Illegale Hausschlachtung sollte Aufmerksamkeit erregen

Ende September sind auf dem Hof Birkihlíð im Skagafjörður Lämmer auf dem Hof geschlachtet und ihr Fleisch anschliessend auf einem regionalen Bauernmarkt verkauft worden, berichtet bbl.is. Die Unternehmung hatte in Zusammenarbeit mit Matís stattgefunden, einem staatlichem non-profit Unternehmen, welches auf dem Sektor Nahrungsmittelinnovation tätig ist.

Alle Vorgänge der Schlachtung waren nach Vorgaben erfolgt, welche Matís unlängst für ein neues Regelwerk zu Kleinstschlachtung vorgelegt hatte.

Das zum Verkauf angebotene Lammfleisch war speziell gekennzeichnet worden: “aus Kleinstschlachtung in Zusammenarbeit mit Matís”.

Der Verkauf des hausgeschlachteten Fleisches verstiess jedoch gegen geltendes isländisches Gesetz. Matís-Chef Sveinn Margeirsson argumentierte, er habe damit Aufmerksamkeit erregen wollen, dass auf dem Gebiet dringend Veränderungen notwendig seien.

In der vergangenen Woche rief nun die isländische Nahrungsmittelüberwachungsbehörde MAST das in Hofsós verkaufte Fleisch zurück, da die Schlachtung nicht in einem registrierten Schlachthaus und unter der Aufsicht eines offiziell bestallten Tierarztes erfolgt sei, berichtet feykir.is.

In einem Radiointerview mit Visir sagte Sveinn, es sei allgemein bekannt, dass in Island in beträchtlichem Umfang zuhause geschlachtet werde und dass dieses Fleisch nicht nur legal in der Familie verzehrt, sondern auch in Umlauf gebracht werde. Dies sei Steuerhinterziehung und habe dazu geführt, dass die Hausschlachtung einen negativen Beigeschmack bekommen habe. Durchaus mögliche Innovationen und Warenweiterentwicklungen blieben dadurch auf der Strecke. Es sei die Aufgabe von Matís, Innovation und Wertsteigerung der Waren voranzubringen.

Er kritisierte, dass es in Island keine wissenschaftlich fundierte Gefahrenanalyse zu hausgeschlachtetem Fleisch gebe, wie etwa in Deutschland, wo man Lämmer im Alter von bis zu drei Monaten ohne behördliche Kontrolle auf dem Hof schlachten darf. Sein Unternehmen stehe in engem Kontakt zu den deutschen Behörden, die solche Gefahrenanalysen erstellen.

Er finde, dass Island die europäischen Lebensmittelgesetze sehr eng interpretiere. Vielmehr müssten Bauern die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu helfen, jeder wisse, dass die wirtschaftliche Lage der Schafbauern nicht gut sei. Ein wiederholter Ruf nach Bestandsverkleinerung spiele nur in die Hände der Grossbauern.

Sveinn wünscht sich, dass ein Schafzüchter, der zuhause schlachtet, um selbst zu vermarkten, als sein eigener Kontrolleur fungiert und mit den staatlichen Kontrollorganen eng zusammenarbeitet. Es müsse jedoch zwingend auch ein Gefahrengutachten geben. Er fordert, dass das ganze System geändert wird, es gehe schliesslich nicht nur um die Bauern, sondern auch um den Kunden, Isländer wie ausländische Touristen, die ein verbessertes Angebot vorfinden könnten, wenn die Kleinstschlachtung legalisiert werde.

Für ein Lamm, welches über das Schlachthaus verkauft wird, erhalten Bauern derzeit um die 300 bis 350 Kronen pro Kilo, das sind etwa 6300 Kronen für ein 18 Kilo schweres Lamm. Möchte ein Landwirt sein Fleisch vom Schlachthof nach Hause holen, kommen 5500 Kronen Schlachtkosten auf ihn zu, wobei Innereien und Fell, beides durchaus wirtschaftlich nutzbar, einbehalten werden. Damit wird Fleisch welches offiziell und legal “ab Hof” vermarktet wird, unverhältnismässig teuer.

Gesetz erlaubt provisorische Lizenzen für Aquakultur

fish farming iceland

Das isländische Parlament hat in der vergangenen Mittwochnacht im Eilverfahren ein Gesetz verabschiedet, welches dem Ministerium für Fischerei erlaubt, provisorische Genehmigungen für Aquakulturunternehmugen zu erteilen, berichtet RÚV. Für die Vorlage stimmten 45 Abgeordnete, sechs enthielten sich der Stimme.

In der Woche zuvor hatte die isländische Umweltbehörde Betriebsgenehmigungen für die Unternehmen Arctic Sea Farm und Fjarðarlax zurückgezogen, beide Unternehmen betreiben Aquakultur in den Westfjorden im Umfang von 17,5000 Tonnen Fisch in offenen Meeresbehältern.

Naturschutzverbände und Landbesitzer hatten sich vehement öffentlich gegen die Betriebsgenehmigungen der beiden Unternehmen ausgesprochen und ihre Besorgnis wegen Umweltverschmutzung und der zunehmenden Ausbreitung von Zuchtlachsen in Angelflüssen im ganzen Land geäussert.

Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson sagte bei der Abstimmung, er sei dankbar für die schnelle Reaktion des Parlamentes auf eine Angelegenheit, die, wie er sich ausdrückte, “an einem toten Punkt angekommen ist. Mit der heutigen Vorlage des Parlamentes ist sie wieder belebt worden und nicht mehr länger ein Flaschenhals, sondern ein offener Weg, der uns die Möglichkeit gibt, das in Island weiter aufzubauen, auf der Basis einer transparenten und guten Führung.”

Die Abgeordneten die für das Gesetz stimmten, äusserten ihre Unterstützung für die strukturschwachen Gemeinden in den Westfjorden.

“Mit diesem Gesetz senden wir die Botschaft, dass Aquakultur in Island weiterhin vorangebracht wird,” sagte der Abgeordnete der Unabhängigkeitspartei, Teitur Björn Einarsson. Die Regierung setze sich für “Menschen, ihr Wohlergehen und Möglichkeiten für Selbsterhalt ein.”

Die Parlamentarier, die sich der Stimme enthielten, sagten, sie respektierten das Projekt, seien jedoch sehr unzufrieden mit dem Vorgang, sie hätten mehr Zeit zur Entscheidungsfindung gebraucht.

Sozialdemokrat Guðmundur Andri Thorsson enthielt sich der Stimme. Er drückte seine Enttäuschung darüber aus, wie die Angelegenheit behandelt worden sei, und auch über die Interventionsmöglichkeit, die das Gesetz vorsieht.

“Wir schulden es der isländischen Natur, uns selber, und der Zukunft, unser Bestes zu tun, nicht zuletzt, wenn es um Projekte geht, die tiefe Auswirkungen auf unser Land haben,” sagte er. Manchmal komme es ihm vor, als ob man in Island von Tag zu Tag improvisiere.

Einspurige Brücken sollen reduziert werden

Die Anzahl der einspurigen Brücken zwischen Islands Landeshauptstadt Reykjavík und der Gletscherlagune Jökulsárlón im Süden des Landes soll innerhalb der kommenden fünf Jahre von derzeit 14 Brücken auf acht schrumpfen, berichtet RÚV.

Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannson kündigte die Entscheidung an, nachdem die linksgrüne Parlamentarierin Heiða Guðný Ásgeirsdóttir eine offizielle Anfrage gestellt hatte.

Viele der touristischen Highlights liegen entlang der genannten Strecke und die Verkehrsdichte nimmt stetig zu. Im Fünfjahresverkehrswegeplan der Regierung sollen bis zum Jahr 2012 sechs einspurige Brücken entlang der Ringstrasse im Süden ersetzt werden.

Bis zum Jahr 2033 sollen dann auch die restlichen Brücken durch zweispurige Bauwerke ersetzt werden. Damit wären dann nur noch zwei einspurige Brücken auf dem Weg zur Gletscherlagune übrig: die 440 Meter lange Brücke über den Skeiðarásandur und die Brücke über die Jökulsá am Breiðamerkursandur, die 108 Meter misst. Beide Brücken haben Aussparungen für den Gegenverkehr, und beide liegen in einem Gebiet, wo jederzeit mit einem grossen Gletscherlauf gerechnet werden muss.

An einspurigen Brücken in Südisland hatten sich in den vergangenen Jahren tödliche Verkehrsunfälle ereignet.