Rentierjagd: was wird aus den mutterlosen Kälbern?

Die isländische Umweltbehörde will sich derzeit nicht dazu äussern, ob sie der Empfehlung des Fachrates für Tierwohl folgt und die Jagdperiode für Rentiere im kommenden Jahr mit Rücksicht auf die Rentierkälber später einläuten wird, berichtet mbl.is.

Am 24. Juni war der Behörde eine Empfehlung des mit dem Tierschutz betrauten Fachrates vorgelegt worden, welche eine Überprüfung von Jagdleitung und Lizenzen nahelegt.

Unter anderem verwies der Fachrat darauf, dass es an wissenschaftlichen Daten über den Verbleib von Rentierkälbern fehle, deren Muttertier erschossen wurde.

Die Behörde liess wissen, dass es bislang noch keine Entscheidungen zur Jagdsaison 2020 gebe.

Wenn der Empfehlung des Fachrates nachgekommen würde, dann würde das nach breitem Konsens zahlreicher Beteiligter und wissenschaftlicher Revision rufen. Wir können uns daher zu einer möglichen Reaktion in der Zukunft nicht äussern, aber wir begrüssen fachliche und wissenschaftliche Fakten, von wo auch immer die herkommen,” hiess es in der Antwort der Behörde.

Die Jagdlizenzen für das kommende Jahr sollen dennoch Ende des Jahres vorliegen.

In der Empfehlung, die der Umweltbehörde vom Fachrat eingegangen war, geht es um Verbleib und Wohl von Rentierkälbern, denen die Mutter bei der Jagd erschossen wurde.

Wie die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, mbl.is gegenüber erklärte, sei der Fachrat zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht genug wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, was aus diesen mutterlosen Kälbern wird. Ihre Behörde wolle daher die Rentierjagd im Hinblick auf die Kälber prüfen.

In Norwegen beginnt die Jagdsaison für Rentiere später als in Island. Der Fachrat empfiehlt dennoch, Entwicklungsstand und Verbleib der isländischen Kälber erst mal wissenschaftlich zu untersuchen.

Bislang sind die Tiere nur gezählt worden, und da der Bestand nicht sinkt, gehe man davon aus dass dem Tierwohl Genüge getan wird. Für Sigurborg sind das jedoch keine ausreichenden Informationen, sie wünscht sich wie in der Empfehlung des Fachrates mehr Daten und geht davon aus, dass diese für die Jagdsaison im kommenden Jahr auch gesammelt werden.

80 Arzneien derzeit in Island nicht erhältlich

Prozac pills

Die Vorliebe der internationalen Pharmaindustrie für grosse Märkte hat zur Konsequenz, dass Dutzende von Medikamenten derzeit in Island nicht erhältlich sind, berichtet RÚV. Der Apotheker Aðalsteinn Jens Loftsson sagt, die Lage könne es für Einheimische erschweren, die richtige Medizin zu erhalten, und sie könne geradezu gefährlich sein. Auch der britische Brexit hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit eines bestimmten Medikamentes in Island.

Wir erleben das täglich, keine Frage, und in unterschiedlicher Ausprägung. Manche Fälle sind schwerwiegender als andere und schwieriger zu lösen,” sagt Aðalsteinn. Ein Hämorhoidenmedikament etwa ist derzeit nicht verfügbar. “Der Hersteller dieser Zäpfchen entschied, die Produktion einzustellen und verkaufte die Lizenz an einen anderen Produzenten. Der hatte kein Interesse an Island und gab die Marktlizenz zurück. Damit ist das Medikament von der Liste gestrichen.”

In vielen Fällen ist es schwierig, um solche Herausforderungen herumzuschiffen. Auch wenn manche Importeure Sonderlizenzen erhalten haben, um nicht verfügbare Medikamente oder Vergleichspräparate zu einzuführen, “das hat nicht immer so funktioniert,” sagt Aðalsteinn.

Im letzten Sommer waren Schilddrüsenpräparate und Nasensprays für Allergiker in Island nicht erhältlich gewesen. Auch Betablocker, die gegen Bluthochdruck verschrieben werden, hatte es nicht gegeben.

Man kann da noch mehr nennen. Ein altes und erprobtes Antibiotikum, das einfach von der Liste gestrichen wurde. Es war das einzige Präparat in der Kategorie.”

Apotheker dürfen kein Vergleichspäparat ausgeben, wenn ein Medikament nicht zu bekommen ist. Dem Patienten bleibt dann nichts anderes übrig als wieder zum Arzt zu gehen. Das führt nicht nur zu höheren Kosten für ihn, weil jeder Arztbesuch einzeln bezahlt werden muss, sondern auch “zu einer zusätzlichen Belastung für Gesundheitszentren, Ärzte, Spezialisten und Krankenhäuser,” erklärt Aðalsteinn. “Ich würde daher sagen, es wäre wünschenswert, dass alle, die von dem Problem betroffen sind, sich zusammen zu finden und nach Lösungen zu suchen.”

Er weist auch darauf hin, dass es bei neuen Medikamenten länger dauere, die Insel zu erreichen, weil sie oft zuerst in grösseren Ländern vermarktet werden. “Das ist kein Geheimnis.”

Auf der Webseite der isländischen Arzneimittelbehörde findet man die Liste aller derzeit nicht verfügbaren Medikamente

 

 

Iranischer Asylbewerber seit 13 Tagen im Hungerstreik

Amin Ghayszadeh

Ein Asylbewerber befindet sich heute in seinem 13. Tag eines Hungerstreiks. Er sei erschöpft, aber er wolle lieber in Island sterben als nach Griechenland zurückgeschickt werden. Vísir berichtet, dass der Asylantrag von Amin Ghayszadeh abgelehnt worden sei, und dass er abgeschoben werden soll.

Amin ist 26 Jahre alt und stammt aus dem Iran. Er sagt, ihn würde Verfolgung erwarten, weil er vom Islam zum Christentum konvertiert sei, er sei geflohen, weil er um sein Leben fürchtete. “Ich bin aus dem Iran und hatte dort religöse wie politische Schwierigkeiten,” erklärte er. “Deswegen musste ich fliehen.”

Im vergangenen Dezember war er nach Island gekommen und hatte Asyl beantragt. Wie viele andere Flüchtlinge war er zuvor nach Griechenland gegangen und hatte dort internationalen Schutz zugesagt bekommen. Asylbewerber mit diesem Status werden vom isländischen Amt für Einwanderung zurückgeschickt. Das isländische Rote Kreuz hat solche Abschiebungen kritisiert, vor allem wegen der schlechten Lebensbedingungen für Flüchtlinge in Griechenland.

Amin lebt derzeit in einem Haus, welches dem Amt für Einwanderungn untersteht. Seit 13 Tagen verweigert er jede Nahrung und sagt, er könne nicht nach Griechenland zurück.

Wenn ich hier sterbe, spielt das keine Rolle. Ich versuche zu erklären, dass ich in Gefahr bin wenn ich nach Griechenland zurückgehe. Ich kann hier nicht leben, also bleibe ich hier solange ich kann,” erklärt der Iraner.

Amin brachte vor dem Hungerstreik nur 52 Kilo auf die Waage und hat in den 13 Tagen viel Gewicht verloren. “Mein Körper ist kalt und ich habe Herzschmerzen,” sagt er.

Sein Anwalt gibt an, eine Wiederaufnahme seines Falles werde derzeit aufgrund des veränderten Gesundheitszustands geprüft. Amin will streiken, bis man ihn anhört. “Ich mache das solange wie die Regierung braucht, um mich nach Griechenland zurückzuschicken.” bekräftigt er.

 

 

 

Papageitaucher: alljährliche Rettungssaison im vollen Gange

Puffin rescue Westman Islands

Die Kükensaison der Papageitaucher ist in vollem Gange auf den Westmännerinseln. Dort arbeiten derzeit Jung und Alt daran, verirrten Jungvögeln den Weg ins Meer zu zeigen, berichtet RÚV. Mit Ende des Sommers machen sich die Jungvögel auf den Weg ans Wasser, doch viele werden durch die Lichter der Stadt abgelenkt und glauben, sie hätten reflektierende Sterne im Meer vor sich.

Eine Heerschar von Freiwilligen hat in diesem Jahr 50 Prozent mehr Jungvögel gerettet als noch im Vorjahr. Der Leiter des isländischen Instituts für Naturkunde, Erpur Snær Hansen, bezifferte die geretteten Vögel auf 2131 Exemplare.

Die Papageitaucherpatrouille auf den Westmännerinseln, hier gibt es Fotos auf Facebook, wird seit vielen Jahren durchgeführt. Die Freiwilligen machen sich nachts auf den Weg, die verirrten und desorientierten Vögel von den Strassen zu holen, packen sie in Kartons und tragen sie zum Meer. Nach den letzten mageren Aufzuchtjahren sind in diesem Jahr wieder viel mehr Jungvögel unterwegs.

Ich schätze es sind etwa 50 Prozent mehr Vögel, was etwa 10.000 Exemplare macht, und das ist etwa die gleiche Zahl wie vor der Jahrhundertwende,” sagte Erpur.

In diesem Jahr sind die bunten Jungvögel jedoch leichter und magerer als in den Vorjahren, was Erpur auf ihre Nahrungsgrundlage zurückführt. Der Sandaal, der den Hauptbestandteil des Futters ausmacht, ist dieses Jahr spät in isländische Gewässer gekommen, und die Küken haben stattdessen Krill zu fressen bekommen.

Das ist ziemlich nährstoffreich. Da ist wenig Fett drin und das bedeutet, dass sich das Wachstum der Küken verzögert hat. Man könnte sagen, dass die auf Diät gewesen sind.”

Nicht immer kann man desorientierte Jungvögel retten, die sich auf den Weg zum Meer machen und stattdessen in Downtown Heimaey in Öllachen landen. Für Erpur ist die Ölverunreinigung im Hafen besorgniserregend.

Das bleibt lange dort, und der Hafen ist lang und schmal, wenn da irgendwas reinkommt, dann bleibt das da für lange Zeit. Die Lage ist nicht gut und ich denke, da muss was unternommen werden.”

Freiwillige Helfer beim Naturkundeinstitut kümmern sich um die Reinigung der ölverschmierten Vögel.

Erpur ist dennoch mit der Brutsaison zufrieden. “Das sieht nach einem guten Jahr aus, zum ersten Mal nach zehn Jahren,” sagte er Iceland Review gegenüber.