Der Verbraucherpreisindex (VPI) liegt im Juli bei 361,7 Punkten, um 0,66 Prozent unter den Juni-Zahlen. Die jährliche Inflationsrate beträgt 4,8 Prozent und ist laut Statistischem Amt seit März 1986 zwischen zwei Monaten nicht mehr so schnell gesunken.
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Klicken Sie auf das Bild um eine Slideshow zum Vulkanausbruch auf Fimmvörduháls, zwischen den Gletschern Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull, in Süd-Island zu sehen. Fotos: Bjarni Brynjólfsson und Páll Stefánsson. Musik: Páll Kjartansson.
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Am letzten Tag meines Islandaufenthaltes besuchte ich Videy. Zum Greifen nah liegt das kleine Eiland vor Sundahöfn, dem Frachthafen von Reykjavík. Die kleine Fähre ist im Winter nur an den Wochenenden in Betrieb.
Es war ein kalter Tag, aber die Sonne schien und die Luft war so klar, dass sich in der Ferne sogar der geheimnisvolle schneeweisse Snaefellsjökull zeigte. Die Überfahrt dauerte gerade mal fünf Minuten. Wir waren nur wenige Passagiere, eine Frau eilte voraus und schloss das Videyhaus auf: Die Insel ist seit langem nicht mehr bewohnt.
Videy: Hafen, Kirche und Videyhaus (das erste auf Island erbaute Steinhaus).
Ich besichtigte die Kirche und die Ausgrabungsstätte des mittelalterlichen Klosters hinter dem Videyhaus und schlug den Weg zu Yoko Onos Imagine Peace Tower ein, der auf isländisch schlicht Fridarsúlan, die Friedenssäule, heisst. Vor zwei Jahren war er eingeweiht worden. Ich hatte die Veranstaltung im Web-TV mitverfolgt – ein Chor sang „Imagine Peace“ auf isländisch und Yoko rief „I love you!“ und umarmte Ringo und alle, die da etwas schlotternd vor Kälte um sie herumstanden.
Imagine Peace Tower.
Nun stehe ich vor ihrem Wunschbrunnen, einem schlichten weissen Zylinder, aus dem erst einige Tage nach meiner Abreise die Lichtsäule aufsteigen wird – vom 9. Oktober, John Lennons Geburtstag, bis zu seinem Todestag am 8. Dezember. Auf dem Brunnen steht in 24 Sprachen „Imagine Peace“, die deutsche Inschrift benötigt die meisten Worte: „STELL DIR VOR ES IST FRIEDEN“.
Wünsche von 500.000 Menschen liegen auf dem Grund des Brunnens. Ich erinnere mich, nach einigem Zögern auch eine Email geschickt zu haben. Aber was hatte ich mir damals eigentlich gewünscht?
Vesturey, der Westteil von Videy mit einem Paar Áfangar.
Nicht weit vom Imagine Peace Tower entfernt ragt eine Klippe aus Säulenbasalt ins Meer. Oben auf dem Hügel, so lese ich im Videy-Faltblatt, wollte der letzte katholische Bischof, Jón Arason, im 16. Jahrhundert eine Festung zum Schutz des Klosters errichten lassen. Wenige Monate später wurde er gefangen genommen und enthauptet – die Reformation und die dänische Krone hatten gesiegt. Jón Arason ist auch im reformierten Island ein Nationalheld; ich erinnere mich noch an mein Staunen, als ich sein Abbild auf einem der Glasfenster in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Akureyri entdeckte.
„Stell dir vor es gäbe ... keine Religion“ heisst es in deinem Song, John Lennon. Ja, es gab diese fanatischen Religionskrieger und es gibt sie wieder. Auch ich glaube nicht an einen Gott – aber eine Menschheit ganz ohne Religion – ohne Edda, ohne Alhambra, ohne Bachkantate – das kann und will ich mir nicht vorstellen. Und dem Frieden, John, wäre dem nicht mit religiöser Toleranz schon ein wenig weitergeholfen?
Unter solchen Gedanken folge ich den Áfangar – Etappen, Rastpunkten. Es sind neun Paare aufrecht stehender Basaltsäulen, die an exakt vermessenen Punkten aufgestellt sind. Der Künstler Richard Serra war so „vermessen“, die Säulen aus ihrem natürlichen Rahmen, dem erstarrten Lavastrom, herauszulösen, um neue Ansichten zu erschaffen.
Die Áfangar rahmen die Landschaft ein, heisst es im Faltblatt. Braucht diese Landschaft Rahmen? Aus einiger Entfernung betrachtet stehen die Säulen dicht nebeneinander. Parallelen, die sich im Unendlichen treffen? Hätte der mathematische Begriff entwickelt werden können ohne die religiöse Vorstellung von Unendlichkeit und Ewigkeit?
Eine alte Schiffsschraube lenkt mich ab und ich bin wieder mittendrin im Thema Krieg und Frieden. Vor fast genau 65 Jahren, am 24. Oktober 1944, ankerte ein kanadischer Zerstörer vor Videy. Die Skeena hatte die alliierte Landung in der Normandie unterstützt – nun wollte sich die Besatzung wohl etwas Ruhe gönnen. Schwerer Sturm kam auf, der Anker löste sich, die Skeena lief auf Grund. Panik, ein voreiliger Befehl, das Schiff aufzugeben. In der grössten Rettungsaktion, die Island jemals erlebte, konnten 198 Besatzungsmitglieder, die an Bord geblieben waren, gerettet werden. Aber 15 Mann waren in ihren Schwimmwesten vor Videy ums Leben gekommen.
Die auf Grund gelaufene Skeena.
Warum lässt mich die Vorstellung des von Deutschland entfachten Zweiten Weltkrieges selbst auf diesem friedlichen Eiland fernab des europäischen Kontinents nicht in Frieden? Imagine Peace!
Ich summe vor mich hin: „Imagine there's no heaven...“ Aber das ist doch unlogisch, John: Nur wenn es das Himmelreich wirklich gibt, kann ich mir vorstellen, es existiere nicht!
Marienstatue auf dem Kvennagönguhólar, Videy.
Im Ostteil der Insel besteige ich den Kvennagönguhólar, den Hügel, auf den die Frauen gehen. Im Jahre 2000 hat man zur Erinnerung an die Christianisierung Islands vor 1.000 Jahren eine Marienstatue darauf errichtet. Die Elfinnen, die hier leben sollen, scheint das nicht zu stören. Gibt es doch am Hügel eine kleine Höhle, die seit eh und je Paradís, Paradies genannt wird.
Im "Paradies" von Videy.
Nun endlich, da ich im Paradies und damit eigentlich schon im Himmelreich hocke, könnte ich mir vorstellen, es gäbe es nicht. Aber ich stelle mir lieber vor: Bischof Jón tanzt im Paradies mit einer verschleierten Elfin und Atheist John singt dazu.
Zuhause finde ich dann die Kopie meiner Email an das Imagine-Peace-Projekt: Ein kurzer Gruss und isländische Verse über die Vorstellung und Sehnsucht des Dichters, vogelgleich singen und fliegen zu können.
Dieses Gedicht über die Vögel („Kvaedid um fuglana“) von Davíd Stefánsson beginnt mit den Zeilen: „Berühre meine Harfe, himmelsgeborene Göttin, damit Gottes Engel im Paradies es hören.“
Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net