen (13) war der Mörder ein Freund oder Bekannter des Opfers. In neun Fällen war der Mörder Ehepartner oder ehemaliger Partner des Ermordeten. Unter den 37 Opfern befanden sich 24 Männer und 13 Frauen.

Andrés Ingi fragte auch nach der Anzahl der Fälle von häuslicher Gewalt. Im Zeitraum zwischen Januar und August diesen Jahres waren 606 Fälle von häuslicher Gewalt zu Protokoll genommen worden. Mit 467 Meldungen hatten sich die meisten dieser Fälle im Hauptstadtbereich ereignet.

Im vergangenen Jahr waren 866 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet worden, 702 davon hatten sich im Grossraum Reykjavík zugetragen.