Papageitaucher brüten wie lange nicht mehr

Neusten Zählungen bei den Papageitauchern in Island zufolge wird 2019 das beste Brutjahr, seit vor zehn Jahren die Zählungen begonnen hatten, berichtet mbl.is. Das Magazin zitiert das Naturkundinstitut Suðurlands, dass an vier Orten kontrolliert worden sei.

Die letzte Zählrunde war am 15. Juli veranstaltet worden. In Akurey im Kollafjörður waren 79 Prozent aller Nester bewohnt, 85 Prozent wiesen Gelege auf, 67 Prozent der Küken geschlüpft. Die Elterntiere kamen mit Sandaal und Fischbrut. Der gewachsene Bestand des Sandaals liess die Papageitaucherküken gedeihen und macht Hoffnung, dass auch in Selvogur der Bestand sich erholt.

Am Ingólfshöfði waren 70 Prozent aller Nester bewohnt, 74 Prozent wiesen Gelege auf, geschlüpft waren 51 Prozent der Küken. Im vergangenen Jahr waren dort nur 43 Prozent aller Nester genutzt worden.

In Papey wurden 77 Prozent der Nester aufgesucht, 88 Prozent hatten Gelege und 68 Prozent der Küken waren geschlüpft. Auch hier brachten die Elterntiere Fischbrut, zumeist vom Sandaal.

In Hafnarhólmi im Borgarfjörður eystra wurden 86 Prozent aller Nester genutzt, 77 Prozent wiesen Gelege auf und 67 Prozent der Küken schlüpften. Dort wurden mehr Papageitaucher als je zuvor gesichtet.

In Lundey im Skjálfandi zählte man 78 Prozent genutzter Nester, 80 Prozent Gelege und 63 Prozent geschlüpfter Küken.

In Grímsey wurden 87 Prozent genutzter Nester gezählt, 89 Prozent Gelege und 77 Prozent geschlüpfter Küken. Auch hier brachten die Elterntiere Sandaal. In Drangey zählte man 87 Prozent genutzter Nester, 90 Prozent Gelege und 78 Prozent geschlüpfte Küken. Auf der Insel gab es sehr viele der Vögel. In Ellidaey im Breiðafjörður wurden 83 Prozent genutzter Nester gezählt, 63 Prozent Gelege und 52 Prozent geschlüpfte Brut. Hier brachten die Elterntiere nicht nur Sandaal, sondern auch anderes Futter.

Auf den Westmännerinseln ist die Nestnutzung so hoch wie zuletzt im Jahr 2007 gezählt worden, oder 78 Prozent. Der Biologe Erpur Snær Hansen hält es jedoch für verfrüht, sich über eine Erholung der bedrohten Art zu freuen, erst müsse man sehen, ob die Küken auch alle genügend Futter bekommen, um wachsen zu können.

Der Papageitaucher steht in der Liste im Washingtoner Artenschutzabkommen CITES auf der roten Liste als bedrohte Art, steht in Island jedoch nicht unter Schutz. Für die Jagd im Herbst gibt es Quoten, das Fleisch der Vögel ist eine beliebte Delikatesse, die nicht zuletzt von Touristen konsumiert wird. In den vergangenen Jahren war der Bestand durch Ausbleiben des Sandaals und daraus resultierenden Futtermangel stark zurückgegangen.

Sorge bereitet unterdes eine Nachricht aus der britischen Tageszeitung The Independant, dass in Grossbritannien Jäger Rekordsummen zahlen, um auf einen Jagdtrip nach Island gehen zu können, wo ihnen angeboten wird, 100 Vögel auf einmal als Trophäen zu schiessen und die toten Vögel in ihr Heimatland zu importieren. In Grossbritannien steht der Papageitaucher unter strengem Schutz.

 

Geplanter neuer Nationalpark im Hochland stösst auf Protest

Energieunternehmen und einige Gemeinden protestieren energisch gegen einen neuen Vorschlag, den Naturschutz im isländischen Hochland auszuweiten, berichtet RÚV.

Das Ministerium für Umwelt und Resourcen hatte vorgeschlagen, dass ein neuer und vergrösserter Nationalpark den bereits bestehenden Nationalpark Vatnajökull (Europas grösster Nationalpark), sowie 85 Prozent des zentralen Hochlands umfassen soll.

Im April vergangenen Jahres hatte das Ministerium einen Ausschuss gebildet, welcher aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie Vertretern des isländischen Gemeindeverbandes besteht. Nach Einschätzung des Ausschusses würde eine Ausweitung der Grenzen des geschützten Gebietes in keinster Form den neuen Status des Vatnajökull Nationalparks als Bestandteil des Wetkulturerbes behindern.

Der Vorschlag auf samráðsgatt.is kann noch bis zum 13. August öffentlich kommentiert werden.

Auch wenn der isländische Gemeindeverband an der Erarbeitung des Vorschlags beteiligt war, sind viele Gemeinden als Grenzanrainer zum Nationalpark der Ansicht, dass sie nicht angemessen konsultiert worden sind.

Ásta Stefánsdóttir, die Gemeindevorsteherin von Bláskógabyggð in Südisland, sagt, es sei Aufgabe der Arbeitsgruppe, Vorschläge zum neuen Nationalpark zu machen, aber nicht die Vor- und Nachteile eines solchen abzuwägen. Ihre Gemeinde findet, diese Arbeit müsse erst noch kommen. Der aktuelle Vorschlag sei ein Eingriff in die Grenzpolitik von Gemeinden.

Es gibt grosse Gebiete im Hochland, die innerhalb des Bláskógabyggð liegen, und Bauern und Einwohner haben eine Menge Arbeit darin investiert, Land urbar zu machen, zum Beispiel, indem sie Reitwege ausgewiesen haben und den Verkehr dort hin lenken etc., und damit sicherstellen, dass die Leute keine empfindlichen Regionen betreten und ähnliches. Die Leute sind besorgt, weil wenn da eine Art zentralisierte Behörde, eine Art Regierungsbehörde, das alles kontrolliert, dass dies in gewisser Weise die freiwillige Arbeit beschneidet, die die Leute geleistet haben.”

Von Landeigentümern Bauern und anderen Landnutzern sind nach Aussage von Ausschussvorsitzendem Óli Harðarsson bereits eine Vielzahl von Anmerkungen und Kritikpunkten eingegangen, schreibt RÚV.

Dem Regionalblatt dfs.is war in der vergangenen Woche in einer Ankündigung der obersten Planungsbehörde zu entnehmen, dass in der Gemeinde Hrunamannahreppur (im Süden des geplanten grossen Nationalparks) 11 alte und bestehende Wander- und Viehtreiberhütten bis hin zum Naturschutzgebiet Þjórsárver unterhalb des Hofsjökull für einen touristischen Ausbau angedacht sind.

Im Bláskógabyggð befinden sich sechs solcher Hütten bereits in der Planungsphase. Für den gesamten Bereich würden diese 17 Hütten etwa 500 Übernachtungsplätze samt infrastrukturellem Ausbau im geplanten Nationalpark schaffen.

Kritik und Anmerkungen dazu können noch bis zum 14. August (für die 11 Hütten), sowie bis zum 4. September (für die sechs Hütten) an die zuständige Planungsbehörde eingereicht werden.

Doch nicht nur Einheimische sehen die Ausweitung des Nationalparks kritisch. Auch Energieunternehmen haben ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Samorka, der Verband der Energieversorger in Island, sagt, dass mit neuen Schutzmassnahmen sämtliche neue Generationen an Energieformen und Energietransport in so gut wie dem halben Land untersagt würden. Damit wären derzeitige Gesetze zum Schutz der Energiegewinnung irrelevant.

Der nationale Energiekonzern Landsvirkjun betonte, es sei wichtig dass alle Kraftwerke auserhalb der geschützten Bereiche zu liegen kämen. Die Nutzung der Energieresourcen im Hochland hätten grosse wirtschaftliche Bedeutung für das ganze Land. Im Hochland produzierte erneuerbare Energie stelle nicht nur die Grundlage für die isländische Wirtschaft sondern auch für die heutige Lebensqualität dar.

Einer Befragung aus dem Jahr 2018 nach sprachen sich 63 Prozent aller Isländer für die Schaffung eines ausgeweiteten Nationalparks im zentralen Hochland aus, berichtete RÚV im vergangenen Jahr. 75 Prozent der Befürworter waren der Ansicht, dass ein Nationalpark im zentralen Hochland Orte schützen würde, die bislang keinen Schutz geniessen, 68 Prozent waren der Ansicht, ein solcher Nationalpark würde das Verständnis für den Wert der Region steigern.

Auch 9000 Touristen waren für diese Statistik befragt worden, 300 von ihnen hatten ein Interview gegeben. Aus diesen Daten ging hervor, dass die Touristen bei der Attraktion “Hochland” vor allem die einzigartige und kaum berührte Natur, die Einfachheit, Stille und die Menschenleere schätzten.