
Der finanzpolitische Ausschuss der Isländischen Zentralbank hat sich entschlossen, den Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent anzuheben.
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Früher haben die Isländer melgresi, den „Strandhafer“, zu Mehl und Grütze verarbeitet. Heute wird er zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und soll im Mündungsgebiet der Gletscherflüsse Jökulsá á dal und Lagarfljót den Treibsand befestigen.
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Vier Grundschulklassen erlebten anlässlich der Leipziger Messe die Geschichte von Maximus Musikus, der zufällig in einen Orchesterraum gerät und sich von der Musik verzaubern lässt. Klicken Sie auf das Bild um die Diaschau zu sehen.
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Die Witwe Brünhildur kann nur gebrochen Isländisch und spricht meist im Kommandoton. Nun sucht sie einen neuen Ehemann. Der Vermittler zeigt ihr ein Foto. Brünhildur denkt sich ein Oberlippenbärtchen dazu und schon passt das Gesicht perfekt zu ihrem Jungmädchenschwarm Adolf Hitler...
Ich weiss nicht, wie viele Folgen es mit Brünhildur in der TV-Comedy-Serie Fóstbraedur (1997-2001) gibt. „Brünhildur í ástarleit“, in der Jón Gnarr Hitler und den von Brünhildur Auserwählten spielt, gehört zu denen, die Deutsche meist nicht lustig finden.
Die Figur der Brünhildur ist allerdings gedacht als Parodie auf Stereotype und grobe Witze, die über die deutschen Frauen kursierten, die in den Nachkriegsjahren als Arbeiterinnen nach Island kamen und dort hängenblieben.
Der Roman „Der Zuhörer“ von Ingibjörg Hjartardóttir erzählt laut Untertitel „die Geschichte eines deutsch-isländischen Frauenschicksals“. Die Protagonistin Súla hat mich sogleich an „Brünhildur“ erinnert.
Súla, eine resolute Achtzigjährige, die seit dem Tod ihres Mannes eine entlegene Farm in Nordostisland alleine bewirtschaftet, spricht zwar perfekt isländisch, ihre Welt-Anschauung aber ist bei Kriegsende steckengeblieben: Russen, Amerikaner, Briten sind für sie immer noch die Feinde und die Deutschen die von den Siegermächten gepiesackten Verlierer.
Unvermittelt beklagt sie sich darüber, die Enkel der Kriegsgeneration verdienten heute Geld damit, mit den Nazis abzurechnen. Und besteht darauf: Wer den Krieg nicht erlebt habe, könne nicht mitreden.
Die isländische Geschichtsstudentin Helga, die Súla interviewt, schweigt dazu. Die Sechzigjährige hatte nach dem Tod ihrer Tochter noch einmal zu studieren begonnen und als Thema für ihre Abschlussarbeit die deutsche Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg gewählt.
Sicherlich ist der Roman flott geschrieben und hält die Spannung auch über längere Passagen, die sich um Schafe, Zäune und Stallungen drehen. Doch beide Frauen sind merkwürdige Figuren, die für mich nicht so recht lebendig werden wollen.
Súla mit ihren Wutanfällen nährt das Klischee der Zucht und Ordnung liebenden deutschen Brünhildur – dies aber, so möchte uns die Autorin wohl vermitteln, sei nur die raue Schale einer Frau, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ein besonders tragisches Schicksal erlitten hat.
Mich verwundert, dass Ingibjörg Hjartardóttir zu ihrer fiktiven Figur nicht auch eine fiktive Farm gewählt hat. Denn „Baugseyri“ ist offensichtlich ein (anders benannter) Hof nahe des Polarkreises, auf dem bis vor kurzem tatsächlich eine dieser deutschen Immigrantinnen gelebt hat.
Dieser und fünf weiteren Frauen begegnet man in „Frauen Fische Fjorde“, einer Reportage von Anne Siegel, die ebenfalls zur Buchmesse erschienen ist. Sie alle äussern sich zur Kriegszeit weitaus differenzierter als die fiktive Súla.
Anne Siegel, die ARD-Korrespondentin in Kalifornien ist, wurde vergangenes Jahr während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull, der ihre isländische Freundin Gréta zum Verweilen zwang, auf das Thema aufmerksam. Sie geht zu Beginn des Buches der Frage nach, aus welchem Grund man die deutschen Frauen angeworben hatte.
In der Nachkriegszeit setzte – befördert durch die Stationierung amerikanischen Truppen und den Aufschwung der ostisländischen Fischindustrie – in Island eine Landflucht ein. Bildungshungrige junge Frauen zogen in die Stadt, andere verliessen das Land an der Seite eines Amerikaners.
Der Vorsitzende der Bauernverbandes hatte die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich den Arbeitskräftemangel auf dem Land zu beheben und Ehefrauen für die einsamen Bauern zu gewinnen.
In den Archiven Schleswig-Holsteins, dem Anwerbegebiet, fand Anne Siegel eine Menge Material zur Durchführung der Kampagne, der sich insbesondere der isländische Konsul in Lübeck Árni Siemsen mit Hingabe widmete.
Die Rechnung ging auf: Viele junge deutsche Frauen sahen in der Nachkriegszeit keine Zukunftsperspektive mehr in Deutschland, wo es an allem mangelte: an Nahrung, Arbeit, Wohnraum und Männern.
Sie wollten zumindest ein paar Jahr aus den Trümmern heraus. Etwa 300 Frauen aus Schleswig-Holstein, 60 Prozent davon Flüchtlingsfrauen, meldeten sich 1949 zur Landarbeit in Island.
Die Insel im Nordatlantik war zunächst ein Kulturschock: Es gab keine Dörfer, zu den abgelegenen Höfen führten keine Strassen. WCs und Traktoren waren unbekannt.
Ursula erfuhr erst später, mit welch Misstrauen und Ressentiments man ihr anfangs begegnete; sie wunderte sich nur, warum so oft Besuch auf den Hof kam: „Sie sind tatsächlich gekommen, um zu sehen, ob ich anders aussehe! Ich fühlte mich im Nachhinein wie im Zirkus...“
Etwa die Hälfte der 1949 und in den folgenden Jahren angeworbenen Frauen bleiben in Island. Es sind starke, durchsetzungsfähige Menschen, die sich trotz zum Teil traumatischer Kriegs- und Nachkriegserlebnisse nicht unterkriegen lassen wollen.
Sie lernen rasch isländisch, die einzige Sprache, die auf den Höfen gesprochen und verstanden wird, sie sind in den harten Arbeitsrhythmus der Familien eingebunden, heiraten und bekommen Kinder.
Neun Kinder sind es bei Alma, die 1950 im Alter von 17 Jahren in Island eintraf. Sie berichtet Anne Siegel, dass sie vor Kriegsende in der Lübecker Bucht miterlebte, wie die Cap Arcona von britischen Flugzeugen bombardiert wurde:
„Wir rannten alle zum Strand, um zu helfen und Menschen aus dem Wasser zu bergen.“ Da kamen betrunkene KZ-Aufseher und erschossen die geretteten Häftlinge vor den Augen der Elfjährigen.
Alma lebt mit ihrer Familie viele Jahre in einem mit Grassoden gedeckten alten Haus in Südisland. Wasser muss aus der Zisterne geholt werden und nur in der Küche gibt es einen Kohleofen.
1973 ist Alma noch einmal Zeugin einer Katastrophe, des Vulkanausbruchs auf den gegenüberliegenden Westmännerinseln, die zum Glück nur ein Menschenleben kostet. Almas Zuhause ist mit Asche bedeckt – nun wird es Zeit, ein neues Haus zu bauen.
Den deutschen Pionierinnen hatte der Historiker isländische Pétur Eiríksson bereits 2008 eine Studie gewidmet. Er ermittelte, dass es etwa 340 direkte Nachkommen und wahrscheinlich über eintausend Enkel dieser Frauen auf Island gibt.
„Thýska landnámid“ (Deutsche Landnahme) heisst sein Buch und sollte im September eigentlich auf Deutsch erscheinen. Doch dem Verlag war es zu sehr für isländische Leser geschrieben.
Schade, denn eine historische Studie, die auch Ideengeber für den Roman „Der Zuhörer“ war, hätte die interviewbetonte Reportage „Frauen Fische Fjorde“ sicher gut ergänzen können.
Jede der Frauen, mit der Anne Siegel sprach, hat eine beeindruckende Geschichte zu erzählen. Die Erinnerung an die vom Krieg gestohlenen Jugendjahre hatten sie weit hinter sich gelassen, mit Mann und Kindern kaum darüber geredet.
Gegen Lebensende aber wird die Rückbesinnung wichtig und dazu kam die Zuhörerin aus der alten Heimat gerade noch rechtzeitig.
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net
Ingibjörg Hjartardóttir: Der Zuhörer, Salon Literatur Verlag, 220 S., 16,90 Euro.
Anne Siegel: Frauen Fische Fjorde, Bucher Verlag, 236 S., 19,90 Euro.
Hier finden Sie Informationen zu Ingibjörg Hjartardóttir; hier geht es zur Infoseite von „Frauen Fische Fjorde“ und hier finden Sie einen Artikel von Gudrun M. H. Kloes aus der Zeitschrift „Island“ über das Buch von Pétur Eiríksson.