
Der finanzpolitische Ausschuss der Isländischen Zentralbank hat sich entschlossen, den Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent anzuheben.
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Früher haben die Isländer melgresi, den „Strandhafer“, zu Mehl und Grütze verarbeitet. Heute wird er zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und soll im Mündungsgebiet der Gletscherflüsse Jökulsá á dal und Lagarfljót den Treibsand befestigen.
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Vier Grundschulklassen erlebten anlässlich der Leipziger Messe die Geschichte von Maximus Musikus, der zufällig in einen Orchesterraum gerät und sich von der Musik verzaubern lässt. Klicken Sie auf das Bild um die Diaschau zu sehen.
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Gunnur ist eine erfolgreiche Psychotherapeutin. Zuhören und Helfen ist ihr ein Grundbedürfnis, diszipliniertes Arbeiten hat sie von Kindesbeinen an gelernt. Ihre Kinder sind längst erwachsen, der Sohn aus erster Ehe lebt in Schweden, die Tochter mit den Enkelkindern in Amerika. Ab und an begleitet Gunnur ihren Mann, einen Dokumentarfilmer, auf seinen Reisen.
Doch irgendetwas stimmt nicht. Ein überraschender Kreislaufkollaps an der chinesischen Mauer. Erst ist es nur ein diffuses Unwohlsein, dann erfolgt ein regelrechter Einbruch in Gunnurs Leben.
„Sterneneis“, der neue Roman von Kristín Marja Baldursdóttir beginnt damit, dass Gunnur an einem Wintermorgen erwacht und der Fernseher weg ist. Der unbemerkt verübte nächtliche Einbruch aktiviert existenzielle Ängste und die zwanghafte Vorstellung, nun sei das eigene Heim unwiderruflich von Fremden beschmutzt. Zu allem Überfluss bekommt Gunnur übers Wochenende eine vierzehnjährige „Rotzgöre“ aufgedrückt, die die erfahrene Seelenärztin an ihre Grenzen bringt.
Sie flüchtet mit dem Mädchen Hugrún Lind, das sie in Gedanken nur hind, „Reh“ nennt, aus ihrer kontaminierten Wohnung in ihr Sommerhaus in Südisland, das nun zum Winterhaus wird. Handy und Laptop haben die Gangster mitgehen lassen, das DVD-Gerät im Winterhaus ist defekt und das Fernsehprogramm findet das Reh unspannend. Es will unterhalten werden.
Kristín Marja erzählt in der Ichform aus der Perspektive von Gunnur, die sich vorgenommen hat, der pubertierenden und ziemlich vernachlässigten Tochter ihrer Innenarchitektin, wenn sie schon ein Wochenende mit ihr verbringen muss, etwas Manieren und Kulturtechniken beizubringen. Doch sie hat das Mädchen unterschätzt. „Der Ball kommt immer wieder zurück“, sagt Gunnur und das gilt auch für ihren eigenen, zum Teil ziemlich respektlosen Umgang mit dem Mädchen.
Doch Gunnur nimmt das Reh auch mit auf Ausflüge in das Haus ihrer Kindheit – Gedankenreisen, die oft in der Psychotherapie eingesetzt werden. Mich stört, dass Gunnur, die ganz offensichtlich als Psychotherapeutin arbeitet, in der Übersetzung als Psychiaterin bezeichnet wird. Denn eine Psychiaterin in Deutschland ist Medizinerin und behandelt medikamentös. Erst eine mehrjährige Zusatzausbildung macht Psychiater – ebenso wie Psychologen – zu Psychotherapeuten.
Die Autorin. Foto: bv.
Dem Roman ist der Hinweis vorangestellt, es würden Ausschnitte aus der Erfahrungs- und Entwicklungsgeschichte von Frauen erzählt: „Männer lesen diese Zeilen auf eigene Verantwortung.“ Dies ist, sagt Kristín Marja, ein Missverständnis bei der Übersetzung. Die „Warnung“ richte sich an alle Leserinnen und Leser.
Dieser humorvolle Verbraucherhinweis hat sicherlich einen ernsten Hintergrund. Viele isländische Autoren empfinden Verantwortung für die Entwicklung ihres Volkes. Und so ist auch Kristín Marja eine Kritikerin und Mahnerin. Sie lässt beispielsweise ihre Protagonistin Gunnur darüber nachdenken, dass man die Internetgeneration nicht mehr einfach so sorglos sich selbst überlassen kann wie früher:
„Die Isländer haben noch nie ein besonderes Interesse an Kindern gehabt ... die meiste Zeit ist die Nation unfähig, wenn es um die Kindererziehung geht, sie hat die Erziehung schon immer dem Heuen oder der Fischerei gleichgestellt, sich darauf verlassen, dass sich das schon von alleine ergeben würde, wenn nur das Wetter gut bliebe.“
Sumpfohreule aus der Vogelbeobachtungskarte Fuglakort Íslands.
Moderne Technologien und die Vernetzung mit der Welt bergen die Gefahr, dass die Verbindung zu Vergangenheit und Geschichte abreißt. Was älteren Isländern geläufig ist, kennt die junge Generation nicht mehr. Kristín Marja lässt Gunnur viele Zusammenhänge erklären. Wir deutschen Leser profitieren davon.
Die isländische Krise, die über der ganzen Nation hereingebrochen ist, nationale Identität, Rollenbilder, Mythologie, die notwendige Balance zwischen Tradition und Moderne – all dies schwingt in dem vielschichtigen Roman mit – ausgesprochen oder zwischen den Zeilen.
„Sterneneis“ ist keine Unterhaltungslektüre und erfordert hohe Aufmerksamkeit. Wenn man zu schnell oder zu unkonzentriert liest, kann es passieren: Man findet eine Passage zu belehrend, man überliest eine subtil ironische Stelle und ist am Ende durch Vogelgezwitscher verwirrt.
„Sterneneis“ ist ein Entwicklungsroman. Der Schnellkurs für das unerzogene Kind zieht Gunnur selbst in die eigenen Tiefen – die reife, erfahrene Frau wird noch einmal ins kalte Wasser geworfen. Denn alles psychologische Wissen schützt nicht vor den Strudeln der eigenen Seele, und Gunnurs Kampf für Frauenemanzipation hat den Konflikt mit ihrer eigenen Mutter nicht gelöst.
Das Element Wasser spielt eine große Rolle. Es entzieht sich dem Versuch, alles zwanghaft unter Kontrolle behalten zu wollen, es erfordert Hingabe und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, es reinigt und klärt.
Und wenn die Sumpfohreule über dem Weiher kreist, aktiviert sie Erinnerungen, löst dramatische Ereignisse aus und wird Symbol und Teil eines spannungsreichen Theaterstückes mit offenem Ende.
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net
Kristín Marja Baldursdóttir: Sterneneis.
Aus dem Isländischen von Ursula Giger.
Krüger Verlag, 224 Seiten, 16,95 Euro
Auf den Seiten von Sagenhaftes Island finden Sie Näheres über Autorin und Werk, ein Interview und den Bericht über die Verleihung des Jónas-Hallgrímsson-Preises an Kristín Marja Baldursdóttir.