
Der finanzpolitische Ausschuss der Isländischen Zentralbank hat sich entschlossen, den Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent anzuheben.
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Früher haben die Isländer melgresi, den „Strandhafer“, zu Mehl und Grütze verarbeitet. Heute wird er zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und soll im Mündungsgebiet der Gletscherflüsse Jökulsá á dal und Lagarfljót den Treibsand befestigen.
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Vier Grundschulklassen erlebten anlässlich der Leipziger Messe die Geschichte von Maximus Musikus, der zufällig in einen Orchesterraum gerät und sich von der Musik verzaubern lässt. Klicken Sie auf das Bild um die Diaschau zu sehen.
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Die Geschichte der Bíbí Ólafsdóttir zieht einen von der ersten Seite an in ihren Bann. Bíbí, das ist keine Romanfigur, sondern eine auf den Namen Jónína Björk getaufte Isländerin, die sich den Namen Bíbí erkämpfte, noch bevor sie reden konnte. Sie hat der Schriftstellerin Vigdís Grímsdóttir ihre Lebensgeschichte anvertraut und die hat sie so lebendig aufgeschrieben, dass man glauben könnte, Bíbí selbst zuzuhören.
Geboren ist Bíbí im Jahre 1952 in einer schäbigen Holzhütte im Ellidaárdalur, dem heutigen Naherholungsgebiet im Osten Reykjavíks. „Kaum ein Wohnort für Menschen und kaum Schweinen anzubieten“, meint Mutter Thóra Gudrún, die sechs Kinder in Akureyri zurücklassen und in fremde Pflege geben musste, nachdem sich der Vater aus dem Staub gemacht hatte.
Eine Tochter nimmt sie mit in den Süden, eine weitere kommt 1949 in Kirkjubaerklaustur zur Welt, wo Thóra Gudrún als Wirtschafterin ihren Lebensunterhalt verdient. Hier lernt sie den zwölf Jahre jüngeren Ólafur kennen. Bíbí ist die zweite Tochter des Paares und nach zwölf Schwangerschaften Thóra Gudrúns zehntes lebensfähiges Kind.
Hochzeitsanzeige von Bíbís Eltern im Morgunbladid, 4. August 1954.
Auch wenn Ólafur seine Frau liebt, sie 1954 heiratet und nie verlässt – er ist keinesfalls der Prinz, der Aschenputtel aus dem Dreck zieht, fährt nur stinkenden Diesel für Esso aus. Die Frau ist Armut und Kinderkriegen leid und eines Tages, als sie wie jeden Tag am Fluss Ellidaá Wasser zum Waschen, Kochen und Putzen holt, kippt sie den Kinderwagen mitsamt Bíbi um und geht weg. Einfach so.
Die Geschichte lässt uns keine Zeit, lange bei dieser schrecklichen Episode zu verweilen, der Bíbí und Vigdís sogar noch eine humoristische Seite abgewinnen. Denn schon erleben wir mit, wie Bíbí durch die verrufene Backensiedlung Múlakampur tobt, mit anderen Kinder zusammen Schabernack treibt und in immer neue Rollen schlüpft, bei denen es nicht selten darum geht, Lebensmittel zu organisieren oder andere Heldentaten zu vollbringen, um der Mutter ein wenig Beachtung abzutrotzen.
Schutz, Trost und Freude aber findet Bíbí nur im grossen Stein, der mitten auf der Hauswiese steht:
„In den Stein gehe ich gerne mal schnell und suche mir Gesellschaft. Dort treffe ich meine Freundin und ihre Mutter, die unter herrlichsten Bedingungen im Licht und in schönen Dingen wohnen... einmal schenken sie mir einen glühenden Stein, den sie mir in die Brust drücken. Seitdem ist er dort.“
Beim Spiel in der Siedlung Múlakampur an der Sudurlandsbraut: Bibí (ganz links sitzend), davor Schwester Ásta.
Bíbí erzählt der Autorin Vigdís in einem eingestreuten Interview, sie habe als Erwachsene keine Elfen mehr gesehen. Aber sie hat eine für andere Menschen unsichtbare mütterliche Beraterin, Kolbrún, die stark an die Elfenfrau erinnert. Die hochsensible Bíbí empfindet sich als hellsichtig, sie sieht die Menschen von unterschiedlichen Farben umgeben, sieht voraus, wenn ihnen Gefahr droht.
Nur in ihr eigenes Unheil rennt sie blind und oft voll froher Zuversicht hinein, schlägt alle Warnrufe Kolbrúns in den Wind. Immer wieder fällt sie Männern in die Arme, die im Alkoholrausch zu brutalen Schlägern werden, ein „verzwickter Teufelskreis“, der ihr fast das Leben kostet, bis endlich „die Vernunft mit grosser Schwere aus einem Dornröschenschlaf“ erwacht.
Man muss nicht „esoterisch angehaucht“ sein, um von diesem so lebendig und detailreich geschilderten Frauenschicksal, das uns zugleich durch ein halbes Jahrhundert isländischer Geschichte führt, zutiefst angerührt zu sein. Denn Vigdís&Bíbí bieten uns keine Fertiggerichte aus dem Supermarkt der Spiritualität an und werfen nicht mit New Age-Vokabular um sich.
Vígdís Grímsdóttir, ein Jahr jünger als ihre Protagonistin, hat nach Sprach-, Pädagogik und Literaturstudienjahren als Lehrerin gearbeitet und ist seit 1990 freie Autorin. Sie hat Romane, Kurzgeschichten, Lyrik und Kinderbücher verfasst und ist in Island eine bekannte und beliebte Schriftstellerin.
Ihr märchenhafter Roman „Das Mädchen im Wald“ erschien 2000 in deutscher Übersetzung bei Steidl und zwei ihrer Kurzgeschichten finden sich in dem soeben als Insel Taschenbuch herausgekommenen Band „Die schönsten Erzählungen Islands“.
Die 2007 erschienene „Sagan um Bíbí Ólafsdóttur“ wurde in Island sofort ein Bestseller. Doch in Deutschland hatte offensichtlich keiner der Bestseller produzierenden Verlage Interesse an dem Buch gefunden.
Der Verleger Edgar Sommer, der in Schwülper bei Braunschweig den Cargo Verlag betreibt, hatte sich bisher hauptsächlich um die Kultur der Tuareg gekümmert und Bücher zur Kultur, Geschichte und Literatur des afrikanischen Nomadenvolkes herausgebracht. Als es in der Region zu unruhig wurde, machte sich der gelernte Fotograf Sommer nach Island auf, um einen Fotoband zu produzieren.
Dabei kam er auf den Gedanken, auch einmal ein isländisches Buch zu verlegen und sprach beim Verlag Forlagid vor. Das vage Anliegen des Kleinverlegers stiess dort erst einmal auf Ablehnung. Doch als er die Reiseleiterin Christina Böhner von dem Buch Bíbí schwärmte hörte, wurden seine Vorstellungen konkreter und die Skepsis der Isländer begann zu weichen.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Christina Böhner übersetzte, Sommers Ehefrau Heike Miethe übernahm das Lektorat, und auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr konnte der Cargo-Verleger stolz das fast 400 Seiten starke, in Halbleinen gebundene Buch vorstellen.
Er freut sich schon darauf, im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse, auf der Island Ehrengast sein wird, die Autorin Vigdís Grímsdóttir kennenzulernen.
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net
Vigdís Grímsdóttir: Die Geschichte der Bíbí Ólafsdóttir, Cargo Verlag, gebunden, 384 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 19,80 EUR.