
Der finanzpolitische Ausschuss der Isländischen Zentralbank hat sich entschlossen, den Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent anzuheben.
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Früher haben die Isländer melgresi, den „Strandhafer“, zu Mehl und Grütze verarbeitet. Heute wird er zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und soll im Mündungsgebiet der Gletscherflüsse Jökulsá á dal und Lagarfljót den Treibsand befestigen.
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Vier Grundschulklassen erlebten anlässlich der Leipziger Messe die Geschichte von Maximus Musikus, der zufällig in einen Orchesterraum gerät und sich von der Musik verzaubern lässt. Klicken Sie auf das Bild um die Diaschau zu sehen.
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Nach ein paar Wochen Landleben auf Island begebe ich mich ganz gern wieder in kulturelle Gefilde. Dafür ist ein verlängertes Wochenende in Reykjavík ideal. Im vergangenen Frühjahr war ich planlos herumgestreift: Im botanischen Garten gab es Kinderaktionen zum Umwelttag, im Kjarvalstadir war Färöertag, im Hafnarhús präsentierten Kunsthochschulstudenten ihre Abschlussarbeiten und im Rathaus erklang Jazz. Diesmal aber hatte ich vorgeplant und online einen „stürmischen“ Abend gebucht.
Prospero und Ariel entfachen den Sturm. Foto: www.borgarleikhus.is
Auf der Busfahrt nach Reykjavík hatte ich bereits erlebt, was ein richtiger Sturm auf Island anrichten kann. Als hinter Borganes das Nothämmerchen von der Decke fiel, lachten wir 17 Passagiere noch – doch als kurz darauf der Bus zu wanken begann und das Dachfenster fortflog, begannen auch gestandene Isländerinnen zu zittern. Doch der Fahrer steuerte uns unbeirrt durch den Sturm, der mit den Fahrzeugen auf der Nationalstrasse Katz und Maus spielte und bereits einen Lieferwagen von der Piste geschleudert hatte.
Stürmische Aussichten bei Borganes. Foto: bv.
Dann gab es Ofvidrid, den Shakespearschen Sturm im Reykjavíker Theater Borgarleikhúsid.
Das letzte Stück von Shakespeare erzählt von Prospero, dem zauberkundigen Herzog von Mailand, der mit seiner Tochter Miranda auf einer einsamen Insel lebt, seitdem ihn sein Bruder Antonio enttront und verjagt hat. Ein von seinem dienstbaren Luftgeist Ariel inszenierter Sturm lässt das Schiff mit seinen Widersachern an Bord stranden. Prospero will sich rächen, doch am Ende siegt die Vergebung, und auch der versklavte Erdgeist Caliban bekommt seine Insel zurück.
Ich wollte eigentlich nie mehr eine Sturm-Vorstellung besuchen, nachdem ich vor rund 20 Jahren die unvergessliche Inszenierung von Peter Brook gesehen hatte, in der der letztes Jahr verstorbene Sotigui Kouyaté, der grosse hagere Schauspieler aus Burkina Faso, den Prospero spielte.
Doch dann siegte die Neugier vor allem auch auf die Iceland Dance Company (ID), die die Geisterwelt verkörpert und auch einleitend den Sturm tanzte, den Ariel für Prospero entfacht.
Bei Brook war nur Sand auf der Bühne, in Reykjavík quoll die Bühne über. Wo hinsehen? Da wackelt ein Skelett, da schiesst ein Plastikhai aus der Versenkung. Und nach atemberaubender Akrobatik sind die maskierten Tänzer bereits wieder erstarrt und Teil der Dekoration, der Logen, der Bücherwände und Emporen.
Ofvidrid, der Sturm, getanzt von Mitgliedern der Iceland Dance Company. Foto: www.borgarleikhus.is.
Der litauische Regisseur Oskaras Koršunovas hat den opulenten isländischen Sturm inszeniert. Ingvar Eggert Sigurdsson, der Schauspieler, den wir aus den Filmen “Der Tote aus Nordermoor” (Kommissar Erlendur) und “Engel des Universums” (Páll) kennen, ist Prospero – er verkörpert weniger den Magier, mehr den scheidenden Theaterdirektor à la Sheakespeare.
Dafür wird aufwendig Kulissen- und Kostümzauber betrieben, Licht, Musik und Tanz eingesetzt. Ein Schmaus für Aug und Ohr. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus.
Derb wird's, wenn Hilmir Snaer Gudnason (Hlynur in “101 Reykjavík”) sich als Caliban ein riesiges Plastikglied umschnallt und gelegentlich damit herumwedelt. Oder wenn König Alonso, der eher komisch als traurig wirkt, eine regelrechte Schnarchorgie veranstaltet.
Wie der energiegeladene Ariel (Kristín Thóra Haraldsdóttir) werden auch einige der Schiffsbrüchigen – sie erinnern mich teils an Mafiosi, teils an Fuchs&Katz aus Pinocchio – von Frauen gespielt. Da das Stück aber erheblich gekürzt wurde, ist nicht viel Zeit, sich über einen weiblichen Gonzalo oder Antonio zu wundern. Das Liebespaar Miranda und Ferdinand bleibt eher schemenhaft im Gedächtnis, zwei Scherenschnittfiguren, die um ein Reisigbündel ringen.
So phantasiereich die Kostüme sind – wenn Prospero seinen Zaubermantel abstreift, trägt er Pulli und Jeans, und wenn er dann in einer der Logen sitzt und die Szene betrachtet, scheint er einer von uns zu sein – ein Zuschauer.
Apropos Mantel ausziehen: Es gibt keine beaufsichtigte Garderobe in diesem Theater, sondern einfach eine lange Hakenreihe, der jeder Besucher vertrauensvoll seine Aussenbekleidung anvertraut.
Nach so viel Sturm gab es kräftigen Regen, der freundlicherweise nachliess, als am nächsten Abend Safnanótt, die Reykjavíker Museumsnacht begann. Ich wollte Museen besuchen, die ich bisher noch nicht kannte. Beträchtliche Zeit habe ich dafür in den extra eingesetzten Bussen verbracht, deren Benutzung wohl nur sinnvoll ist, wenn man sich an die vorgegebene Reihenfolge der Stationen hält.
Singen von stürmischer See: Kjalarnes Männerchor im Küstenwachschiff Ódinn. Foto: bv.
Die Ausstellungen im Víkin Maritime Museum (Sjóminjasafnid) sind sicherlich informativ – beeindruckender finde ich die kleineren Fischereimuseen in authentischen Gebäuden, die es in vielen Orten Islands gibt. Das alte Küstenwachschiff Ódinn allerdings war eine stimmungsvolle Kulisse für den Kjalarnes Männerchor, der Seemannslieder intonierte.
Die Figurengruppen im Sagamuseum wirkten auf mich arg inszeniert. Wohl aus Anlass der Museumsnacht mischten sich auch lebendige Wikinger und Wikingerinnen unters Volk. Lustig war es, wenn eine vermeintliche Figur jäh ihre erstarrte Haltung aufgab, um Besucher mit dem Schwert zu „bedrohen“.
Im Freilichtmuseum Árbaerjarsafn waren nur zwei Häuser geöffnet und ich nahm mir vor, beim nächsten Aufenthalt in Reykjavík dort einen längeren Besuch einzuplanen.
Vor dem Sigurjón Ólafsson Museum. Mondschein, ruhige See und erste Regentropfen. Foto: bv.
Ich verweilte noch kurz im Museums des Bildhauers Sigurjón Ólafsson am Laugarnestangi und stapfte gegen Mitternacht in die Herberge zurück. Es hatte erneut zu regnen begonnen, aber der Sturm war nicht wieder erwacht.
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net