Hengste in Grabhügeln der Wikinger

Eine neue Methode der Erbgutbestimmung bringt Licht ins Dunkel von Bestattungsriten im frischbesiedelten Island, als Pferde mit ihrem Besitzer zusammen bestattet wurden, berichtet bbl.is
In Island sind 350 Grabhügel gefunden worden, die allermeisten stammen aus dem 10. Jahrhundert.

Man geht davon aus, dass um das Jahr 930 herum etwa 9000 Menschen die Insel bewohnten. Es waren also nur bestimmte Personen, die mit Grabbeigaben in einem Grabhügel bestattet wurden. Die Grabbeigaben und Tiere, die mit dem Verstorbenen in die Erde gelegt wurden, hinterlassen wichtige Informationen über die Gesellschaft, die sich in Island nach der Besiedelung entwickelte.

In einem Artikel, der gerade im Journal of Archaeological Science veröffentlicht wurde, heisst es, dass Pferde die häufigste Grabbeigabe in isländischen Hügelgräbern waren. Die meisten dieser Gräber sind vor 50 bis 100 Jahren bei Strassenbauarbeiten und anderen Bauvorhaben gefunden worden. Oft wurden sie bei den Arbeiten beschädigt und nicht von Archäologen untersucht. Daher sind dem Nationalmueum nur wenige Pferdeknochen aus diesen Gräbern erhalten geblieben.

Die Verwendung von männlichen Pferden als Grabbeigabe ist auch aus anderen Zeiten und Kulturen bekannt, bei den isländischen Funden stand ein zweifelsfreier Nachweis des Geschlechtes jedoch aus.

Für die Geschlechtsbestimmung eines Pferdes anhand eines Knochens benötigt man entweder einen gut erhaltenen Beckenknochen oder einen Hengstzahn, der jedoch nur bei wenigen Stuten im Gebiss vorhanden ist. Die herkömmlichen Methoden zur Geschlechtsbestimmung der in den isländischen Grabhügeln gefundenen Pferdeknochen haben sich als nur bedingt brauchbar erwiesen, weil die Knochenfunde in keinem guten Zustand waren.

Anhand einer neuen archäologischen DNA-Bestimmung in den Zähnen von 19 Pferden aus der Wikingerzeit ist es nun gelungen, das Geschlecht der Tiere zu benennen. Von diesen 19 Pferden konnten 18 als Hengste identifiziert werden, ein Pferd war der aDNA nach eine Stute. Des weiteren konnte drei Knochenfunde, die nicht aus Gräbern stammten, geschlechtsbestimmt werden. Sie wurden in Granastaðir und in der Höhle Leynir auf der Halbinsel Snæfellsnes gefunden und stammen von drei Stuten. Die Forscher gehen davon aus, dass diese drei Stuten ihres Fleisches wegen geschlachtet worden sind. Der Studie nach heisst dies aber nicht, dass Stuten vornehmlich als Fleischlieferanten gedient hätten, vielmehr gebe es Hinweise darauf, dass vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Stuten wie Hengste und Wallache für alle Zwecke des täglichen Lebens genutzt wurden.