Auf der Suche nach dem ersten Tätowierer Islands

Wer war wohl der erste Tatoo-Künstler in Island? Diese Frage versucht der Reykjavíker Tatoo-Künstler Fjölnir Geir Bragason immer noch zu beantworten.

Einst gelangte Fjölnir in den Besitz von Tatoo-Zubehör, welches ganz offenbar einem Künstler gehörte, der Soldaten in Island tätowiert hatte. Er hofft nun endlich, eine Antwort darauf zu finden und hat einen Finderlohn ausgeschrieben, berichtet RÚV.

Wir dachten, dass Helgi Aðalsteinsson – der grosse “Helgi Tattú – der erste seiner Art in Island war, aber das hat sich als falsch herausgestellt.”

Unter anderem erhielt Fjölnir auf privatem Wege nicht nur chirurgische Instrumente, die beim Tätowieren benutzt werden, sondern auch sogenannte flashs, also Vorgaben, die Kunden sich aussuchen, ohne den Tätowierer vorher besucht zu haben.

Eins dieser flashs hat einen Stempel auf der Rückseite, auf dem “Indigo Base Command” zu lesen steht. Indigo, so hat Fjölnir gelernt, war einmal der Codename für Island. “Das hätte überall sein können, aber am wahrscheinlichsten waren sie im Hvalfjörður.” Dort hatte es während des zweiten Weltkrieges eine britische Militärstation gegeben.

Fjölnir suchte daraufhin die Hilfe von Friðþór Eydal, dem ehemaligen Archivar der Iceland Defense Force. “Er sandte mir einen Artikel aus The White Falcon, einer Publikation für die Stationierten in dem Camp,” erklärt Fjölnir.

In dem Artikel wird versucht, den Soldaten die Idee eines Tatoos auszureden, weil Tatoos geschmacklos und auch altmodisch seien. Aber, so sagt Fjölnir, dies zeige ja nur, wie populär die Hautmalereien zu dieser Zeit gewesen sein müssen. “Dieser Kerl muss viel zu tun gehabt haben, soviel, dass sie versucht haben, die Zahlen der Soldaten, die sich tätowieren liessen, zu reduzieren.”

Die alten flashs scheinen auch zu zeigen, dass es nicht nur ausländische Soldaten waren, die sich von dem unbekannten Künstler tätowieren liessen. Die Preise sind sowohl in Kronen als auch in Dollars aufgeführt.

Ein flash mit Totenschädel und der Zahl 13 etwa kostete 10 Dollar, ein Frauengesicht in einem roten Herz war schon für 2,25 Dollar zu haben.

Fjölnir hofft, dass es nicht zu spät ist, jemanden zu finden, der sich an irgendwas rund um diese undokumentierten Tatoos in Island erinnert.

Als Finderlohn für jegliche brauchbare Information hat er sich etwas passendes ausgedacht: ein Tatoo aus einem flash aus der Sammlung des unbekannten Künstlers, welches er gratis selber stechen will.