
Der finanzpolitische Ausschuss der Isländischen Zentralbank hat sich entschlossen, den Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent anzuheben.
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Früher haben die Isländer melgresi, den „Strandhafer“, zu Mehl und Grütze verarbeitet. Heute wird er zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und soll im Mündungsgebiet der Gletscherflüsse Jökulsá á dal und Lagarfljót den Treibsand befestigen.
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Vier Grundschulklassen erlebten anlässlich der Leipziger Messe die Geschichte von Maximus Musikus, der zufällig in einen Orchesterraum gerät und sich von der Musik verzaubern lässt. Klicken Sie auf das Bild um die Diaschau zu sehen.
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Die Leipziger Buchmesse ist eine Publikumsmesse und zählte dieses Jahr 162.000 Besucher. Das sind mehr als die Hälfte der Einwohner Islands. Wie fühlen sich die isländischen Schriftsteller nach vier Messetagen?
„Ein Künstler lebt immer in zwei Welten. Wenn er sich zu sehr mit der äusseren Welt beschäftigt, verliert er den Kontakt zu seiner Kreativität,“ sagt Kristín Marja Baldursdóttir und bezieht die Aussage sicherlich nicht nur auf ihre Protagonistin, die Künstlerin Karítas.
Krístin Marja Baldursdóttir und Halldór Gudmundsson, Direktor von Sagenhaftes Island. Foto: bv.
Einige Zuhörer, die keinen Platz mehr zur Lesung gefunden haben, schirmen das Nordische Forum etwas gegen den Strom der vorbeiziehenden Messebesucher ab. Gedämpfte Musik dringt herüber, doch andere Autoren müssen gegen viel höhere Lärmquellen anreden und -lesen.
Kristín Marja Baldursdóttir ist in Deutschland keine Unbekannte und das verdanken wir und sie einem Zufall. „Zuerst wollte niemand mein Buch haben“; berichtete sie in einem Interview mit Sagenhaftes Island. „Aber durch einen glücklichen Umstand fiel es in die Hände einer deutschen Journalistin, die es weiter empfahl, wodurch die Dinge in Bewegung gerieten.“
Es begann mit „Mövengelächter“, einem erfolgreichen Roman, der in Island verfilmt wurde. Ihre letzten in Deutschland erschienenen Bücher, „Die Eismalerin“ und „Die Farben der Insel“ erzählen von der Künstlerin Karítas und ihrem Kampf um Eigenständigkeit und Anerkennung – eine zweibändige Saga, die fast das ganze 20. Jahrhundert umspannt.
„Die Farben der Insel“ heisst im Original „Óreida á striga“ (Chaos auf der Leinwand). Baldursdóttir erzählt darin – anders als bei der „Eismalerin“ – in der ersten Person. „Karítas ist philosophischer geworden“, begründet sie die veränderte Perspektive.
Im Wechsel mit Halldór Gudmundsson trug sie auf der Leipziger Buchmesse Passagen aus dem Buch vor. Karítas lebt alleine in dem Dorf Eyrarbakki in Südisland, ihr Mann Sigmar kommt zu Besuch und möchte ihre Bilder sehen...
Wie die anderen vier Romane werden auch „Die Farben der Insel“ im Herbst als Taschenbuch im Krüger Verlag erscheinen. Und wir können auf ein neues Buch der Autorin gespannt sein. „Karlsvaginn“ (Der grosse Wagen) wird auf deutsch sicher wieder etwas mit „Eis“ heissen, vermutete die Autorin. Und tatsächlich: In der neuesten Neuerscheinungsliste von Sagenhaftes Island steht „Sterneneis“.
Auch in diesem Buch geht es um Frauen, die sich behaupten müssen. Eine Psychiaterin verbringt ein paar Wintertage mit einem chaotischen junges Mädchen in einem abgelegenen Ferienhaus und unterhält es mit Geschichten über sieben Frauen. „Karlsvaginn“ ist 2009 in Island erschienen und nimmt den gegenwärtigen Zustand der isländischen Gesellschaft unter die Lupe.
Einar Kárason und sein Übersetzer Kristof Magnusson. Foto: bv.
Einar Kárason hat ebenfalls die Gegenwart im Blick, wenn er Ereignisse aus dem 13. Jahrhundert aufgreift. „Es liegen nur 25 Generationen zwischen uns und ihnen“, argumentiert er. „Ihre Mentalität, ihr Gefühlsleben, ihr Humor unterscheiden sich nicht von unserem.“
Am Arte-Stand berichtete er über seinen gerade erschienenen Roman „Versöhnung und Groll“. Kárason sprach isländisch, da sein Deutsch am ersten Messetag – wie er meint – noch etwas „eingerostet“ war. Der deutsch-isländische Autor Kristof Magnusson dolmetschte und las aus „Versöhnung und Groll“, das er übersetzt hat.
Auch in diesem Buch gibt es starke Frauenfiguren, die beim Hahnenkampf und Gemetzel der Männer versuchen, Überblick und Klarheit zu bewahren.
Aufmerksame Zuhörer am Arte-Stand. Foto: bv.
Die Zahl der Zuhörer, die auf der Leipziger Messe etwas über das literarische Island erfahren wollten, schien mit jeder Lesung zu wachsen – tatsächlich war es die Grösse des Raums, die dem Ansturm Grenzen setzte.
Im Berliner Zimmer stellte Thomas Böhm, der Programmleiter Literatur von Sagenhaftes Island, einen bereits 1955 in Island erschienenen Roman vor. Hierzulande kennt kaum jemand den Schriftsteller Indridi G. Thorsteinsson, der im Jahr 2000 verstorben ist, viele jedoch seinen Sohn, den erfolgreichen Krimi-Autor Arnaldur Indridason.
Thorsteinsson arbeitete von 1945 bis 1951 als Kraftfahrer. Dann begann er als Redakteur bei Timinn, der Zeitung der Bauernpartei, deren Chefredakteur er 1962 wurde.
Sein erster Roman „Taxi 79 ab Station“ ist nun, übersetzt von Betty Wahl, bei Transit erschienen, dem engagierten Buchverlag aus Berlin-Kreuzberg, der gerade den Kurt-Wolff-Preis, einen Förderpreis für Kleinverlage, erhalten hat.
Das Buch erzählt von den Umbrüchen in Island in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Schauspieler Joachim Król las aus dem Anfang des Romans. Der Taxifahrer Ragnar fährt einen betrunkenen amerikanischen Soldaten zurück zum Luftwaffenstützpunkt Keflavík. Auf der Rückfahrt verfolgt er ein anderes Fahrzeug – der Beginn einer turbulenten Liebesgeschichte.
Thomas Böhm und Joachim Król. Foto: bv.
„Da ist kein Gramm Fett dran“, schwärmte Thomas Böhm und Joachim Król bestätigte, dass das Buch durch seine genaue Beobachtung besticht und sich eins zu eins filmisch umsetzen lässt.
Verfilmt wurde „79 af stödinni“ bereits im Jahre 1962. Der Film schockierte durch die erste Nacktszene im isländischen Kino. Drei mitspielende amerikanische Soldaten wurden verhört und zwei mussten Island verlassen, da der Film ein nicht gerade vorteilhaftes Bild der stationierten US-Truppe vermittelte.
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net
Hier finden Sie einen Bericht über die Pressekonferenz von Sagenhaftes Island auf der Leipziger Buchmesse und hier eine Besprechung von Einar Kárasons „Versöhnung und Groll“.