Straftat von vor zwei Jahren noch nicht zur Klage gebracht

Fast zwei Jahre sind vergangen, seit eine etwa fünfzigjährige Frau bewusstlos und mit schweren Verletzungen nach einer Vergewaltigung und Prügeltat von den Westmännerinseln aus per Hubschrauber ins Universitätskrankenhaus gebracht worden ist. Bis heute ist es in der Angelegenheit nicht zur Anklage gekommen, berichtet RÚV.

Die Ermittlungen waren im Frühjahr wieder aufgenommen worden und sind nun abgeschlossen.

In der Nacht zum 17. September war die Frau nackt und bewusstlos in einem Vorgarten auf den Westmännerinseln aufgefunden worden. Ärztliche Untersuchungen ergaben, dass sie schwer am Kopf verletzt und unterkühlt war. Hätte man sie nicht gefunden, wäre sie wohl gestorben.

Kurz darauf war ein Mann um die Dreissig festgenommen worden, unter dem Verdacht, der Frau bestialische Gewalt angetan und sie vergewaltigt zu haben. Das Bezirksgericht des Südlandes hatte eine Untersuchungshaft für den Mann abgelehnt. Die Polizeichefin der Westmännerinseln, Páley Borgþórsdóttir hatte Sorge darüber geäussert, weil dies die Ermittlungsarbeiten erschwere. Der Oberste Gerichtshof verfügte schliesslich eine Untersuchungshaft für den Verdächtigen.

Das Opfer verliess das Land kurz nach dem Vorfall, und wie RÚV beschreibt, hatte die Polizei Schwierigkeiten, Kontakt mit der Frau aufzunehmen. Eine Zeugenaussage konnte man schliesslich im Sommer 2017 aufnehmen. Die polizeilichen Ermittlungen waren im Oktober 2017 beendet.

Der Fall ging zur Anklage und um die Jahreswende an die Bezirksstaatsanwaltschaft, welche ihn zur weiteren Untersuchung an die Polizei mit der Begründung zurückschickte, die Einschätzung eines externen Sachverständigen sei notwendig.

Auch diese Untersuchung konnte nun abgeschlossen werden, doch gibt es zur Stunde keine Information darüber, ob es zur Anklage kommen wird. Eine Verlängerung der Untersuchungshaft für den Verdächtigen war vom Bezirksgericht abgelehnt worden, er befindet sich demnach auf freiem Fuss.

Wie RÚV berichtet, liegen für die Tat mehrere Zeugenberichte sowie eine Videoaufnahme vor.

Kona fer í stríð für Preis des Nordischen Rates nominiert

Kona fer í stríð, der aktuelle Spielfilm von Benedikt Erlingsson um eine Frau, die sich mit dem Energieunternehmen anlegt, ist für den Filmpreis des Rates der Nordischen Länder nominiert worden, berichtet RÚV.

Der Film hatte bereits im Ausland Lorbeeren gesammelt, darunter grosses Lob bei den Filmfestspielen in Cannes.

Die Preisverleihung findet am 31. Oktober in Oslo statt. Preise werden in den Kategorien Film, Literatur, Kinder- und Jugendliteratur, sowie Musik verliehen.

In der Kategorie Spielfilm muss der Beitrag eine kulturelle Bedeutung haben, in den nordischen Ländern produziert worden sei, volle Spielfilmlänge haben und in Kinos gezeigt werden können. Beiträge aus Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Island sind nominiert, für jedes Land steht eine dreiköpfige Jury bereit. Das Preisgeld beträgt für jede Kategorie 350.000 dänische Kronen.

Details zu den anderen Einsendungen gibt es hier.

Walfänger töten tragende Walkuh

Die Walschutzorganisatzion Hard to Port hat gestern Bildmaterial eines getöteten Walweibchens, dem ein ungeborenes Kalb aus dem Leib gezogen wurde, im Internet veröffentlicht. Das Finnwalweibchen, eines von 160 zur Jagd freigegebenen Tieren, war in der Walfangstation im Hvalfjörður auseinandergenommen worden.

Wie Vísir berichtet, ist es normal, dass Finnwalweibchen, die hierzulande gejagt werden, sich oft im letzten Drittel ihrer Trächtigkeit befinden. Der isländische Tierschutzbund hält es für abnormal, dass im Walfang derart vorgegangen werde.

Fotos der Walschutzorganisation zeigen, wie drei Männer das Kalb aus dem geöffneten Muttertier ziehen.

Gísli Arnór Víkingsson, ein Experte beim isländischen Marineforschungsinstitut, sagte Vísir gegenüber, es sei üblich, dass tragende Wale von den Jagdschiffen geschossen werden.

“Das ist eine Art Regel, dass Finnwale jedes zweite Jahr ein Kalb bekommen. Die Kälber kommen um die Jahreswende zur Welt, um die Mitte des Jahres entwöhnt die Mutter ihr Kalb.” erklärt der Marinefachmann. “Es ist hierzulande verboten, eine Kuh mit säugendem Kalb zu erschiessen, und recht normal dass die Kühe mit Geschlechtsreife auch tragend sind.” Die Jagd auf Finnwale hatte im Juni begonnen, 160 Tiere dürfen gejagt werden. Das Gesetz verbietet es, Walkälber und Walkühe mit säugendem Kalb zu jagen.

Der Tierschutzbund spricht sich gegen die Jagd aus und bezeichnete sie als unverantwortlich.

“Das kann doch nicht normal sein, dass trächtige Kühe erschossen werden, das wäre beispielsweise niemals bei der Rentierjagd gestattet,” entrüstet sich Hallgerður Hauksdóttir, die Vorsitzende des isländischen Tierschutzbundes.

“Zunächst einmal sind die Waljagden, wie sie hierzulande betrieben werden, nicht vertretbar in Anbetracht der Tatsache, dass man den Tod des Tieres durch das Abschiessen nicht garantieren kann. Ich habe auf den Unwillen des Ministers hingewiesen, eine Studie zur Länge des Todeskampfes eines Wales zu veröffentlichen. Das ist schwerwiegend, dass das nicht veröffentlicht wird. Hier geht es um ein Säugetier und Warmblüter, und es ist aufgezeigt worden, dass Tiere über Verstand und Sinne verfügen wie alle anderen Säugetiere. Diese Jagden sind nicht zu rechtfertigen.”

Die von Hallgerður angesprochene Studie [wie lange ein geschossener Wal sich im Todeskampf befindet,] war im Jahr 2013 von einem norwegischen Wissenschaftler an Bord eines isländischen Walfangschiffes angefertigt worden.

Der damalige Fischerei- und Landwirtschaftsminister Sigurður Ingi Jóhannsson hatte auf eine parlamentarische Anfrage des damaligen Mitglieds der Linksgrünen und heutigen Premierministerin Katrín Jakobsdóttir im Jahr 2014 geantwortet, die Ergebnisse der Studie würden geheimgehalten.

Ein Foto des ungeborenen Kalbes sowie einer Harpunenspitze finden sich im Nachrichtenlink.

Vor einigen Wochen war das isländische Walfangunternehmen in die negativen Schlagzeilen geraten, weil eine eher seltene Kreuzung aus Blauwal und Finnwal an Land gezogen worden war. Während der Blauwal zu den geschützten Arten gehört, dürfen Hybridexemplare in Island gejagt werden.

Ein Grossteil des Walfleisches wird nach Japan exportiert, obwohl sich aufgrund internationaler Proteste von Walfanggegnern und Hafensperrungen etwa in Südafrika der Transport des Fleisches als schwierig erwiesen hat.

Kunden des britischen Tourismusunternehmens Discover the World haben bereits Konsequenzen angedroht. Seit 35 Jahren bringt das Unternehmen Vogelliebhaber ins Land, allein im vergangenen Jahr waren 14.000 britische Touristen mit Discover the World nach Island gereist. Wie Geschäftsführer Clive Stacey mbl.is gegenüber angab, habe man bemerkt, dass eine beachtlich grosse Gruppe von Leuten in die Agenturniederlassungen gekommen sei und geäussert habe, man würde wirklich gerne nach Island reisen, werde das aber nicht tun, bevor der Walfang nicht beendet werde.

Geringere Rückfallquote bei isländischen Gefangenen

In keinem anderen der nordischen Länder werden Ex-Gefangene seltener erneut inhaftiert als in Island, berichtet RÚV. Die Daten stammen aus einer aktuellen Studie, welche den Zeitraum der Jahre 2012 bis 2016 betrachtet.

Der Studie zufolge werden in Dänemark, Schweden und Finnland etwa 35 Prozent aller Ex-Häftlinge innerhalb von zwei Jahren wieder in Haft genommen. In Island lag die Zahl bei 20 Prozent. Zahlen aus Norwegen waren nicht verfügbar.

Páll Winkel, der Direktor der isländischen Haftanstalten, bringt den relativen Erfolg mit der gezielten Wiedereingliederungspolitik der isländischen Regierung in Verbindung. “Früher sind die Leute in eine geschlossene Anstalt eingewiesen worden, wo jeder seine Haft absitzt und auf Bewährung freigelassen wurde. Heute haben wir ein geschlossenes Gefängnis, wo die Leute ihre Strafe absitzen, dann gehen sie in den offenen Vollzug, von dortaus in ein noch etwas weiter geöffnetes Haus, von dort aus in die elektronische Überwachung bei sich zuhause, mit einem Knöchelband.”

Seiner Ansicht nach beweist die Studie, dass die isländische Vorgehensweise die Wahrscheinlichkeit eines kriminellen Rückfalls vermindert.

“Es zeigt uns, dass das Wegsperren von Leuten über einen langen Zeitraum in einem geschlossenen Gefängnis, ohne ihnen Unterstützung zu gewähren oder sie in die Lage zu versetzen, besser mit dem Leben klar zu kommen, wenn sie entlassen werden, einfach nicht funktioniert. Es zeigt, dass die Chancen [nicht wieder eingewiesen zu werden] umso grösser sind, je mehr Unterstützungg sie erhalten und je mehr sie Schritt für Schritt entlassen werden.”

Winkel bezeichnete es als besonders, dass etwa 50 Prozent der Insassen isländischer Gefängnisse wegen Sexualstraftaten oder Rauschgiftdelikten inhaftiert worden seien. Zufrieden äusserte er sich darüber, dass der Anteil an ausländischen Gefangenen in Island um 20 Prozent gefallen sei.